DI Josef Wöhrer folgt Komm.-Rat DI Wilhelm Klepsch nach

Obmannwechsel in der Sparte Industrie

Salzburg, 15. Mai 2002/WK Sbg. Nach elf Jahren an der Spitze der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Salzburg legte gestern, Dienstag, 14. Mai 2002, Spartenobmann Komm.-Rat Wilhelm Klepsch seine Funktion zurück. Ihm folgt als neuer Spartenobmann der Vorstandsvorsitzende und Generaldirektor der Salzburger Aluminium AG (SAG), Bergrat h.c. DI Josef Wöhrer, nach. Klepsch wird der Sparte noch bis zum Jahreswechsel als einer der stellvertretenden Obmänner zur Verfügung stehen.<p>
Bei der gestrigen Spartenkonferenz im WIFI Salzburg zog der scheidende Obmann eine großteils positive Bilanz über seine Zeit an der Spitze der Salzburger Industriesparte: Die vergangenen elf Jahre hätten - neben den politischen und wirtschaftlichen Veränderungen wie der Ostöffnung, dem EU-Beitritt Österreichs oder der Währungsumstellung - der Salzburger Industrie ein Wechselbad der Gefühle zwischen Hochkonjunktur- und Abschwungphasen beschert.<p> Die meisten Betriebe der Industrie hätten sich aber in dieser Zeit hervorragend behauptet, zum überwiegenden Teil stark expandiert und in manchen Bereichen sogar Marktführerschaft erreicht. Das zeigt sich auch an den Branchenkennzahlen: So nahm die Produktivität in der Salzburger Industrie zwischen 1990 und 2001 um 62% zu, der Produktionswert erhöhte sich von 2,8 Mrd. auf 4 Mrd. €, der Exportwert von 1,4 Mrd. auf 3,1 Mrd. €.<p>
Klepsch: "Das darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Struktur der Salzburger Wirtschaft in dieser Zeit zu Lasten der Industrie verändert hat. Die Ansiedlung von Sony im Jahr 1986 war die letzte große industrielle Neuansiedlung in Salzburg. Nicht ohne Grund habe ich immer wieder vor einer Entindustrialisierung des Landes gewarnt und an die Politik appelliert, die Rahmenbedingungen für die Industrie zu verbessern!"<p>
In elf Jahren viel erreicht<p>
Als erreichte Erfolge wertete Klepsch unter anderem die Bemühungen im Umweltschutz: Insgesamt habe die Salzburger Industrie von 1992 bis 2000 etwa 500 Mill. € in Umweltmaßnahmen investiert. Mit dem ELWOG (Elektrizitäts-Wirtschafts- und Organisationsgesetz) sei trotz der nach wie vor bestehenden Mängel der Schritt in die Stromliberalisierung gesetzt worden. Jetzt gehe es darum zu verhindern, dass die erzielten Preisreduktionen mit gesetzlich geregelten Zuschlägen zu den Netztarifen aufgehoben werden.<p> In der Berufsausbildung sei mit der Schaffung des neuen Lehrberufes Produktionstechniker eine Lücke in der Qualifikationsskala der Mitarbeiter geschlossen worden. Darüber hinaus sei es mit dem Projekt "Industrie und Schule" gelungen, junge Menschen frühzeitig mit Themen der Wirtschaft und der Industrie vertraut zu machen und sie für einen Beruf in der Wirtschaft zu gewinnen.<p>
Als Misserfolg sei unter anderem zu betrachten, dass Salzburg seine bundesweite Spitzenposition als Wirtschaftsregion eingebüßt habe. Klepsch: "Wenig erfolgreich scheinen wir auch dabei zu sein, dass die Hochleistungsstrecke der ÖBB in einem vollwertigen Ausbau über Salzburg geführt wird und auch beim Bau der zweiten Röhre des Tauerntunnels."<p>
Zahlreiche Impulse gesetzt<p>
Klepsch zog auch Bilanz über die zahlreichen Aktivitäten während seiner Obmannschaft. Dazu gehören unter anderem die Imagekampagne unter dem Motto: "Menschen, die etwas bewegen", eine Enquete über die thermische Abfallentsorgung, ein Symposium zum Thema "Industrielle Arbeitswelt" , eine IWI-Studie zu "Industriestruktur und Perspektiven der Industriepolitik in Salzburg", die zum Teil Anknüpfungspunkt für das Wirtschaftsleitbild des Landes Salzburg war, oder eine Untersuchung der Standortbedingungen in Salzburg auf Grundlage einer Managerbefragung sowie eine Studie über die Qualifikationsanforderungen der Industrie an Schulabgänger.<p> "Alles was wir erreicht haben, war nur durch die engagierte Unterstützung meiner Stellvertreter DI Ernst Mayer, Dr. Klaus Moldan und bis vor einem Jahr Helga Winkler-Berger sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sparte Industrie möglich", bedankte sich der scheidende Obmann.<p>
Verkehrsvorhaben scheinen gesichert<p>
In seiner Rede bei der Spartenkonferenz stellte Landeshauptmann Dr. Franz Schausberger fest, dass die Hochleistungsstrecke der ÖBB nicht an Salzburg vorbeiführen werde. Das habe ihm Verkehrsminister Mathias Reichhold vor wenigen Tagen zugesagt. Die geplante Betriebssimulation werde bis Mitte Juni vorliegen. Danach falle die Entscheidung, welche Variante schließlich verwirklicht wird und es werde umgehend mit den Planungen begonnen.<p>
