VP-Stadtrat MARBOE: "Wiener Kulturpolitik kommt aus der Vertrauenskrise nicht heraus"

Marboe bedenkt Wiener Kulturpolitik mit Lob, Kritik und Anregungen

Wien (ÖVP-Klub) Eine große Vertrauenskrise zwischen den Wiener Künstler und der jetzigen Kulturpolitik der Stadt ortet VP-Stadtrat Dr. Peter MARBOE. In einer Pressekonferenz zog der Vorgänger von Mailath-Pokorny heute Bilanz über ein Jahr Kulturpolitik im sozialdemokratisch regierten Wien. "Die Politik hat in dieser Zeit leider viel an Vertrauen verspielt und muss nun dringend einen Weg aus dieser Vertrauenskrise heraus finden", meinte MARBOE.***

An den Beginn seiner Bilanz stellte der ehemalige Wiener Kulturstadtrat jedoch die positiven kulturpolitischen Aspekte des letzten Jahres. "Ich bin froh darüber, dass es offenbar ein klares Bekenntnis zur Sinnhaftigkeit von 3-Jahres-Verträgen gibt, ebenso freut es mich, dass die Unvereinbarkeitsklauseln im Kulturbereich weitgehend außer Streit stehen." MARBOE anerkannt weiters, dass das Filmbudget gleich hoch geblieben ist und dass die Kinoförderung weiter gesichert ist. vorhanden ist. "Auch die Gedenkveranstaltung für Billy Wilder halte ich für ein erfreuliches Signal." Wünschenswert wäre, so der VP-Politiker weiter, dass die Stadt die Bemühungen zum Erhalt des traditionsreichen Gartenbau-Kinos intensiviere.

Als "mit Abstrichen positiv" bewertete MARBOE den Rückkauf des Strauß-Nachlasses durch die Stadt. "Diese Bewertung treffe ich deshalb mit Abstrichen, weil ich über den Ankauf an sich natürlich glücklich bin, es aber nicht für vertretbar halte, dass ein guter Teil der Kaufsumme über das Kulturbudget aufgebracht werden musste." Gleiches gelte für die Renovierung der Albertina. "Derartige kulturpolitische Notwendigkeiten wurden bisher über Sondermittel aus dem Finanzressort finanziert", erklärte MARBOE. "Wenn man diese Gelder aus dem Kulturbudget nehmen muss, dann fehlt dieses Geld an allen Ecken und Enden für die tatsächliche Kulturarbeit der Stadt. Kleinere Theater- oder Tanzgruppen leiden darunter, weil eben dieses Geld ihnen dann nicht mehr zur Verfügung steht." Positiv sieht MARBOE auch die endgültige Einrichtung des Wiener Kindertheaters, "ich verstehe nur nicht, warum sich das jetzt ein Jahr verzögert hat, mit ein bisschem gutem Willen hätte dieses Projekt schon vor einem Jahr starten können, alle Planungen und Verhandlungen waren zu diesem Zeitpunkt ja schon abgeschlossen."

Kulturbudget ist nur formal das höchste, real ist es gesunken

Kritik übte MARBOE an der Vorgangsweise zur Bestellung eines neuen Leiters für die Museen der Stadt Wien, sowie am Kulturbudget der Stadt. "Der neue Chef der Wiener Museen soll schon im April 2003 seine Arbeit aufnehmen, bisher ist aber noch nicht einmal die Ausschreibung - es muss ja europaweit ausgeschrieben werden -erfolgt. Es ist also höchste Zeit, diese Ausschreibung in Gang zu bringen, ansonsten läuft uns hier die Zeit davon."

