Gusenbauer: Angebot an die Eltern in Österreich: 100.000 neue Kindergartenplätze

Niedrige Geburtenrate durch "mehr Chancen für Frauen" zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie erhöhen

Wien (SK) SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer machte am Mittwoch in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit SPÖ-Bundesfrauenvorsitzender Barbara Prammer den Frauen und Männern mit Kindern ein Angebot, das es ermöglicht, Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Das betreffe konkret den Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen, umfassende Weiterbildungsmaßnahmen für Frauen, einen Rechtsanspruch auf Teilkarenz und ein Rückkehrrecht auf den Arbeitsplatz nach dem Kindergeldbezug. Die Steigerung der Frauenerwerbstätigkeit sei der "Schlüssel gegen die Austrocknung des Arbeitsmarkts", erklärte Gusenbauer.****

"Wir leben in einer widersprüchlichen Situation", sagte Gusenbauer und führte aus, dass Österreich einerseits die niedrigste Geburtenrate der Geschichte aufzuweisen habe, zeitgleich aber eine steigende Frauenarbeitslosigkeit. Andererseits drohe der Arbeitsmarkt in acht Jahren "auszutrocknen", wenn nicht durch Zuwanderung gegengehalten werde.

"Wo bleibt die politische Lösung", monierte der SPÖ-Vorsitzende in Richtung Regierungsparteien. "Die blau-schwarze Regierung glaubt, mit dem Kindergeld ist es getan", kritisierte Gusenbauer. "Das greift zu kurz für die Geburtenrate und die Chancen der Frauen in diesem Land".

Der Schlüssel liege bei der Steigerung der Frauenerwerbstätigkeit. Dieser Ansicht habe sich auch der EU-Rat in Barcelona angeschlossen. Die skandinavischen Staaten hätten hier bereits praktikable und erfolgreiche Modelle gefunden. In Schweden liege dementsprechend die Frauenerwerbstätigkeit von Frauen mit Kindern unter zwei Jahren bei 75 Prozent. Voraussetzung sei allerdings, der flächendeckende Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen. "Vor allem bei den Unter-Dreijährigen", unterstrich Gusenbauer.

Gusenbauer machte den Frauen und Männern mit Kindern ein Angebot, bestehend aus vier Punkten. Erstens sollen die Kinderbetreuungseinrichtungen in ganz Österreich flächendeckend ausgebaut werden. Es würden 100.000 Betreuungsplätze fehlen. Diese sollen in einem Stufenplan von fünf Jahren bereitgestellt werden. Jährlich sollen dafür 72 Mio. Euro (1 Mrd. Schilling) aufgewendet werden. So könne ein "flächendeckendes Netz an Kinderbetreuungseinrichtungen mit großzügigen Öffnungszeiten" entstehen.

Zweitens sollen umfassende Weiterbildungsmaßnahmen für Frauen angeboten werden, um den Wiedereinstieg nach der Karenz zu erleichtern. "Nach der Karenz brauchen Frauen eine zweite Chance", betonte Gusenbauer. Die Österreicherinnen hätten im europäischen Vergleich eine sehr lange Babypause. Die lange Berufsunterbrechung wirke sich aber als Dequalifizierung aus. "Je länger die Berufsunterbrechung, desto schwieriger der Wiedereinstieg", so der SPÖ-Vorsitzende.

Drittens soll ein Rechtsanspruch auf Teilkarenz bis zum Schuleintritt des Kindes eingeführt werden, das ein Rückkehrrecht auf einen Vollzeitarbeitsplatz vorsieht. Die SPÖ stehe für eine "partnerschaftliche Teilung" der Erziehungsarbeit. Dieser Rechtsanspruch soll nicht nur geblockt, sondern nach Bedarf in Anspruch genommen werden können.

Und viertens fordere die SPÖ zusätzlich, dass Frauen und Männer ein Rückkehrrecht auf den Arbeitsplatz haben sollen, wenn sie Kindergeld-bedingt bis zu 30 Monate aus den Beruf aussteigen. "Es muss für die gesamte Zeit des Kindergeld-Bezugs ein Rückkehrrecht geben", betonte Gusenbauer mit dem Verweis auf die derzeitige Situation, die nur einen Kündigungsschutz für 24 Monate ermögliche.

Gusenbauer verwies abschließend auf das positive Beispiel im sozialdemokratisch regierten Wien. Da gebe es eine flächendeckende Versorgung mit Kinderbetreuungsplätzen. "Nahezu die Hälfte der unter Dreijährigen" (48 %) und fast alle Drei- bis Sechsjährigen (98 %) werden in Kinderkrippen und Kindergärten ganztägig betreut. Weiters investiere die Regierung in Wien fast doppelt so viel für Weiterbildungsmaßnahmen für Frauen in Karenz als die Bundesregierung (4,43 Mio. Euro gegenüber 2,98 Mio. Euro). (Schluss) up

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