Faymann: 90 Prozent Heizkosteneinsparung durch Passivhaus

150 Teilnehmer bei erster Wiener Passivhausenquete

Wien, (OTS) 150 Teilnehmer beschäftigen sich am Montag im Wohnservice Wien bei der Enquete "Wiener Passivhaus" mit den Möglichkeiten und Erfahrungen der Errichtung und des Betriebs höchst energiesparender Wohnhäuser. Hintergrund für diese Veranstaltung ist der Bau des ersten Wiener Passivhauses, dessen Heizenergieverbrauch nur 10 Prozent eines Wohnhauses der 70er Jahre beträgt. Im Jahr 2005 werden die ersten Passivhaus-Mieter in die 250 Wohnungen in Floridsdorf einziehen.

"Durch die Klimaschutzmaßnahmen der Stadt im Wohnbau wurden seit 1995 die CO²-Emissionen jährlich um 129.000 Tonnen CO² verringert. Berücksichtigt man zusätzlich den Verzicht auf Baustoffe, bei deren Produktion treibhausrelevante Gase freigesetzt werden, so entsprechen die von der Stadt gesetzten Maßnahmen dem Verzicht auf 350.000 PKWs", erklärte Wohnbaustadtrat Werner Faymann. Nun setzt die Stadt konsequent den nächsten Schritt: Die erste Passivhaussiedlung wird als Pilotprojekt für eine neue Dimension des Klimaschutzes im Wohnbereich errichtet.

Die Architekten, Vertreter von Bauträgern, Ökologen, Vertreter der Baustoffindustrie, Bauphysiker und Techniker, die an dieser Enquete teilnehmen, erhalten Informationen über das Passivhaus als innovatives Bau- und Lebenskonzept. Dr. Wolfgang Feist, der anerkannteste Passivhaus-Experte Europas (Passivhaus-Institut Darmstadt) und Arch. Helmut Krapmaier vom Energieinstitut Vorarlberg erläutern die bisherigen Erfahrungen in diesem Bereich. Den spezifischen Wien-Bezug stellen Robert Korab (raum&komunikation) und Erwin Schwarzmüller (ConsultS) her. Sie haben auch die Machbarkeitsstudie für das "Wiener Klima-Komfort-Haus in Passivbauweise" erarbeitet.

Die zukünftigen rund 600 BewohnerInnen der ersten Wiener Passivhaus-Siedlung werden nur ein Drittel der Heizkosten eines Niedrigenergiehauses aufwenden müssen. Das ist nur ein Zehntel des Energieverbrauchs eines 70er Jahre-Hauses. Im Juli dieses Jahres startet für die Passivhaus Siedlung am Kammelweg in Wien-Floridsdorf die Ausschreibung für einen zweistufigen Bauträgerwettbewerb. Im November steht der Sieger fest. Dieses Vorhaben ist eines von insgesamt 23 für diese Legislaturperiode vereinbarten rot-grünen Projekten.

Weiterer Schritt beim Klimaschutz

Wiens erste Passivhaus-Siedlung stellt den nächsten Schritt beim Klimaschutz im Wohnbau dar. Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie (Projektgemeinschaft raumkommunikation/Consult S) haben gezeigt: Das großvolumige Passivhaus ist in Wien machbar. Der Heizbedarf eines Passivhauses liegt mit 15kWh pro m2 Nutzfläche und Jahr um 80 Prozent unter dem Wert herkömmlicher Gebäude. Die Heizlast darf maximal 10 W betragen. Dieser Wert ist so gering, dass ein Zimmer in diesem Haus bereits mit der Wärme von zwei Glühbirnen beheizt werden kann. Auch im Vergleich zum sehr energiebewussten Niedrigenergiehaus setzt das Passivhaus neue Maßstäbe. Es kommt sogar ohne konventionelle Heizung aus.

Im Juli: Start des Bauträgerwettbewerbs

Schon im Juli ist die erste Phase des zweistufigen Bauträgerwettbewerbs geplant. Bis zum September können die potenziellen Bauträger ihre Umsetzungsideen einreichen. Die bei Bauträgerwettbewerben übliche Jury wird in diesem Fall um Experten für Klimaschutz, Ökologie und Freiplanung erweitert. Im November dieses Jahres wird das Siegerprojekt gekürt. Die ersten Bewohner können voraussichtlich im Jahr 2005 in der ersten Wiener Passivhaus Siedlung wohnen.

Neben dem Passivhausstandard werden weitere Qualitäten im Zuge des Bauträgerwettbewerbs berücksichtigt. Neben einem erweiterten Angebot an Grünflächen sollen die Bauträger auch weitgehende Mitbestimmungsmöglichkeiten in der Planung und Umsetzung (Grundrisse, Gemeinschaftsräume etc. ) für die BewohnerInnen anbieten. Ein weiteres Kriterium ist ein Konzept zum Transport von Aushub und Baumaterial per Bahn vom nahegelegenen Bahnanschluss.

Energieverbrauch deutlich gefallen

Durch Vorgaben der Stadt sind die Energie-Einsparungen im Wohnbereich enorm. Das wird durch einen Vergleich der durchschnittlichen Heizkosten für unterschiedliche Bauperioden deutlich: (Berechnet für eine 80 m² große Wohnung)

o 70er Jahre-Standard: (120 bis 200 kWh pro Jahr und m²) Heizkosten pro Jahr: rund 550 EUR
o 90er Jahre-Standard (80 kWh pro Jahr und m²)
Heizkosten pro Jahr: rund 360 EUR
o Niedrigenergiehaus (35 bis 50 kWh pro Jahr und m²)
Heizkosten pro Jahr: rund 210 EUR
o Passivhaus: (15 kWh pro Jahr und m²)
Heizkosten pro Jahr: rund 60 EUR

(Schluss) gmp

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