Pressestimmen/Vorausmeldung/Arbeitsmarkt "Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Freiheitliche Arbeitsneurose

Ausgabe vom 1. Mai 2002 Klagenfurt (OTS) - Freiheitliche Arbeitsneurose - Ein bisserl enttäuscht darf man schon sein: Vom blauen Team ist man anderes gewohnt - knallig grelle Showeinlagen, die fürs Erste einmal die Sicht aufs Dahinter (sprich auf den Inhalt) verblenden. Beim jüngsten Geistesblitz ist von grell-bunt wenig zu erzählen. Von geistreich schon gar nichts. Diffus wäre das rechte Adjektiv für den Ideenstreich, am 1. Mai solidarisch mit arbeitenden Menschen mitzuarbeiten. Eigentlich wäre die Aktion zu ignorieren: Lassen wir doch die FP-Mannen werkeln - am Bau, bei McDonalds, bei der Straßenmeisterei und sonst noch wo (lange werden die dem "armen kleinen" Arbeiter ohnehin nicht Gesellschaft leisten; schätzungsweise gerade so lange, bis TV-Kameras ihr hemdärmeliges Schuften eingefangen haben und die Fotografenschar abgezogen ist). Ja, eigentlich wäre die kollektive Beschäftigungsneurose keine Zeile wert - wäre da nicht die Begründung des Einlage-Flops:"Wir wollen den 1. Mai nicht parteipolitisch zu einem Widerstandstag ausrufen", sagt ganz unverblümt der FPÖ-Chef. Er meint, was er sagt. Und das ist der Unfug. Unfug, weil keine 1.-Mai-Kundgebung - und sei sie noch so rot eingefärbt - den Tag derart grob missbraucht für parteipolitisches Kalkül. Just dieser Feiertag ist nicht geeignet, um - in Eventmanier und blauer Arbeitsmontur (darunter freilich der Designeranzug inklusive Versacekrawatte) einen Nagel einhämmernd - das Arbeitsvolk zu bedauern. Der 1. Mai ruft vielmehr auf, nicht zuletzt derart aufreizenden Fatalismus auf den Rücken der rot-weiß-roten Arbeitnehmer in die Schranken zu weisen.

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