Oberösterreichische Nachrichten Kommentar "Das Elend der Geheimdienste" von Meinhard Buzas

Schon wenige Tage nach dem 11. September hatte in den USA die Kritik am Geheimdienst CIA und der Bundespolizei FBI eingesetzt, die von den Anschlägen angeblich völlig überrascht wurden. Dass dieses Thema nun wieder brisant wird, ist auch einer schon beginnenden Wahlkampfstimmung in Amerika zuzuschreiben, aber nicht nur. Die nun geplante völlige Umorganisierung des Auslandsgeheimdienstes und der Inlands-Polizeibehörde sind ein deutliches Indiz dafür.
Dass die Muster, nach denen die Selbstmordattentäter des vergangenen Herbstes vorgingen, nicht nur bekannt, sondern öffentliches Gemeinwissen waren, dafür mag unter anderem ein Kinofilm als Beweis dienen, der gerade am Wochenende im österreichischen Fernsehen ausgestrahlt wurde: =AusnahmezustandU aus dem Jahr 1998 schildert auf fast beängstigend prophetische Weise eine Serie von Terrorakten in New York.
Im Film wird sinngemäß folgendes erklärt: Früher waren islamistische Terrororganisationen so strukturiert, dass ihre Zellen untereinander Kontakt hatten und voneinander wussten. Das machte es leichter, sie aufzuspüren. Die neuen Strukturen setzen auf völlige Abschottung, jede Zelle operiert ohne Kenntnis der anderen Gruppen. Schon drei Jahre davor wurde also in einem Kinofilm das System erläutert, nach dem die Attentäter bei ihren Angriffen auf die Twin Towers und das Pentagon vorgingen.

Passend dazu erschien gerade jetzt das Buch eines Ex-Agenten namens Robert Baer unter dem bezeichnenden Titel ÖDer Niedergang der CIA(. Darin legt der Mann, der im Libanon, in Somalia, im Iran und anderen Brennpunkten der moslemischen Welt im Einsatz war, seinen Finger auf offene Wunden der Geheimdienstorganisation. Sie verließ sich seit Mitte der achtziger Jahre immer stärker nur noch auf technische Aufklärung und vernachlässigte menschliche Informationsquellen in beinahe fahrlässiger Weise. Satellitenfotos waren wichtiger als das Auftun menschlicher Quellen, in vielen Fällen wurde das (ohnehin ungeheuer schwierige) Anwerben von Agenten, die zumindest am Rande Zugang zu fanatischen Gruppierungen in der islamischen Welt hatten, ausdrücklich verboten, wurden Informationen nicht weiter verfolgt, nicht richtig interpretiert.

Nach einer Serie von Entführungen und mörderischen Attentaten auf US-Einrichtungen im Mittleren Osten bestand die Reaktion des politischen und geheimdienstlichen Amerika nicht darin, Verantwortliche und Hintermänner aufzuspüren, sondern im Gegenteil darin, dem eigenen Dienst die Arbeit möglichst schwer zu machen. Der Geheimdienst, nach spektakulären Fehlschlägen und Machinationen wie der Iran-Contra-Affäre geprügelt, zog sich daraufhin auf den Status eines mittelmäßigen Informations-Verwalters zurück.
Keiner kann behaupten, dass sich die Terrorakte des 11. September hätten verhindern lassen. Aber die Anzeichen, dass die wenigen Kenntnisse, die man hatte, auch noch falsch bewertet wurden, verdichten sich immer mehr.

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