WUK: Nein zu einer Auflösung des Jugendgerichtshofes

Das Werkstätten- und Kulturhaus (WUK) sieht in der Eingliederung des Jugendgerichtshofes in das Straflandesgericht Wien eine gefährliche Rechtsentwicklung

Wien (OTS) - Das WUK ist Trägerverein von derzeit sechs Ausbildungs- und Beratungsprojekten für sozial benachteiligte, arbeitssuchende Jugendliche. In vier dieser Projekte geht es vor allem um die Eingliederung und Integration dieser Jugendlichen in die Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt. Dass in dieser Zielgruppe auch vorbestrafte Jugendliche zu finden sind, liegt wohl auf der Hand. Die Gratwanderung zwischen Freiheit und Ziellosigkeit und der Gefahr, aus Langeweile in Dinge mit ungeahnten Konsequenzen abzugleiten, kann sehr schmal sein. Umso wichtiger erscheint dem WUK eine Trennung der Jugendgerichtsbarkeit vom kriminellen Milieu der Erwachsenenwelt.

Vor allem das Projekt WUK-Monopoli hat sich zum Ziel gesetzt, vorbestrafte Jugendliche durch Betreuung und Beratung bei der Berufsfindung und Bewältigung des Berufsalltags zu unterstützen. SozialarbeiterInnen, LehrerInnen und eine Psychologin stehen dafür zur Verfügung. Etwa 50% der von Monopoli betreuten Jugendlichen sind vorbestraft oder auf Grund ihrer Vorgeschichte und ihres Umfelds akut bedroht, straffällig zu werden. Entsprechend intensiv ist die Zusammenarbeit der Mitarbeiter mit Einrichtungen wie Neustart (ehem. Bewährungshilfe), Jugendgerichtshilfe und Außergerichtlichen Tatausgleich. Die Jugendgerichtshilfe im Jugendgerichtshof hat sich als Schnittstelle für Informationen und Vernetzungsarbeit bei der Betreuung von Jugendlichen bestens bewährt und es vielen jungen Menschen ermöglicht, rasch Zugang zu Einrichtungen für berufliche Orientierung und Qualifizierung zu finden. Die berufliche Integration von straffälligen Jugendlichen ist nach einer Evaluierungsstudie (IFA, 1996) auch die beste Prävention von Rückfälligkeit in die Kriminalität.

Das WUK-Domino betreut Jugendliche mit sonderpädagogischen Förderbedarf. Viele von ihnen sind vorbestraft oder von Straffälligkeit bedroht. In der Beratung zeigt sich, wie wichtig intensive Betreuung ist, damit Jugendliche auch Alternativen zu ihrem bisher eingeschlagenen Lebensweg kennenlernen.

Im WUK-Jugendprojekt ist man bemüht, schwer zu vermittelnde Jugendliche in diversen handwerklichen Sparten anzulernen, auszubilden und an Firmen weiterzuvermitteln. Das Projekt umfasst eine berufsspezifische Ausbildung und bietet sowohl psychologische Begleitung als auch sozialpädagogische Aktivitäten an.
Und im WUK-Schönbrunn Projekt wird LehrabbrecherInnen die Chance gegeben, ihre Ausbildung als MalerInnen und AnstreicherInnen fortzusetzen. Auch dort lassen sich vorbestrafte Jugendliche finden, die wegen einer Haftstrafe ihre Lehre unterbrochen und keinen Ausbildungsplatz mehr gefunden haben.

Die LeiterInnen dieser Projekte sehen in der derzeitigen Entwicklung und Absicht aus "Spargründen" den Jugendgerichtshof einzugliedern, ein katastrophales Zeichen. Straffälligkeit bei Jugendlichen steht oft in Zusammenhang mit sozialer Orientierungslosigkeit, dem Fehlen eines klaren Normen- und Wertegefüges. Derart labile und leicht beeinflussbare Jugendliche dem verstärkten Kontakt mit straffällig gewordenen Erwachsenen auszusetzen, wäre ein folgenschwerer Fehler. Aus sozialpolitischer Sicht würde damit der Entwicklung krimineller Lebenskarrieren geradezu Vorschub geleistet. Jeder Cent, der mit der Auflösung der bewährten Strukturen des Jugendgerichtshofes eingespart werden kann, könnte ein Euro werden, den die Gesellschaft für die Verwahrung krimineller Erwachsener zu bezahlen hat.

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Mag. Ruth Rieder
Mediensprecherin / WUK
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