Libro: Die unendliche Tragödie

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Wolfgang Unterhuber

Wien (OTS) - Es heisst, dass sich die Geschichte zuweilen wiederhole. Libro zumindest zeigt, dass da was dran ist. Wie vor einem Jahr steht die Handelskette mit ihren insgesamt 269 Geschäften und 2200 Mitarbeitern vor dem Aus.

Wie damals muss ein zerknirschter Vorstand in fast schon wöchentlichen Dossiers einen immer höher werdenden Finanzbedarf vermelden. Und wie im Juni 2001 suchen die Gläubigerbanken hektisch nach einem Grossinvestor.Wenn nicht in vier bis sechs Wochen ein Käufer vorhanden ist, muss das Unternehmen, das vor elf Monaten unter der Schuldenlast von knapp 300 Millionen Euro in den Ausgleich ging, Konkurs anmelden.

Die Ursache für das Déjà-vu bei Libro ist bei den Kreditinstituten zu suchen. Sie managen den Laden seit einem Jahr selbst. Ein Sanierungskurs und ein von ihnen neu besetzter Vorstand sollten für frischen Wind sorgen. Der kam jetzt in Form eines Wirbelsturms. 40 Millionen Euro frisches Kapital verlangten die Libro-Chefs zuletzt von den Banken. Die sind in der Causa
zerstritten. Raiffeisen will noch einmal zahlen, die anderen allen voran Erste und Bank Austria haben die Nase voll.

Was eigentlich mit den bisherigen Finanzspritzen alles unternommen wurde, ist nicht so ganz ersichtlich. Der Kundenservice bei Libro ist jedenfalls noch immer lustig. Vielleicht sollte einer der Bankdirektoren einmal in eine Filiale gehen und unschuldige Verkäufer nach Marc Twain oder Antonio Salieri fragen. Aber die Herren des Geldes haben jetzt natürlich andere Sorgen. Denn
so wie's aussieht, wird das Unternehmen nicht zu retten sein und die Geldinstitute können die hineingepulverten Beträge vergessen (zahlen tun's eh die Bankkunden). Offiziell ist von einem guten Dutzend Kaufinteressenten die Rede. Wie seriös die sind, steht freilich auf einem anderen Papier. Im Vorjahr wäre es noch leichter gewesen, einen ernst zu nehmenden Käufer zu finden. Kandidaten gab es genug. Aber offenbar waren die Banken von den Konzepten der Interessenten nicht überzeugt.

Jetzt müssen sie sich nachsagen lassen, dass ihre Sanierungspläne auch nicht berauschend waren. Inzwischen ist der Wert der Kette natürlich gesunken. Im Vorjahr hätte jemand noch 70 Millionen Euro hinblättern müssen, jetzt sind es 40 bis 50 Millionen und bald vielleicht nur noch ein symbolischer Euro.

(Schluss) wu

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Redaktionstel. (01) 91919-305

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB/PWB/OTS