Die Rückzugsgefechte der Autoindustrie von Erwin Frasl

WirtschaftsBlatt-Kommentar

Wien (OTS) - Die Angriffe auf die Festung des traditionellen Autovertriebs erfolgen in immer kürzeren Zeitabständen. Jüngstes Beispiel dafür ist der Versuch des deutschen Drogerieriesen Schlecker, Autos über das Internet zu verkaufen. Zuvor hatte die deutsche Handelskette Edeka, zu der in Österreich die Adeg-Geschäfte gehören, begonnen, in ihren Supermärkten Pkw anzubieten. Und die zur deutschen Rewe-Gruppe zählenden Merkur-Supermärkte haben heuer ihren Stammkunden in Österreich den begünstigten Kauf von Golf-Modellen ermöglicht.

Gleichzeitig arbeitet die EU-Kommission entschlossen daran, die von den Autoerzeugern mit aller Macht verteidigte Bindung von Autohändlern an eine bestimmte Marke in der EU zu beseitigen. Ziel der EU-Kommission ist es, das Produkt Auto zu einer ganz normalen Ware zu machen. Bei den meisten Produkten ist es in den westlichen Ländern üblich, dass der Kunde in ein Warenhaus geht und dort verschiedene Angebote zu jeder Produktgruppe vorfindet: Zum Beispiel Zahnpaste von verschiedenen Herstellern, sodass er dann im Regal seine Wahl treffen kann. Nach diesem Vorbild westlicher Gebräuche beim Einkauf von Waren und Dienstleistungen möchte die EU-Kommission auch den Autoverkauf in Europa geordnet sehen: Das heisst, Kunden sollen in einem Autohaus unter den Angeboten unterschiedlicher Erzeuger wählen können, anstatt sich mit den Modellen eines einzigen Anbieters begnügen zu müssen.

Vorerst gelingt es den Autoerzeugern immer wieder, mit Klagen den Verkauf von Autos ausserhalb der von ihnen kontrollierten Absatzkanäle zu verhindern. So deckte die Autoindustrie Schlecker ebenso wie Edeka mit Klagen ein, um ihnen die Freude am Autoverkauf zu verderben. Und auf der politischen Bühne gilt der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder als verlässlicher Verbündeter der Autoindustrie, um die Durchsetzung der Kommissionswünsche zum Vorteil der Autokäufer abzuwehren, wie jüngst bei seinem Besuch in Brüssel.

Aber all das wird auf Dauer nichts nützen. Denn die Angreifer aus dem Reich der Handelsketten sind hoch motivierte Profis, die ständig auf der Suche nach Möglichkeiten sind, ihren Kunden neue Vorteile, wie etwa den Autokauf, anzubieten. Das wissen die Manager der Autoindustrie auch genau. Sie fürchten die Einkaufsmacht des Handels zu Recht mehr als die Macht der
Brüsseler Kommission. (Schluss) ejf

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