Schwarzböck: Hohe Lebensmittelstandards haben ihren Preis

Für Verwaltungs- und Kontrollaufwand in vernünftigem Ausmaß

Altlengbach, 2. Mai 2002 (AIZ). - "Unsere Bauern sind sich ihrer wichtigen Aufgabe als Produzenten von sicheren und hochwertigen Lebensmitteln voll bewusst und erfüllen diese ebenso wie die vielen anderen von der Gesellschaft an sie gestellten Anforderungen gerne." Dies betonte heute der Vorsitzende der Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern, Rudolf Schwarzböck, bei einem Lokalaugenschein am Bauernhof der Familie Göschelbauer im Wienerwald. Gleichzeitig stellte Schwarzböck klar, dass die hohen österreichischen Standards nicht mehr weiter von den EU-Standards abdriften dürften, denn schon jetzt sei der Bauer mit einem erheblichen Verwaltungsaufwand und mit vielen Kontrollen eingedeckt. "Die Kontrollen über Pflegemaßnahmen und Produktionsauflagen dürfen nicht ins Unermessliche steigen, denn sonst ist die Wettbewerbsfähigkeit nicht mehr gegeben", so Schwarzböck.

Der Konsument solle mit seiner bewussten Kaufentscheidung zeigen, ob er die hohe Qualität der Produkte und die damit in Verbindung stehenden Gütesiegelprogramme und Produktionsprozesse honoriert, sagte Schwarzböck. Es sei klar, dass die hohen Standards bei Nahrungsmitteln auch mit höheren Produktionskosten verbunden sind und daher ihren Preis haben. "Die heimischen Bauern erwarten auch von der Verarbeitungswirtschaft und vom Handel entsprechende Preise für ihre Produkte", so der Präsident. Dazu gehöre auch, dass die Transparenz entlang der Lebensmittelkette gewährleistet bleibt: "So bald der Bauer sein Produkt an die Kette abgibt, muss er sicher sein, dass der Verarbeiter genau so sorgsam damit umgeht, wie er selbst." Auch müssten die Arbeitsbedingungen für die Bauern im vor-und nachgelagerten Bereich so gestaltet sein, dass die Wettbewerbsfähigkeit nicht gefährdet wird.

Landwirtschaftskammern und AMA kooperieren bei Antragstellung

Der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Agrarmarkt Austria (AMA), Gerhard Wlodkowski, betonte, die Abwicklung der Mehrfachanträge "so praxisgerecht und kundenfreundlich wie möglich zu halten". Derzeit gehe die Bearbeitung der Anträge in den Bezirksbauernkammern reibungslos vor sich. Bis zum 15.05. werden über 160.000 Anträge auf Flächen- und Tierprämien bei der AMA eingehen. Der Generalsekretär der Präsidentenkonferenz, August Astl, hob die gute partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaftskammern und AMA beim Ausfüllen der Anträge hervor. So sind die Bezirksbauernkammern für die Entgegennahme und Ersterfassung der Anträge zuständig und helfen beratend weiter.

Auch AMA-Vorstandsvorsitzender Georg Schöppl lobt das gemeinsame Vorgehen: "Wir haben ein System geschaffen um das wir europaweit beneidet werden." Heuer hat jeder der 163.000 potenziellen Antragsteller von der AMA - für seinen Betrieb individuell gestaltet - ein Antragsformular zugesandt bekommen. In diesem Formular sind alle wesentlichen Daten, so weit bekannt, vorgedruckt, führte Wlodkowski aus. Im Idealfall sei daher nur mehr, nach genauer Überprüfung durch den Landwirt, die Leistung der Unterschrift notwendig. Der Landwirt könne sich so in vielen Fällen viel Arbeit beim Ausfüllen ersparen.

Kontrolle notwendig

"So wenig populär Kontrollen auch sein mögen, so wichtig sind sie, damit wir jederzeit nachweisen können, dass in Österreich das Geld an die richtige Adresse kommt", sagte Wlodkowski. Jährlich werden durch die Agrarmarkt Austria rund EUR 1,3 Mrd. ausgezahlt. Es sei klar, dass diese Leistungsabgeltung in der Auslage stehe und die Öffentlichkeit dies aufmerksam verfolge. Um eine ordnungsgemäße und sachgerechte Verwendung dieser Gelder sicherzustellen seien wirksame Kontrollen unumgänglich. "Daher gibt es für die AMA genaue Vorgaben seitens der EU, wie und wie viel zu kontrollieren ist. Dies reicht von der Auswahl der zu kontrollierenden Betriebe bis zur Vorgehensweise bei der vor Ort-Kontrolle", führte Wlodkowski aus. Durchgeführt werden die Kontrollen vom technischen Prüfdienst (TPD) der Agrarmarkt Austria.

Laut EU-Verordnung müssen mindestens 5% der Mehrfachanträge Flächen und 5% der Mehrfachanträge Tiere (10% bei Schafen und Ziegen) vor Ort kontrolliert werden. Da Österreich über eine funktionierende Rinderdatenbank verfügt, verringerte sich die Vor-Ort-Kontrolle auf 5%. Damit anerkennt Brüssel die Qualität der Rinderdatendank und die hohe Meldegenauigkeit der heimischen Landwirte.

Insgesamt sind zwischen 150 und 200 AMA-Kontrollore jährlich unterwegs, um Stichprobenkontrollen durchzuführen. Kontrolliert werden vor Ort alle Sachverhalte, die für die Berechnung der Prämienhöhe relevant sind. Das heißt, die Kontrolle kann sich auf sämtliche beantragte Maßnahmen beziehen. In der Regel umfasst sie eine Überprüfung aller relevanten Unterlagen (MFA, Flächenbogen, Flächennutzungsliste, Katasterpläne, Tierlisten, Bestandsverzeichnis, Saatgutnachweise, Düngemittelaufzeichnungen). Nach der Unterlagenprüfung erfolgt eine Sachverhaltsfeststellung vor Ort, das heißt, förderungsrelevante Flächen werden identifiziert, besichtigt beziehungsweise vermessen. Förderungsrelevante Tiere werden gezählt beziehungsweise die Kennzeichnung kontrolliert (Ohrmarken). So bald das Prüfberichtsformular vom Antragsteller (Landwirt) unterzeichnet wird, ist die Prüfung abgeschlossen. (Schluss) ek

Rückfragen & Kontakt:

Tel: 01/533-18-43, pressedienst@aiz.info
http://www.aiz.info
FAX: (01) 535-04-38

AIZ - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AIZ/AIZ