GPA-Frauen: Kindergeld ist Ursache für Geburtenrückgang

Betreuungsarbeit darf nicht auf Kosten der Erwerbsarbeit gehen

Wien (GPA/ÖGB). Die Freude von ÖVP-Generalsekretärin Rauch-Kallat über eine vermeintliche Trendumkehr bei den rückläufigen Geburtenzahlen bezeichnet die Bundesfrauensekretärin der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA), Sandra Frauenberger, als völlig wirklichkeitsfremd. Eine kürzlich von der Statistik Austria veröffentlichte Studie bescheinigt bei den Geburtenzahlen einen historischen Tiefststand für das Jahr 2001 und einen feststellbaren längerfristigen Trend sinkender Fertilität. Leicht steigende Werte für einzelne Monate seien noch kein Indiz für eine Umkehr dieser Entwicklung. "Vielmehr zeigt die Gesamtstatistik, dass die Einführung des Kindergeldes ein wesentlicher Faktor für die alarmierende Geburtenentwicklung ist", kritisiert Frauenberger die Einschätzungen Rauch-Kallats.++++

"Es ist für mich ganz und gar nicht verwunderlich, dass sich immer mehr Frauen gegen Familie und Kinder entscheiden. Die Umfragen bestätigen nur, was für mich ganz klar war: Das Kinderbetreuungsgeld zementiert die klassische Rollenverteilung zwischen Frauen und Männern. Doch Frauen sind nicht mehr dazu bereit, für Kinder auf ihre Berufstätigkeit zu verzichten", so Frauenberger. Das Modell der Regierung fördert mit dem Kinderbetreuungsgeld den Berufsausstieg von Frauen, die erkennen, dass die derzeitige Frauenpolitik in Wirklichkeit Frauen aus dem Arbeitsmarkt drängt. Eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Wahlfreiheit für Frauen ist somit nicht garantiert. Im Gegenteil, die finanziellen Signale gehen in Richtung einer familiären Betreuung durch die Mutter und damit auf Kosten der kollektiven Kinderbetreuung.

Ein Beweis dafür ist, dass in Ländern mit einer hohen Frauenerwerbsquote auch keine Sorge über einen Geburtenrückgang besteht. Beispielsweise verzeichnet Schweden 25 Prozent mehr Geburten als Österreich. In Österreich fehlt es an den erforderlichen Rahmenbedingungen. "Betreuungsarbeit darf nicht auf Kosten der Erwerbsarbeit gehen. Um den Geburtenrückgang zu stoppen sind daher flächendeckende ganztägige Betreuungseinrichtungen dringend notwendig und eine eigenständige finanzielle Absicherung, sonst bleibt den Frauen auch weiterhin nichts anderes übrig, als sich für die Kinderlosigkeit zu entscheiden", so Frauenberger.

ÖGB, 15. Mai 2002
Nr. 442

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