Die Multiple Sklerose kann nicht warten

Die Frühtherapie einer "lebenslänglichen" Krankheit

Wien, 30. April 2002 (ots) - "Die meisten Menschen erkranken
bereits in jungen Jahren an Multipler Sklerose und werden von dieser Krankheit ein Leben lang begleitet. Der Einsatz der Frühtherapie will gut überlegt sein, da diese oft mehrere Jahrzehnte aufrechterhalten werden muss.

Die Multiple Sklerose kann aber nicht warten! Nach einem Schub kann die Unterlassung einer Therapie erhebliche Nachteile für den weiteren Verlauf der Krankheit haben. Die Experten fordern nun die Gabe von Interferon bereits nach dem ersten Schub bei Patienten mit hohem Risiko. Mit Mai wird eine bereits zugelassene Substanz " Interferon beta 1a* - um die Indikation der Frühtherapie erweitert.

In Kenntnis des natürlichen Verlaufs der MS ist eine abwartende Haltung nicht mehr gerechtfertigt. Es ist vielmehr zielführend, die Aktivität der MS so früh wie möglich einzudämmen, um damit das Auftreten neuer Schübe zu verhindern und eine Verlangsamung des Krankheitsverlaufs herbeizuführen. "Musste man früher den weiteren Verlauf beobachten, ist es heute möglich, eine definitive MS-Diagnose zu stellen", fasst Prim. Ulf Baumhackl zusammen. Die klinische Herausforderung besteht nun darin, jene Patienten herauszufiltern, die ein hohes Risiko haben, d.h. der Verdacht auf MS besteht bzw. bereits Läsionen im MRT nachzuweisen sind. Diese Hochrisikopatienten profitieren besonders von der Gabe von Interferon beta 1a*.

Symptome " die Krankheit mit den vielen Gesichtern
Die Multiple Sklerose gilt als häufigste Erkrankung den Zentralen Nervensystems, bei der es zur Zerstörung von Nervenfasern kommt. "Da es sich um eine Krankheit mit extremer Variabilität handelt, stellt sich die MS in ihrer Symptomatik und ihrem Verlauf unterschiedlichst dar: von der Symptomlosigkeit bis zur schwersten Behinderung", so Dr. Strasser-Fuchs in ihren Ausführungen. Häufig beginnt die MS mit Seh-oder Gefühlsstörungen bis hin zu Gleichgewichts- und sogar Gehstörungen.

Unterschätzt wurde bislang die Bedeutung der kognitiven Dysfunktion. Klinische Untersuchungen zeigen auf, dass bis zu 65% der MS-Patienten davon betroffen sind.

Am häufigsten zeigen sich die Beschwerden durch fehlende räumliche Abstraktion, verlangsamte Informationsgeschwindigkeit und seltener auftretende Sprachstörungen", berichtet Doz. Schmitz, Fachärztin für Psychiatrie in Wien. Die kognitive Dysfunktion wirkt sich einschneidend auf das Alltagsleben (Arbeitsfähigkeit, Lebensqualität) der Patienten aus. Bei der Untersuchung verschiedener Therapieprinzipien konnte Interferon beta 1a* in der placebokontrollierten Studie (J.Fischer et al., 2000) vielversprechende Ergebnisse erzielen. Im Vergleich zur Placebogruppe (Verschlechterung um 36,6%) konnte nach einer 2jährigen Therapie mit Interferon beta 1a* nur bei 19,9% der Patienten eine Verschlechterung festgestellt werden. Dies entspricht einer signifikanten Risikoreduktion um 47%.

Krankheitsverlauf
Man kann verschiedene Verlaufstypen unterscheiden: mehr als 50% der Patienten leidet unter der schubförmigen MS, d.h. die meist plötzlich auftretenden Symptome bilden sich im Verlaufe von wenigen Wochen wieder zurück. In weiterer Folge kommt es bei manchen Patienten (oft erst nach Jahrzehnten) zu einer kontinuierlichen Verschlechterung der Beschwerden (sekundär chronisch progrediente MS). Wann und wie häufig Schübe auftreten, lässt sich nicht voraussagen. Viele Patienten erleiden nur alle 1-2 Jahre einen Schub oder seltener, einige aber auch häufiger. Im Hinblick auf den Schweregrad der Behinderungen gibt es auch beträchtliche Unterschiede. Durch die Zulassung von Interferon beta 1a* in der Frühtherapie darf man hoffen, dass sich der Anteil der Patienten mit schwerer Behinderung in Zukunft reduzieren lässt.