Beim Budget des Kulturressorts kritisierte MARBOE die irreführende Darstellung in der Öffentlichkeit. "Formal handelt es sich zwar tatsächlich um das höchste Budget, in diesem Budget sind jedoch erstmals alle Sach- und Personalaufwände sowie die wissenschaftliche Arbeit enthalten. De facto ist das operative Kulturbudget gesunken." Insgesamt habe das Kulturressort 10,9 Mio. Euro für Projekte (Albertina, Strauß-Sammlung, etc.) aufgewendet, die man über Sondermittel hätte finanzieren müssen. "Das ist eine ungeheuer hohe Summe, die nun den kleinen Kulturschaffenden fehlt. Unter diesen Aufwendungen finden sich im übrigen 1,02 Mio. Euro, die für das Akzent-Theater bzw. das Theater in den Außenbezirken an die Arbeiterkammer gingen, da muss man sich schon fragen, ob sich hier das Kulturamt aus parteipolitischen Gründen von der AK treiben ließ." Aufgrund solcher Aktivitäten sei das Wiener Kulturbudget mittlerweile über Gebühr belastet, es gebe kaum noch finanzielle Spielräume. "Daher gibt es auch - entgegen mancher Zusagen - sehr wohl Kürzungen im Kulturbereich, das Theater am Auersperg wird beispielsweise - im Gegensatz zu anderen Theatern - bisher nicht entschuldet."

MARBOE ortete auch zunehmenden Einfluß von Parteipolitik auf die Wiener Kulturpolitik. "Es ist auch völlig unvertretbar, dass seit neuestem wieder Vertreter des Kulturamtes in den Kuratorien von privaten Theatern sitzen und dort Einfluß nehmen, nur weil diese Theater Subventionen erhalten." Die niederschmetternde Feststellung Helmut Lohners, der gemeint hatte "Wer zahlt, hat recht", dürfe in Wien nicht Realität werden. "Der Platz der Politik ist im Kulturbereich nicht in der ersten Reihe. Kulturpolitik soll Dinge "ermöglichen" und sich nicht andauernd einmischen."

Kopfzerbrechen bereitet dem VP-Stadtrat auch der zunehmende Stillstand in der Wiener Kulturpolitik. "Ich kann beim besten Willen keine Gestaltungskraft feststellen, ich höre immer wieder nur Ausreden auf die Bundesregierung oder die letzte Wiener Regierungsperiode." Einige Dinge habe er - MARBOE - in seiner Amtszeit nicht mehr vollständig zu Ende bringen können, weil die SPÖ die Koalition gebrochen habe, um einige Monate früher wählen zu lassen.

EU-Osterweiterung ist eine Chance für die Wiener Kulturlandschaft

Die Perspektiven der Wiener Kulturpolitik beschrieb MARBOE mit dem Satz: "Vor uns liegen hochinteressante Zeiten. Im Zuge der EU-Osterweiterung muss Wien seine spezifische Rolle im Herzen Europas wahrnehmen und ausfüllen." Weiters sei die längst überfällige Grundlage für Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum einzufordern. "Hier läuft Wien wirklich Gefahr den Anschluss zu verlieren." Auch das Mozart-Jahr nahe schnell und bisher seien keine besonderen diesbezüglichen Aktivitäten feststellbar, während man sich beispielsweise in Salzburg zu diesem Mozart-Jahr schon seit zwei Jahren intensive Gedanken mache. "Ich halte im übrigen auch wenig davon, dieses Jahr mit einer sündteuren Ausstellung zu feiern. Ich würde mir wünschen, dass man diesen Anlass nutzt, um etwas bleibendes zu schaffen. Die Renovierung und Gestaltung des Figaro-Hauses wäre hier eine überlegenswerte Option." Ausdrücklich befürwortend äußerte sich MARBOE auch zur Schaffung einer Gedenkstätte für Robert Stolz. "Stolz war ein fixer und ungeheuer wichtiger Bestandteil der musikalischen Geschichte dieser Stadt, er hat sich eine Gedenkstätte verdient."

Abschließend erinnerte MARBOE den Wiener Bürgermeister Häupl auch an seine Verpflichtungserklärung im Wiener Regierungsprogramm, wo Häupl festschreiben ließ, dass das Theater an der Wien ganzjährig für klassisches Musiktheater offen stehen soll. "Ich erwarte die für die nächsten Tage angekündigte diesbezügliche Studie mit grosser Spannung".***

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