WirtschaftsBlatt-Kommentar: Unternehmer mit Bodenhaftung - von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Kirch Media, Enron, Libro, wohlbestallte Consulting-Unternehmen wie Andersen und KPMG, und unterhalb solcher Mega-Konstrukte die vielen kleinen Blähhälse der New Economy, die Glücksritter und Beutelschneider, die Charttechniker des Aktienkursvergnügens und sonstiger virtueller Künste: In der mutmaßlichen Endphase der Wirtschaftsdepression fahren noch einmal eine Menge von denen ab, die glaubten, dass Naturgesetze immer nur für die anderen gelten. Der Markt, das muss man ihm lassen, entbehrt nicht einer finalen, um nicht zu sagen letalen Konsequenz.

Dennoch sei die Frage erlaubt: War die große Spekulationsblase der vergangenen Jahre samt ihren Folgen wirklich unvermeidlich? Hat es alle mitgerissen oder gab es ein paar vernünftige Konzernchefs, die still hielten und sich weigerten, einer hybriden Ideenkreuzung aus falsch verstandener Globalisierung und einem ökonomischen Rest-Darwinismus nachzulaufen und dabei die eigene, vielleicht in Jahrzehnten aufgebaute Glaubwürdigkeit als Unternehmer zu opfern?

Natürlich gibt es sie, und etliche sind erfolgreich unterwegs. Hinter der Frage steckt aber ein ungelöstes Problem. Wenn der freie Wirtschaftsmarkt Bindung und Vorgaben braucht - und er braucht sie dringend - wer gibt sie? Der Ruf nach dem Staat ist seit jeher die einfachste Antwort, aber der Staat hat sich sowohl als Problemlöser und erst recht als Unternehmer vielfältig diskreditiert.

Und noch schlimmer: Je mehr die Politik und ihre Politiker aus lauter Mediengeilheit die Inhalte vergessen, desto weniger sind sie in der Lage, der freien Wirtschaft eine Richtung zu geben, in der zivilisatorische und soziale Errungenschaften der Menschheit einen Platz behalten. Der Zug droht in die andere Richtung zu brausen - in die der "Berlusconisierung": Ein ungehemmter Markt bedient sich des Staates und seiner Institutionen zur Gewinnmaximierung und hat längst vergessen, wozu Demokratie gut ist.

Wo sind also im Tempo der Zeit die Bedienungshebel zu finden, über die jedes sichere Fahrzeug verfügt - Lenkrad und Bremse? Einfach ist die Antwort nicht. Wer aber an Wirtschaft und freies Unternehmertum glaubt, der darf nicht ausschließen, dass Krisen auch Immunkräfte bilden können. Und dass aufmerksame und einflussreiche Wirtschaftstreibende längst merken, dass der Rückfall in eine überwunden geglaubte Klassengesellschaft kein gesamtwirtschaftlich sinnvolles Ziel sein kann... (Schluss) was

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