Noch keine Entscheidung in Debatte um Medizinuniversitäten

Rektoren setzen auf Sachargumente

Wien (OTS) - Die Diskussion um den Verbleib der Medizinischen Fakultäten im Gesamtverbund der Stammuniversitäten, wie es von den Rektoren und Dekanen der drei Universitäten Wien, Graz und Innsbruck am 16. April 2002 vorgeschlagen wurde, ist aus der Sicht der Rektoren nicht abgeschlossen. Bisher hat sich nur die Medizinische Fakultät Graz mehrheitlich dagegen ausgesprochen. In Wien und Innsbruck gibt es klare Grundsatzentscheide für den Verbleib der Medizinischen Fakultäten in der Gesamtuniversität. Aus Innsbruck wird ein klarer Zuspruch erwartet: Eine geheime Abstimmung unter den Professoren hat eine Mehrheit von 27 zu 8 für das Rektoren-Dekane-Papier ergeben. Die Modalitäten des Verbleibs, die der gemeinsame Vorschlag der Rektoren und Dekane vorschlägt, haben an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien allerdings nur 19 pro Stimmen gefunden, 18 Mitglieder stimmten dagegen. Wegen einer Stimmenthaltung wurde dieses Ergebnis als Ablehnung interpretiert.

Da sich nur die Medizinische Fakultät der Universität Graz für die Ausgliederung ausgesprochen hat, sind die Rektoren Winckler, Zechlin und Moser weiterhin optimistisch. "In dem gemeinsamen Vorschlag der drei Dekane und Rektoren vom 16. April 2002 wurde eine funktionale und kostengünstige Lösung für die Medizinischen Fakultäten und die Gesamtuniversitäten erarbeitet. Wir wissen die Sachargumente auf unserer Seite und setzen darauf, mit unserer Lösung überzeugen zu können", so die Rektoren.

Der gemeinsame Vorschlag der Rektoren und Dekane sichert die Rechtsfähigkeit der Medizinischen Fakultäten in den notwendigen Bereichen, wie zum Beispiel als Partner der Träger der Krankenanstalten, und verhindert gleichzeitig das Entstehen zusätzlicher Verwaltungskosten. Bedeutende Mehrkosten im Bereich der Verwaltung können bei der Neugründung von Universitäten unmöglich verhindert werden, da bestehende Verwaltungseinheiten zerrissen und neu aufgebaut werden müssen. So kann beispielsweise die Netzwerk- und Kommunikationstechnologie der Universität Wien nicht geteilt werden. "Das Ziel der Universitätsreform kann nicht sein, die Anzahl der Universitäten zu erhöhen und die Kosten zu steigern", so die Rektoren. "Dies kann auch nicht im Interesse des Steuerzahlers und damit des Finanzministers sein", sind sich die drei Rektoren einig. Die Kostenneutralität, obwohl als Prinzip vom bm:bwk vorgegeben, kann bei einer Ausgliederung der Medizinischen Fakultäten nicht gewahrt bleiben.

Entgegen dem Vorschlag der drei Rektoren und Dekane sieht der Gesetzesvorschlag des bm:bwk vom 8. März 2002 - neben dem Universitätsrat, der pro Universität eingerichtet werden soll - noch ein zusätzliches Organ vor, den sogenannten Koordinationsrat. Auch dadurch würden sowohl die Kosten als auch der Verwaltungsaufwand weiter erhöht. "Durch den gemeinsamen Universitätsrat für die Gesamtuniversität, wie er im Vorschlag der Rektoren und Dekane verankert ist, wird eine schlanke, effektive und kostengünstige Universitätsstruktur bei gleichzeitiger Wahrung der notwendigen Autonomie für die Medizinischen Fakultäten gesichert", erklären die drei Rektoren. Die Schaffung eigener Medizinischer Universitäten widerspricht zudem der europäischen Entwicklung. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass die Lehre und Forschung, insbesondere in den grundlegenden medizinisch-naturwissenschaftlichen Fächern, geschwächt wird.

Gemeinsame Presseaussendung von
Rektor Georg Winckler, Universität Wien
Rektor Lothar Zechlin, Universität Graz
Rektor Hans Moser, Universität Innsbruck

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Mag. Eva Kößlbacher
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Universität Wien
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