Lösungen sind notwendig, aber nicht professoren-, sondern arbeiter- und frauengerecht

AK-Dinkhauser: Arbeiten bis 67 heißt in Wirklichkeit Buckeln bis zum Umfallen

Innsbruck (OTS) - "Arbeiten bis 67- das heißt in Wirklichkeit oft Buckeln bis zum
Umfallen", so kommentiert der Tiroler Arbeiterkammer-Präsident Fritz Dinkhauser den Vorstoß des deutschen Pensionsexperten Bert Rürup, dem ehemaligen Regierungsberater zur Pensionsreform 1997. Er hat vorgeschlagen, das Pensionsantrittsalter anzuheben.

"Wer Buckeln bis zum Umfallen verlangt, hat wenig Gefühl für den arbeitenden Menschen", so der Tiroler AK-Präsident. "Wie soll es gesundheitlich zu schaffen sein beispielsweise als Bauarbeiter, Beschäftigter im Tourismus, im Pflegebereich oder als Handelsangestellter - den Branchen mit der höchsten Invaliditätsrate 40 Jahr lang voll im Beruf zu stehen. Diese Menschen beginnen oft schon mit dem 15. Lebensjahr hart zu arbeiten. Hier muss wohl auch zwischen schwerer körperlicher Arbeit und Schreibtischarbeit unterschieden werden. Noch dazu haben sich das Arbeitstempo und der Leistungsdruck für die Beschäftigten deutlich erhöht."

Bereits jetzt ist jeder zweite über 59jährige Arbeitnehmer in Tirol nur noch geringfügig beschäftigt. Den höchsten Zuwachs an Arbeitslosen in Tirol wurde im vergangenen Jahr bei den über 59jährigen verzeichnet nämlich eine Zunahme von 46 Prozent. "Die Wirtschaft trennt sich von den älteren Mitarbeitern, die Arbeitslosigkeit der über 59jährigen hat am stärksten zugenommen, die Invaliditätsrate in Tirol ist die höchste österreichweit: Wie bitte schön soll da Arbeiten bis 67 funktionieren?" ärgert sich Dinkhauser.

"Wo bleiben die seit Jahren von der AK geforderten Rahmenbedingungen wie gesunde Arbeitsplätze und Höherqualifikation von älteren Arbeitnehmern? Faktum ist, dass sich kaum jemand die teure Aus- und Weiterbildung leisten kann! Was ist mit den Arbeitnehmern, die verurteilt sind, arbeitslos auf die Pension warten zu müssen? Die Beschäftigten sollen die Kosten für die lebenslange Weiterbildung selbst bezahlen, sie sollen buckeln bis zum Umfallen -Die Wirtschaft kündigt weiter bevorzugt Mitarbeiter ab dem 50. Lebensjahr und stellt bevorzugt jüngere Mitarbeiter ein. Auch der weitere Rürup-Vorstoß, das Frauenpensionsalter (60 Jahre) solle nicht erst ab 2020 an jenes der Männer (65 Jahre) angeglichen werden, erteilt der AK-Präsident eine klare Absage. "Keiner redet davon, dass bis zur Angleichung die Frauen auch beim Einkommen gleichgestellt werden müssen. Frauen verdienen immer noch ein Drittel weniger als Männer, haben die schlechteren Aufstiegschancen, enorme Schwierigkeiten beim Wiedereinstieg und den höchsten Anteil an Teilzeitbeschäftigung. Niedriges Einkommen ergibt auch eine niedrige Pension. Es ist jetzt schon schwierig, dass Frauen die nötigen Versicherungszeiten zusammenbekommen. Solange Mutterarbeit kein Beruf ist und keine pensionsrechtliche Absicherung hat, ist die Frage der Erhöhung des Pensionsalters sicher kein Thema." Dinkhauser: "Das alles sind realitätsferne Vorschläge von Experten, die aufgrund von demographischen Daten derartige Forderungen aufstellen. Es kann vielleicht ein Herr Universitätsprofessor bis 67 arbeiten, aber sicher nicht der Bauarbeiter. Solche Vorschläge tragen nur wieder zu einen weiteren Verunsicherung der Menschen bei. Zumal auf der anderen Seite die Regierung auf Kosten aller Österreicher Beamte, Telekom-und Postbedienstete bereits mit 55 Jahren und jünger in Zwangspension schickt.

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