"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Alte Schatten am 8. Mai 2002 (von Manfred Posch)

Ausgabe vom 08.05.2002

Wieder einmal ist der Wiener Heldenplatz Begriff und Symbol. Wofür nun? Auf jeden Fall für Gestriges, (auch) hierzulande längst nicht Abgeschlossenes. Die alten Schatten - sie modern keineswegs unbeachtet dahin. Sie wehren sich, Geschichte zu bleiben, versuchen vielmehr, wieder so richtig Geschichte zu machen.

Alle fünf für heute angekündigten Demonstrationen zum Jahrestag der Kapitulation Hitler-Deutschlands sind genehmigt. Sicherheitsbehörden und Innenminister agieren hochgradig nervös. Und die blau-schwarze Koalition ist die aktuelle 8.-Mai-Thematik betreffend auf gewohntem Kurs, nämlich untereinander zerstritten.

Schon jetzt gelten die um den 8. Mai 2002 gruppierten Tage als "Chaostage"; für heute werden Zusammenstöße zwischen rechten Verbänden und linken Gruppen befürchtet. Während die einen - unter welchem Mäntelchen auch immer - versuchen, NS-Nostalgik hochleben zu lassen, ist für Demokraten und nicht zuletzt echte Sozialdemokraten der 8. Mai ein Freudentag.

"Man könne den 8. Mai nicht auf den Kopf stellen, ihn nicht relativieren", betonte Nationalratspräsident Heinz Fischer. Wer willens ist, den Tag als Lostrennung von millionenfachen Verbrechen zu begreifen, wird besagter Relation gewiss die entsprechende Absage erteilen, zum Beispiel nicht vom "verlorenen" Krieg sprechen. Dieser Krieg wurde nicht ritterlich "verloren", er wurde von jenen beendet, die gegen das größte Verbrecherregime, das die Welt jemals gesehen hat, zu Felde gezogen ist.

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