Oberösterreichische Nachrichten Kommentar "Weiter abwärts in der Spirale" von Meinhard Buzas

Es kommt nicht wirklich überraschend, dass die Anzahl der Geburten und Ehen in Österreich einen neuen Tiefststand erreicht hat. Sei Jahren sind wir in dieser Abwärtsspirale. Eine Umkehr ist nicht in Sicht.
Wer versucht, sich in die Lage 20- oder 25-Jähriger zu versetzen, kann leicht nachvollziehen, warum das so ist. Versuchen wir, ein paar dieser Überlegungen zu skizzieren:
So lange die Frage für Frauen existenziell aKinder oder Berufö lautet, kann es nicht verwundern, dass dem Beruf der Vorzug gegeben wird. Machen wir uns nichts vor: Trotz Kindergeld, trotz mehr oder weniger flächendeckender Betreuungseinrichtungen für Nachwuchs, trotz aller schönen Worte und aufmunternden Zurufe ist es halt so, dass die Gegenwart des Zusammenlebens, der Existenzgründung, auf das Modell der Zweifach-Verdienste zugeschnitten ist. Allein das Grundbedürfnis Wohnen ist meist nur erfüllbar, wenn es von zwei Einkommen abgedeckt wird; von Essen, Auto, Urlaub, Vergnügen ganz zu schweigen.

Paare, die diesen Weg eingeschlagen haben, obwohl sie gerne Nachwuchs hätten, trösten sich gerne damit, dass für die Kinder später auch noch Zeit ist. Wenn später dann jetzt ist, kommen nachvollziehbare Überlegungen ins Spiel: Es wird den Eltern in spe, so können sie sich ausrechnen, (materiell) nicht mehr so gut gehen, wenn sie sich für Kinder entscheiden. Sie werden Abstriche machen müssen, gewohnten Standard verringern. Und sie werden keine übertriebenen Sympathien (außer in den Reden von Familienbefürwortern) dafür ernten, eher Unverständnis à la eDass ihr auch das noch antut:sü. Daran wird keine gerechtere Form der Familienbesteuerung oder weiter verbesserte Karenzregelung viel ändern.
Die alten Lebensentwürfe haben ihre starre Gültigkeit verloren, die neuen sind flexibel, nicht vorbestimmt, nicht einmal kalkulierbar. In solchen Entwürfen spielen lebenslange Bindungen und lebenslange Verantwortung für andere keine Hauptrolle mehr.

Das leitet nahtlos dazu über, dass die Standesämter irgendwann wegen Arbeitslosigkeit schließen werden. Wo die Konvention keinen Formalakt mehr verlangt, wo im Zusammenleben das mögliche Auseinandergehen schon einkalkuliert ist, wird der Anreiz der reinen Vertragserstellung immer geringer. Verstärkend wirkt, dass die uneheliche Geburt (zum Glück) kein Makel mehr ist, auch kein Anlass mehr für Verwandte, Freunde oder Nachbarn, sich den Mund zu zerreißen. Jedes dritte Neugeborene im Vorjahr hatte Eltern ohne Trauschein, Tendenz seit Jahren steigend.
Wo das materielle Fundament hauptsächliche Lebensgrundlage ist, haben andere Erwägungen weitgehend ausgespielt. Und die treuherzig gestellte Frage, ob die jetzt Jungen denn nicht an ihre Pensionen denken und sich überlegen, wer die einmal aufbringen soll, begegnet kühler Skepsis und Rationalität: Bis dahin haben die Alten, die immer länger leben, ohnehin alles konsumiert, was der Staat leisten kann, und außerdem, wozu zahlt man denn monatlich für private Vorsorge?

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