ÖGB-Frauen: Begrüßen Job-Offensive für Frauen

Nach den Worten müssen nun Taten folgen

Wien (ÖGB). "Wir begrüßen das von Bundeskanzler Schüssel angekündigte Ziel, die Frauenerwerbsquote bis 2005 auf 65 Prozent zu erhöhen. Nach den schönen Worten müssen aber nun Taten folgen", reagiert ÖGB-Frauensekretärin Sylvia Ledwinka auf die gestern von Wolfgang Schüssel in der "ZIB 1" angekündigte Joboffensive. Neben der Quantität sei auch die Qualität der Jobs wichtig, so Ledwinka weiter.++++

Derzeit landen immer mehr Frauen nach der Babypause in nicht-existenzsichernden Arbeitsverhältnissen. Dadurch steigt zwar rein rechnerisch die Zahl der beschäftigten Frauen - tatsächlich kommt es aber nur zu einer Umverteilung der bezahlten Arbeit zwischen den Frauen. "Ein Anstieg der Frauenerwerbsquote, der nur auf Mc Jobs zurück geht, hilft den Frauen nicht", erklärt Ledwinka.

Zustimmung findet Schüssels Aussage, mehr Frauen in technische Berufe zu bekommen. "Soll das kurzfristig, bis 2005, Erfolg bringen, brauchen wir umfassende Qualifizierungsmaßnahmen für technische Berufe gerade auch für arbeitslose Frauen und für WiedereinsteigerInnen", fordert Ledwinka die nötigen finanziellen Ressourcen für derartige Ausbildungsprogramme ein.

Massiven Handlungsbedarf gibt es zudem bei den Kinderbetreuungseinrichtungen. "Österreich gehört zu den Ländern mit der niedrigsten Kindergartendichte im EU-Vergleich und wurde deshalb auch schon mehrfach von der Europäischen Union gerügt", sagt Ledwinka. Die ÖGB-Frauen fordern die Bereitstellung von Bundesmittel für den Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen.

Den Vorschlag von Minister Bartenstein nach einer steuerlichen Absetzbarkeit der Kinderbetreuungskosten lehnen sie dagegen ab. Bartenstein hat kürzlich vorgeschlagen, Ausgaben für die Kinderbetreuung bis zu 10.000 Euro pro Jahr als Werbungskosten zuzulassen. Ledwinka dazu: "Es geht nicht an, dass sich der Staat auf diese Weise aus seiner Verantwortung für die Bereitstellung von Kinderbetreuungseinrichtungen verabschiedet. Von dem Steuerzuckerl würden vor allem die Besserverdienenden profitieren. Die typische Wiedereinsteigerin kann den Absetzbetrag in vollem Umfang dagegen niemals ausnützen: 40 Prozent der unselbständig beschäftigten Frauen und 20 Prozent der Männer verdienten 1999 netto nicht einmal die 10.000 Euro im Jahr, die Bartenstein als Höchstgrenze für den Absetzbetrag vorschlägt. Wir brauchen keine absetzbare Kinderfrau, sondern gute und leistbare Kinderbetreuungseinrichtungen für alle", so die ÖGB-Frauensekretärin abschließend. (mfr)

ÖGB, 3. Mai 2002
Nr. 400

Bei der "Abfertigung Neu" sollen Zeiten für Kinderbetreuung auch zukünftig nicht angerechnet werden. Deswegen haben die ÖGB-Frauen zur Protestaktion aufgerufen. Unter www.oegb.at/frauen können Sie unsere Aktion unterstützen. Machen Sie mit!

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Martina Fassler-Ristic
Telefon: (01) 534 44/480
Fax: (01) 533 52 93

ÖGB Presse und Öffentlichkeitsarbeit

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB/NGB