VÖM: Molkereien zahlten 2001 um EUR 123,1 Mio. mehr Milchgeld

Milchpreise seit EU-Beitritt um 24,3% gestiegen, Milchgeld um 43,5%

Wien, 7. Mai 2002 (AIZ). - Die heimischen Molkereien zahlten im vergangenen Jahr mit EUR 951,4 Mio. um EUR 123,1 Mio. mehr Milchgeld an ihre Bauern aus. Diese Erhöhung ist auf die deutlich gestiegenen Erzeugermilchpreise zurückzuführen. Dies berichtet die Vereinigung österreichischer Milchverarbeiter (VÖM) unter Berufung auf Auswertungen von Daten der Agrarmarkt Austria. "Der Fleiß der Bauern und die Fähigkeit der Molkereien, durch neue Produkte und konsequentes Marketing neue Märkte zu erobern, haben es ermöglicht, das wichtigste Einkommensstandbein der österreichischen Landwirtschaft abzusichern", so die VÖM. Dies sei insbesondere 2001 wichtig gewesen, da dieses Jahr den Rinderhaltern durch die europäische BSE- und MKS-Krise große finanzielle Probleme bescherte. Die vom Wirtschaftsforschungsinstitut und EUROSTAT analysierte positive Einkommensentwicklung im vergangenen Jahr sei insbesondere auch auf Grund der höheren Milcherlöse zu Stande gekommen.

Laut Daten der AMA ist die Milchanlieferung an die Molkereien in Österreich seit dem EU-Beitritt (1995) um 15,5% auf 2,652.397 Mio. t gestiegen. Der Milchpreis ab Hof (tatsächlicher Fettgehalt, inklusive MwSt.) erhöhte sich je kg um 24,3% auf durchschnittlich 37,32 Cent. Insgesamt stieg das Milchgeld zwischen 1995 und 2001 um 43,5% und lag mit EUR 989,9 Mio. knapp (-1,6%) unter jener Höhe, die es im letzten Jahr vor dem EU-Beitritt erreichte.

Zieht man die Zusatzabgabe wegen allfälliger Quotenüberschreitung ab, so nahm das Milchgeld um 37,9% auf EUR 951,4 Mio. zu. Die Zusatzabgabe wird bekanntlich von den Molkereien im Nachhinein vom Milchgeld abgezogen und an die AMA überwiesen, die diese Summe nach Brüssel abzuführen hat.

"Betrachtet man die Entwicklung des Milchgeldes je Lieferant, so ergibt sich seit 1995 eine Steigerung um 76,2% auf durchschnittlich EUR 16.498,- (ohne Zusatzabgabe und Förderungen)", stellt die VÖM fest. Hier sei allerdings zu berücksichtigen, dass die Zahl der Milchlieferanten seit dem EU-Beitritt von 76.630 auf rund 60.000 im vergangenen Jahr gesunken ist.

Strukturwandel geht weiter

Zu diesem Strukturwandel hält die VÖM fest, "dass der Rückgang der Zahl der heimischen Milchlieferanten um 22% seit 1995 ein jährliches Minus von 3,7% bedeutet. Vor dem EU-Beitritt waren es über 6% pro Jahr". Naturgemäß werde dieser Strukturwandel weitergehen, dies würden auch die Fakten zeigen. Österreich liege bei der Milchanlieferung je Betrieb an letzter Stelle in der EU. Ein durchschnittlicher EU-Bauer liefere fünfmal soviel Milch an die Molkereien wie ein österreichischer, dies verursache auch höhere Erfassungskosten. Auf der anderen Seite hätten die heimischen Molkereien nach dem EU-Beitritt bewiesen, dass sie neue Rahmenbedingungen (sofortige Grenzöffnung, harter EU-Wettbewerb, neue gesetzliche Voraussetzungen) bewältigen können.

Marktentlastungsmaßnahmen in EU notwendig

Die aktuelle Situation auf dem gesamten europäischen Milchmarkt sei sehr ungünstig und die Ursache für den Druck auf die österreichischen Erzeugerpreise. Immerhin werde rund ein Drittel der im Inland erzeugten Milch im Ausland vermarktet. "Sollte sich die Marktlage nicht nachhaltig stabilisieren, so wird es heuer schwierig werden, das durchschnittliche Milchpreisniveau des letzten Jahres zu halten", so die VÖM. Sie fordert in diesem Zusammenhang erneut die EU-Kommission auf, rasch Maßnahmen zur Marktentlastung wie beispielsweise eine Erhöhung der (in den letzten Jahren stark reduzierten) Exporterstattungen vorzunehmen. Nur so könne die Absatzlage spürbar entschärft werden, wird betont. Ansonsten würden sich die Preise in Richtung Interventionsniveau bewegen.
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