"Gut leben" statt "viel haben" als Motto einer nachhaltigen Lebensweise

Konferenz in Graz widmet sich sozialen Aspekten einer nachhaltigen Entwicklung

Wien (OTS) - "Lebensqualität in Österreich" ist das Thema einer Konferenz, die heute, Donnerstag, in Graz stattfindet. Sie ist Teil einer Veranstaltungsserie, die die Bundesregierung zur innerösterreichischen Vorbereitung des UN-Nachhaltigkeitsgipfels initiiert hat, der Ende August in Johannesburg beginnt. Ziel einer als "nachhaltig" bezeichneten Entwicklung ist es, Umweltverträglichkeit, soziale Verantwortung und erfolgreichen Wirtschaften verknüpfen.

Am Dienstag hat der Ministerrat eine "nationale Strategie zur nachhaltigen Entwicklung" verabschiedet. Dieser Katalog von Zielen und Maßnahmen soll als langfristiges Leitbild für die österreichische Umwelt-, Wirtschafts-, Beschäftigungs- und Sozialpolitik dienen. Die Veranstaltung in Graz widmet sich vor allem den Zukunftsaspekten sozialer Fragen: der Armutsbekämpfung, der Sicherung des Sozial- und Gesundheitswesens, der Gleichberechtigung der Geschlechter, dem Bildungswesen und dem Lebensstil im Allgemeinen. "Nachhaltigkeit heißt, die Bedürfnisse der heute lebenden Menschen zu erfüllen, ohne jene der künftigen Generationen dadurch einzuschränken", erklärt Umwelt- und Landwirtschaftsminister Mag. Wilhelm Molterer.

Lebensqualität, so wie sie die österreichische Nachhaltigkeitsstrategie definiert, bedeutet:

  • die Sicherung von Arbeitsplätzen, Einkommen und Alterssicherung
  • sozialen Zusammenhalt, Identität, Einbindung in soziale Strukturen
  • Umweltqualität in Gestalt von gutem Trinkwasser, gesunden und sicheren Lebensmitteln, Artenvielfalt, intakten Lebensräumen und Kulturlandschaften
  • Nahversorgung, Schließung regionaler Kreisläufe, Stärkung kleinräumiger Strukturen, Mitgestaltung des eigenen Lebensraums
  • die Stärkung des ländlichen Raums mit ausreichend Arbeitsplätzen, einer funktionsfähigen Infrastruktur und und regionaler Wertschöpfung

Die Nachhaltigkeitsstrategie hält fest, wie die gesteckten Ziele umgesetzt und überprüft werden können, und welche Prozesse und Änderungen dazu einzuleiten sind. Über die Erfolge soll jährlich berichtet werden. "Diese Strategie richtet sich nicht nur an den Staat, sondern an jeden Einzelnen. Ziel ist ein Verhalten im Alltag, das sich am Leitbild der Nachhaltigkeit orientiert", so Molterer.

Fünf Leitziele nennt die Nachhaltigkeitsstrategie in puncto "Lebensqualität": Armutsbekämpfung und sozialen Frieden, Entfaltungsmöglichkeiten für alle Generationen, Gleichberechtigung, Bildung und Forschung sowie den Lebensstil der Gesellschaft.

1. Armutsbekämpfung und sozialer Friede:
Ziel ist es, die Anzahl der Personen unter der Armutsgrenze und der von Armut gefährdeten Menschen weiter zu verringern. Allen erwerbswilligen und erwerbsfähigen Personen müssen Integrationschancen in den Arbeitsmarkt eröffnet werden, damit sie sich über ein eigenes Erwerbseinkommen eine eigenständige Existenz sichern können. Ziele sind dabei der verringerte Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit, eine höhere Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer sowie eine Halbierung des jährlichen Übertritts von Arbeitslosen in die Langzeitarbeitslosigkeit. Neue Arbeitszeitmodelle sollen zu einer besseren Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und sozialen Beziehungen beitragen.

2. Entfaltungsmöglichkeiten für alle Generationen:
Bis zum Jahr 2010 soll ein Gesamtkonzept zur Reform der Finanzierung der Sozialleistungen, des Gesundheitswesens und der Alterssicherung erstellt sein, das Bedacht auf die zunehmende Alterung der Bevölkerung nimmt. Im Vordergrund stehen eine sozial gerechte Pensionsreform, neue Wege der Alterssicherung, die bessere Integration älterer Personen ins Erwerbsleben, eine hochwertige Gesundheits- und Pflegevorsorge sowie der Ausbau der Pflegeeinrichtungen und sozialen Dienste.

3. Gleichberechtigung:
Entscheidende Faktoren für die - noch immer nicht erreichte -Gleichberechtigung der Geschlechter sind eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die gleiche Bezahlung für gleichwertige Arbeit und die eigenständige Alterssicherung von Frauen und Männern. Die verpflichtende Beachtung der Gleichstellung von Frauen und Männern muss weiter gestärkt werden.

4. Bildung und Forschung
Mangelnde Qualifizierung ist einer der Hauptgründe für Arbeitslosigkeit und Armutsgefährdung. Der Zugang zu Bildung sollte daher einfach und leistbar sein. Ziel ist es, bis zum Jahr 2015 die Anzahl der Menschen ohne schulischen Abschluss zu halbieren und die Anzahl der Personen, die sich beruflich weiterbilden, deutlich zu erhöhen.

5. "Gut leben" statt "viel haben":
Lebensalltag und Konsumgewohnheiten, die sich hauptsächlich am materiellen Wohlstand orientieren, haben zu einem dramatischen Anstieg des Ressourcen-, Energie- und Flächenverbrauchs geführt. Verhaltensangebote und das Aufzeigen der Konsequenzen des eigenen Verhaltens sollen deutlich machen, dass jeder und jede die Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung trägt und selbst dafür Maßnahmen setzen kann. Güterkonsum führt nicht zwangsläufig zu Wohlbefinden. Die Perspektive lautet "Gut leben" statt "viel haben". Qualität und Langlebigkeit von Produkten, Zeitwohlstand, soziale und kulturelle Aktivitäten sind wichtige Bausteine einer nachhaltigen Lebensführung.

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