Gewerkschaften zu Lorenz Fritz: Arbeitgeber lassen Maske fallen

Beitrag zur Senkung der Lohnnebenkosten - auf Kosten der Beschäftigten

Wien (GMT, ANG, GdC, DJP, GPA/ÖGB) "Jahrelang schon fordern Arbeitgeber die Reduzierung der Feiertage, im Fahrtwind der ÖVP-FPÖ-Sozialabbauregierung und der Kampagne der Wirtschaft zur Lohnnebenkostensenkung glauben sie nun, ihre Stunde sei gekommen", erklärten die Gewerkschaft Metall - Textil, die Gewerkschaft Agrar-Nahrung-Genuss, die Gewerkschaft der Chemiearbeiter, die Gewerkschaft Druck, Journalismus, Papier und die Gewerkschaft der Privatangestellten.++++

Die Wirtschaft habe die Maske fallen lassen, was sich die Industriellenvereinigung unter anderem unter der Senkung der Lohnnebenkosten vorstelle, sei jetzt klar. In einer Wochenzeitschrift rechnete Lorenz Fritz, Generalsekretär der Industriellenvereinigung, die Kosten der Feiertage vor. "Es ist unerträglich, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und ihre Bedürfnisse und Rechte -auch das nach Erholung bzw. höherer Entlohnung an Feiertagen - immer als unangenehme Kosten gesehen werden", heißt es in der Erklärung der Gewerkschaften. "Die österreichischen Arbeiterinnen, Arbeiter und Angestellten leisten hervorragende Arbeit, sind in höchstem Maße produktiv und tragen zum Wohlstand der Unternehmen wesentlich bei." Das Argument der Arbeitgeber, wonach durch die vielen Feiertage und Fenstertage der Mai quasi ein einziger Urlaub sei, sei nicht schlüssig: Freie Fenstertage seien in der Regel Urlaubstage bzw. würden in vielen Branchen eingearbeitet, die Beschäftigten würden wegen der Feiertage nicht mehr Urlaub verbrauchen, als ihnen zustehe.

Die fünf Gewerkschaften sprechen sich vehement gegen die Abschaffung von Feiertagen aus: Das würde nicht nur eine Kürzung der Einkommen bedeuten. Es würde sich auch negativ auf die Motivation der Beschäftigten auswirken, die laut Studien nach Kurzurlauben wie verlängerten Wochenenden erholter und motivierter arbeiten würden, was ja auch den Unternehmen zugute käme. Nicht zuletzt führe es zur Ankurbelung des heimischen Tourismus, weil Kurzurlaube erwiesenermaßen vor allem im Inland verbracht werden.

Die Gewerkschaften verurteilen außerdem die Aussage von Lorenz Fritz, wonach die Zeiten, wo sich Arbeitgeber jedes Zugeständnis von den Arbeitnehmern erkaufen mussten, nun engültig vorbei seien. Das Schließen von Kompromissen zwischen zwei Gruppen mit gegensätzlichen Interessen - zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmerinnen - war bisher eine Stärke Österreichs. Diesen Weg zu verlassen, weil die politische Situation für das Reduzieren von ArbeitnehmerInnenrechten gerade günstig sei, sei äußerst kurzsichtig. Auch dass heute, wie Lorenz Fritz sagt, jeder Recht bekäme der die besseren Argumente habe, sei nicht korrekt, anderfalls hätte zum Beispiel weder der Entgeltfortzahlungsfonds aufgelöst werden dürfen, weil das negative Folgen für die Beschäftigten und die kleinen und mittleren Unternehmen hat, noch hätten Ambulanzgebühren eingeführt werden dürfen, weil das keine positiven Effekte auf das Gesundheitssystem habe. "Bessere Argumente zählen bei der aktuellen Bundesregierung relativ wenig", so die fünf Gewerkschaften.

ÖGB, 8. Mai 2002
Nr. 417

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