"Presse"-Kommentar: Monopolitis (von Martin Fritzl)

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"Presse"-Kommentar: Monopolitis (von Martin Fritzl)

Ausgabe vom 15. Mai 2002

Wien (OTS). Die Schaffung von Monopolen im Bereich ehemaliger Staatsunternehmen wird zur Modeerscheinung. Nach dem Strommarkt in Ostösterreich soll nun auch bei den Bussen ein Monopol geschaffen werden. Wenn die Bahn den Postbus kauft, befinden sich 90 Prozent des Nahverkehrsmarktes
in einer Hand. Beteiligen sich auch noch die großen privaten Unternehmen an der Gesellschaft, dann wird der Wettbewerb überhaupt gänzlich abgeschafft.
Derartiges hat sich für die Konsumenten noch nie positiv ausgewirkt. Monopolstrukturen sind meist ein Garant für schlechtere Leistungen.
Das neue Bus-Monopol würde dem Staat nicht nur gehören, sondern von diesem auch noch kräftig unterstützt werden. Der Nahverkehr wird nämlich nur zu einem geringeren Prozentsatz - zu rund einem Viertel -aus dem Erlös der Fahrkarten finanziert. Der Rest kommt aus staatlichen Stützungen, etwa aus der äußerst großzügigen Abgeltung für Schülerfreifahrten oder vergünstigte Pendlerkarten.
Nun sollte man dem Staat nicht prinzipiell verwehren, seine
eigenen
Unternehmen wirtschaftlich sinnvoller zu führen. Bei einer Zusammenlegung von Bahn- und Postbus können Fahrpläne aufeinander abgestimmt, Kapazitäten besser genutzt, Reparaturkosten gesenkt werden.
Wenn allerdings kein Druck vorhanden ist, diese Synergieeffekten auch tatsächlich zu nutzen - und das ist in Monopolstrukturen selten der Fall -, dann wird dies auch nicht passieren.
Sinnvollerweise sollte die öffentliche Hand für eine saubere Lösung
bei den Subventionen für Verkehrsdienstleistungen sorgen. Denn dabei handelt es sich in Wirklichkeit um öffentliche Aufträge, die ausgeschrieben gehören. Derzeit sind die Busunternehmen quasi pragmatisiert: Wer die Konzession für eine Linie hat, kann sie praktisch in alle Ewigkeit behalten. Viel besser wäre es, alle Linien in regelmäßigen Abständen auszuschreiben und den Bestbieter zum Zug kommen zu lassen.
Man kann darauf wetten, daß ein derartiges System mit weniger Subventionen auskommt. Und ein neugeschaffener schlagkräftiger Bahn/Postbus-Konzern könnte sich darin bewähren.

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