Offener Brief: Radfahren fordert 40.000 Unfallopfer jährlich!

Ein Leserbrief erreichte das Institut "Sicher Leben" zum Thema Radunfälle

Wien (OTS) - Sehr geehrte Damen und Herren,

immer wieder wird von verschiedenen Seiten behauptet, dass die Zahl der durch Radunfälle Verletzten in Österreich etwa 5500 betrage. Schön wäre es, kann ich da nur sagen!

Tatsächlich verletzen sich nämlich jährlich etwa 40.000 Menschen in Österreich beim Radfahren so schwer, dass sie eine ärztliche Behandlung aufsuchen müssen. Rund 23.000 müssen sogar in Spitalsbehandlung. Woher kommt dieser gewaltige Unterschied? Wer hat da Recht?

Die Zahl 5500 kommt auf der Verkehrsunfallstatistik, die auf Einsatzberichten der Exekutive beruht. Polizei oder Gendarmerie werden aber in der Regel nur dann gerufen, wenn es einen Zusammenstoß zwischen Verkehrsteilnehmern gegeben hat oder wenn die/der Verletzte ohnmächtig liegen geblieben ist. Die Mehrzahl der Radunfälle sind aber Einzelstürze, von denen nur selten (eben etwa in 5500 Fällen) Polizei oder Gendarmerie erfährt. In Wirklichkeit brauchen aber rund 40.000 Opfer von Fahrradunfällen ärztliche Hilfe. Dabei handelt es sich keineswegs um Bagatelleverletzungen: Etwa 50% sind Knochenbrüche, 10% Schädelverletzungen. Auch bei der Zählung von Verletzungen in anderen Zusammenhängen wird die "ärztliche Behandlung" gezählt. Als Gesundheitsstatistiker können wir beim Radfahren keine Ausnahme machen.

Die wahre Zahl von 40.000 liefern sowohl die Spitalserhebungen des Europäischen Erhebungssystems für Freizeitunfälle ("EHLASS", publiziert vom Institut "Sicher Leben" und Bundesministerium für Soziale Sicherheit und Generationen) als auch die Haushaltsbefragungen des Mikrozensus der Statistik Österreich (publiziert in den "Statistischen Nachrichten").

So schön Rad fahren ist, dürfen wir doch nicht ständig mit bekanntermaßen viel zu niedrigen Zahlen die Bevölkerung "beschwichtigen" (um nicht zu sagen "beschwindeln").
Was es wiegt, hat es. Leider.

Rückfragen & Kontakt:

Pressestelle
Tel.: (++43-1) 71 770/0

Institut Sicher Leben

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | SIL/SIL