STEIBL: NEUREGELUNGEN FÜR HEBAMMEN WERDEN DEREN ARBEITSALLTAG GERECHT

Wien, am 23. Mai 2002 (ÖVP-PK) Trotz sinkender Geburtenzahlen kommt dem Hebammen-Beruf nach wie vor eine große und wichtige Bedeutung zu, denn der Tätigkeitsbereich dieses Berufsstandes umfasst nicht nur die Tätigkeit und Betreuung direkt beim Geburtsvorgang, sondern erstreckt sich vielmehr auch auf die Zeit danach: Die Betreuung und Unterstützung der frischgebackenen Mutter und des Säuglings nach der Geburt gehört zu den Kernbereichen einer Hebamme. Das Hebammengesetz 1994 entspricht in einigen Bereichen nicht mehr den Bedürfnissen der Praxis und aus diesem Grund schaffen wir für unsere rund 1.500 Hebammen in Österreich Neu-Regelungen, die sich an der Praxis orientieren und die dem Arbeitsalltag unserer Geburtshelferinnen gerecht werden. Das sagte heute, Donnerstag, ÖVP-Familiensprecherin Abg. Ridi Steibl. ****

Derzeit ist Hebammen eine eigene Verschreibung von Arzneimitteln, die sie für ihre Berufsausübung benötigen, nicht möglich. Hebammen dürfen zwar im Rahmen ihrer Tätigkeit bestimmte Arzneimittel ohne ärztliche Anordnung anwenden und sie sind auch verpflichtet, diese vorrätig zu halten. Der Bezug dieser Medikamente ist jedoch nur auf Grund einer ärztlichen Verschreibung möglich. "Dies führt im Berufsalltag dazu, dass Geburtshelferinnen unnötig oft Ärzte zur Medikamentenbeschaffung konsultieren müssen - dies kann jedoch weder im Sinne der Ärzteschaft noch im Sinne unserer Hebammen sein," so Steibl. Mit der vorliegenden Novelle soll nun die Verschreibung jener Arzneimittel durch Hebammen ermöglicht werden, zu deren Anwendung sie schon jetzt im Rahmen ihrer Berufsausübung berechtigt sind, und zwar ohne ärztliche Anordnung.

"Die Ausbildung zur Geburtshelferin in Österreich ist hochqualifiziert und im europäischen Vergleich auf höchstem fachlichem und praktischem Niveau. Daher scheinen Hebammen als ausreichend befähigt, die für die Geburtshilfe angezeigten Arzneimittel selbst zu verschreiben," meint Steibl. "Damit bringen wir diesem Berufsstand das Vertrauen entgegen, das ihm auch gebührt -denn mit der zusätzlichen Möglichkeit der Verschreibung von Medikamenten erhöht sich zugleich der bisherige Sorgfaltsmaßstab für Hebammen." Die diesbezügliche haftungsrechtliche Gesamtverantwortung wird nämlich in konsequenter Weise den Hebammen übertragen.

Im Gesetzgebungsprozess wurden auch die Vor- und Nachteile einer Art Generalklausel im Rezeptpflichtgesetz diskutiert, wonach Arzneimittel im Rahmen der Berufsausübung auch an Angehörige anderer Gesundheitsberufe aufgrund eigener Verschreibung abgegeben werden dürfen, führt Steibl aus. Die Diskussion und der Austausch an Erfahrungen hat allerdings gezeigt, dass eine derartige Blanko-Ermächtigung aus gesundheitspolitischer Sicht unerwünscht ist und keinen Sinn macht, denn die Verordnung von Heilmitteln zählt aus guten Gründen zu den klassischen Tätigkeiten des ärztlichen Berufes. "Und dies soll auch nach wie vor Gültigkeit besitzen! Es kann nicht im Sinne unserer Gesundheitspolitik sein, dass in Kürze etwa Psychotherapeuten Antidepressiva verschreiben dürfen."

Neben den Dentisten würden nun die Hebammen die erste Berufsgruppe bilden, denen eine selbständige Verschreibung von rezeptpflichtigen Arzneimitteln eröffnet wird - aber in engen, sinnvollen Grenzen. "Wir setzen einen weiteren Schritt in Richtung patientengerechte Gesundheitsversorgung, denn es sind neben den frei-praktizierenden Hebammen ausschließlich unsere gebärenden Frauen und ihre Babys, die von diesen Neuregelungen profitieren werden", so Steibl abschließend. (Schluss)

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