FERRERO-WALDNER 2: "Regionale Partnerschaft in Sachfragen konkretisieren"

"wir verändern das Antlitz Europas und bleiben dennoch dieselben"

(Krakau - OTS) "Mein Besuch in Südpolen verfolgt die Absicht, das Konzept der Regionalen Partnerschaft, in der wir uns gemeinsam mit Polen, der Tschechischen Republik, der Slowakischen Republik, Ungarn und Slowenien auf die EU-Erweiterung bestmöglich vorbereiten und Allianzen in Sachfragen für unsere gemeinsame Zukunft in der EU schmieden wollen, auch in den Beziehungen zwischen Österreich und Südpolen zu konkretisieren. Eine Verdichtung der Beziehungen im politischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Bereich ist in Anbetracht des bevorstehenden EU-Beitritts Polens von großer Bedeutung. In den letzten Jahren konnten bei der Zusammenarbeit österreichischer Bundesländer mit südpolnischen Wojewodschaften deutliche Fortschritte erzielt werden", sagte die Außenministein heute in Krakau.

Im Bereich der Wissenschaft wird als konkretes Ergebnis des "Polnischen Jahres in Österreich" über Initiative des Aussenministeriums eine langfristige Partnerschaft zwischen der Jagiellonen-Universität Krakau und der Universität Wien abgeschlossen. "Mit der Krakauer Jagiellonen-Universität wie auch der Universität Breslau konnte bereits eine sehr starke Partnerschaft zu EU-Themen durch die Informationskampagne EUROPA DIALOG begründet werden", sagte FERRERO-WALDNER und verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass Anfang Juni dieses Jahres die Serie in der Hauptstadt der Wojewodschaft Unterkarpaten, Rzeszow mit dem Thema "Landwirtschaft in Europa" inauguriert werden wird. Österreichische Referenten werden unter anderem die Abgeordneten zum Europäischen Parlament, Agnes Schierhuber, Christa Prets, und der Landtagspräsident der Steiermark, Reinhold Purr, sein. Von 25. -27.April 2002 fand an der Krakauer Jagiellonen-Universität überdies ein Wissenschaftertreffen "An Agenda for Austria and Poland" statt, das gemeinsame bilaterale Projekte, unter anderem bezüglich Migration, Mobilität, Stereotypen, Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen, erörterte.

Auch im Bereich der Kultur hat sich seit 1989 im Verhältnis Österreich-Südpolen eine hervorragende Partnerschaften etabliert, die nunmehr bewusst zur Abstützung der regionalen Partnerschaft genutzt wird. So fanden am 23./24. April 2002 die im Jahr 2000 eingeführten Österreich-Tage in Oppeln heuer zum dritten Mal statt und wurden zu einem grossen, auch regionalpolitischen Erfolg. Anlässlich des Besuchs von Außenministerin FERRERO-WALDNER in Krakau wird heute mit dem Thema "Moderne österreichische Architektur in Europa", an der auch Prof. Gustav PEICHL und der polnische Architekt Romuald LOEGLER teilnehmen, bewusst ein innovatives, zukunftsorientiertes Thema und kein Nostalgie-Thema angesprochen. Und am 25. Mai 2002 wird ein hochkarätig besetztes Architektur-Symposion Möglichkeiten künftiger Zusammenarbeit in diesem zukunftsweisenden Bereich erörtern.

FERRERO-WALDNER: "Das große Interesse der südpolnischen Regionen, in denen 20 Millionen Menschen wohnen und neue zukunftsorientierte Wirtschaftsstrukturen entstehen, an Österreich, ist eine jener Chancen, die wir jetzt und in einer erweiterten EU auf allen Gebieten nutzen müssen, wenn wir das Entstehen einer starken mitteleuropäischen Region mitgestalten wollen."

Am Nachmittag hielt FERRERO-WALDNER mit der Staatssekretärin im polnischen Außenministerium, Danuta HÜBNER, an der Krakauer Jagiellonen-Universität eine Diskussion über die Zukunft der österreichisch-polnischen Beziehungen im sich vereinigenden Europa ab. Dabei sagte FERRERO-WALDNER in Anlehnung an den polnische Schriftsteller Wieslaw Brudzinski, dass wir heute mit der historischen Erweiterung der Europäischen Union das Antlitz Europas verändern und dennoch dieselben bleiben. "Gemeinsam gestalten wir, die 15 Mitglieder der EU und die Beitrittskandidaten, ein großes Europa der Zukunft, dessen Integration voranschreitet und dessen Position in der Welt gestärkt werden soll; ein Europa, das nach innen durch Partizipation, Bürgernähe und Effizienz gekennzeichnet ist und das nach außen Kohärenz zeigt. Gewiss eine große Aufgabe, die vor uns liegt! Ein solches Europa wird es uns aber ermöglichen, uns selbst -als Österreicher, als Polen, als Bürger eines der Mitgliedstaaten -zu verwirklichen und gleichzeitig gemeinsam eine europäische Identität zu entwickeln.", so FERRERO-WALDNER.

FERRERO-WALDNER wies in ihrer Rede an der Krakauer Jagiellonen-Universität die Kritik, Österreich würde Sand in das Getriebe der Erweiterung streuen, zurück. "Glauben Sie dass wir unseren eigenen Interessen schaden oder uns einfach aus dem Zentrum, dem Herzen Europas verabschieden würden? Im Gegenteil. Wir wollen das Beste daraus machen! Meine Grundsätze für die Erweiterung, durch die ich mich im Verhandlungsprozess leiten lasse, lauten daher:
Gründlichkeit, fairer Interessensausgleich, Offenheit, Erarbeitung des bestmöglichen gemeinsamen Vorteils, keine Vetodrohungen, keine Referenden über das Schicksal anderer, Klärung offener bilateraler Fragen noch vor dem Beitritt, Einbindung der Öffentlichkeit in den Dialog, Zügigkeit und vor allem aber Qualität", so die Außenministerin

Gleichzeitig verwies FERRERO-WALDNER aber auch darauf, dass auch die Beitrittskandidaten ihre "Hausaufgaben" machen müssen. "Beide Seiten, EU und Beitrittskandidaten, müssen sich selbst und einander in die Pflicht nehmen und weiter mit voller Kraft an der Bewältigung der noch offenen Verhandlungskapitel arbeiten. Wichtig ist mir dabei, dass die budgetäre Deckelung der Agenda 2000 von 1,27 % des Bruttoinlandsprodukts als absolute Obergrenze auch eingehalten wird. Der bisherige Verhandlungsverlauf zeigt, dass man mit einer vernünftigen Politik Verhandlungsergebnisse erzielen kann, die die Interessen des eigenen Landes vollends wahren und zugleich für die Anderen akzeptabel sind. Im Europa der Regionen sind Österreich und Polen kulturelle Nachbarn und natürliche Verbündete. Wir werden in den kommenden Jahren viele Male Gelegenheit haben, dies in die Praxis umzusetzen. Ich freue mich darauf", so FERRERO-WALDNER (Fortsetz.).

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