Beitrag der MRT in der Frühphase der MS
Dank der Magnetresonanztomographie (MRT) sind die Experten heute in der Lage, bereits beim ersten Symptom die Diagnose MS zu stellen und so andere Krankheiten auszuschließen. Bezüglich der Diagnosestellung hilft die MRT die klinisch eventuell nicht erkennbaren Kriterien, wie z.B. den Nachweis neuer Läsionen im zeitlichen Verlauf, zu ergänzen. Eine zweite MRT-Untersuchung (nach frühestens 3 Monaten) kann u.U. empfohlen werden.

Falls die MRT-Untersuchung "frische" aktiv entzündliche MS-Läsionen aufzeigt, sollte der Patient in den Genuss der Frühtherapie mit Interferon beta 1a* kommen, betont Prof. Fazekas von der Univ. Klinik Graz.

Neurorehabilitation bei MS
Aufgabe der Neurorehabilitation ist es, die Auswirkungen der MS-Erkrankung auf körperliche, geistige und soziale Funktionen zu erfassen und ein darauf abgestimmtes, individuelles Rehabilitationsprogramm zu erstellen.

"Ziel unserer Bemühungen ist es, den Betroffenen ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen und sie in Familie, Freundeskreis und Beruf zu reintegrieren", unterstreicht Prim. Freimüller von der Gailtalklinik, Hermagor. Entscheidend für ein optimales Ergebnis ist aber ein interdisziplinäres Arbeiten im Neurorehabilitationsteam unter der Leitung eines MS-Facharztes und eventueller Anbindung an ein MS-Zentrum oder "Ambulanz.

Auszeichnung für CHAMPS-Studie
Besondere Aufmerksamkeit werden den Ergebnissen der Champs-Studie geschenkt, die im Jahr 2000 abgeschlossen wurde. Die Behandlung mit Interferon beta 1a* ist bereits in einem sehr frühen Stadium der MS wirksam und kann so die Schubrate und "schwere reduzieren. In die Champs-Studie wurden 383 Patienten aufgenommen, bei denen der Verdacht auf MS bestand und ausgeprägte Läsionen im MRT nachzuweisen waren. Nach 3-jähriger Beobachtungsdauer lag die Wahrscheinlichkeit für eine gesicherte MS in der Interferon beta 1a-Gruppe bei 35%, verglichen mit 50% bei der Placebogruppe. Für die Patienten mit höherer Läsionslast bedeutet dies eine signifikante Risikoreduktion im Ausmaß von 44%.

Die Ergebnisse der Champs-Studie sind von größter klinischer Bedeutung und wurden auch von der Harvard University zu einer der 10 besten Studien des Jahres gekürt. Diese Studie legte auch die Basis für die unmittelbar bevorstehende Zulassung von Interferon beta 1a* in der Frühtherapie, d.h. der Behandlung nach dem 1. Schub. Vertrieben wird diese Substanz in Österreich von der Fa. Biogen, einem biopharmazeutischen Unternehmen mit Sitz in Wien. Biogen entwickelt, produziert und vermarktet Medikamente auf gentechnischer Basis vor allem für die Behandlung von Multipler Sklerose (MS), Entzündungen, Atemwegs- und Nierenerkrankungen sowie bestimmten Krebsformen.

In Österreich sind rund 8.000 Menschen, davon 60% Frauen, von der "lebenslänglichen" Krankheit betroffen. Künftig können Patienten, die erste Anzeichen einer MS und ein hohes Risiko haben, daran zu erkranken, mit Interferon beta 1a* therapiert werden. Durch die Frühtherapie (bereits nach dem 1. Schub) kann der weitere Verlauf der Krankheit gebremst werden. Die frühe Behandlung der MS ist auch aus volkswirtschaftlicher Sicht vorteilhaft. Die Therapiekosten steigen mit zunehmender Behinderung exponentiell an. Wenn durch die Frühtherapie die Häufigkeit der Behinderungen reduziert werden kann, ist auf lange Sicht eine Kosteneinsparung zu erwarten.

*Avonex (Fa. Biogen)

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