Zum Tauerntunnel meinte Schausberger, die Kosten für die zweite Röhre allein würden bei rund 72,7 Mill. € liegen. Sollten jedoch alle geforderten Umweltmaßnahmen ebenfalls verwirklicht werden, könnten sich die Baukosten auf 218 Mill. € erhöhen. Unklar sei auch noch, ob eine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig sei, was den geplanten Baubeginn 2003 um ein halbes Jahr verzögern könnte.<p> Besonderes Augenmerk legte der Landeshauptmann in seiner Rede auf die Berufsausbildung. Er kündigte an, dass derzeit die Einrichtung von zwei neuen HTL im Pongau und im Flachgau geprüft werde und plädierte für die Schaffung einer privaten medizinischen Fakultät.<p>
Industrie zuwenig beachtet<p>
Der neue Spartenobmann DI Josef Wöhrer kritisierte in seiner Antrittsrede, dass die Erfolge der Salzburger Industrie mit ihren jährlichen zweistelligen Wachstumsraten in der Öffentlichkeit kaum Beachtung finden. Salzburg gelte noch immer als Zentrum des Tourismus, der Landwirtschaft und des Gewerbes mit "ein bisschen Industrie". Dass hier allerdings mit Atomic, Blizzard, Sony und Red Bull vier weltweit führende Marken angesiedelt seien und Salzburg über eine Palette weiterer bekannter Marken verfügt - von Bier bis zu Gewürzen und Bekleidung -, bleibe großteils unbeachtet. "Wir müssen das Industriebewusstsein in Salzburg verstärken", nannte Wöhrer einen Ansatzpunkt für seine künftige Arbeit als Spartenobmann, die er "konsensorientiert, aber auch konfliktfähig" gestalten will.<p>
Darüber hinaus sprach sich Wöhrer dafür aus, nicht nur die Ansiedlung neuer Industriebetriebe zu forcieren, sondern auch bestehende Unternehmen besser zu unterstützen, damit sie sich weiterentwickeln können.<p>
Lebenslauf Komm.-Rat Wilhelm Klepsch: <p>
Der Chef der Piesendorfer Firma Senoplast wurde 1938 in Aussig an der Elbe in der früheren CSSR geboren. Noch während seines Studiums an der Montanistischen Hochschule in Leoben gründete er die Firma Senoplast. Mit der Erfindung eines speziellen Herstellungsverfahrens für Mehrschichtfolien und Mehrschichtplatten gelang Klepsch ein bedeutender Innovationsschritt, mit dem die Basis für seine Geschäftserfolge gelegt wurde. <p>
1978 wurde in Piesendorf eine neu errichtete Fabrik in Betrieb genommen. Die dynamische Entwicklung des Unternehmens mit einem Exportanteil von mehr als 90% machte seither laufend Betriebserweiterungen notwendig, die auch ein Techno-Z in Uttendorf umfassen. Die Senoplast-Klepsch-Gruppe besteht heute aus 15 Firmen im In- und Ausland mit mehr als 500 Mitarbeitern und einem jährlichen Umsatz von fast 120 Mill. €.<p>
Neben seinen unternehmerischen Aufgaben ist Klepsch seit 1980 Mitglied der Fachvertretung der chemischen Industrie und seit 1995 deren Vorsitzender. Von 1991 bis 2002 war er Obmann der Sparte Industrie der WK Salzburg. Klepsch trägt seit 1995 den Berufstitel Kommerzialrat und wurde für seine Verdienste mit dem Silbernen Ehrenzeichen des Landes Salzburg sowie mit dem Großen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet.<p> Lebenslauf Bergrat h.c. DI Josef Wöhrer:<p>
Der neue Obmann der Sparte Industrie wurde 1937 geboren und ist Absolvent der Montanuniversität Leoben. Nach dem Studium war Wöhrer zunächst einige Jahre bei der Österreichischen Alpine Montangesellschaft tätig. 1967 trat er in den schweizerischen Alusuisse-Lonza Konzern ein und war zunächst als Bergbaufachmann im Ausland mit Führungsaufgaben betraut.<p>
1982 wurde Wöhrer zum Geschäftsführer der Salzburger Aluminium GmbH in Lend, damals einer 100prozentigen Alusuisse-Tochter, bestellt. Zehn Jahre später fand unter seiner Führung die Übernahme des Unternehmens von der Alusuisse im Rahmen eines Management-Buy-Out statt. Damit erfolgte auch die Neuausrichtung der Salzburger Aluminium AG, wodurch der Industriestandort Lend erhalten und langfristig abgesichert wurde.<p>
Das Unternehmen ist seit kurzem europäischer Marktführer in der Aluminiumindustrie und beliefert neben der Automobil- auch die Luftfahrtindustrie sowie die europäischen Eisenbahnen. Die SAG exportiert heute nach ganz Europa, USA und Brasilien. Die Exportquote des Unternehmens mit derzeit etwa 400 Mitarbeitern liegt bei 85%. Zu den größten Kunden zählen unter anderen Daimler Chrysler, VW und Audi.<p>
Zum SAG-Konzern gehören die Tochtergesellschaften Aluminium Lend, Alutech, Euromotive, SAG Alurecycling sowie Thixalloy, ein Forschungs- und Entwicklungszentrum für Aluminium.<p>
DI Wöhrer setzt sich auch seit langem in den Interessenvertretungen für die Anliegen der Industrie ein. Er wird am 6. Juni 2002 zum neuen Präsidenten der Vereinigung der Österreichischen Industrie, Landesgruppe Salzburg, gewählt werden. Darüber hinaus ist er Vorsitzender der Fachvertretung der Metallindustrie der Wirtschaftskammer Salzburg und Mitglied des Fachverbandsausschusses der Metallindustrie Österreichs.<p>

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