Csörgits zum 1. Mai: Offenstehende Probleme bei Frauenerwerbstätigkeit angehen

Nachtarbeit, "Abfertigung neu" und atypische Beschäftigung absichern

Wien (ÖGB). "Die offenstehenden Probleme bei der Erwerbstätigkeit der Frauen offensiv angehen statt neue Benachteiligungen entstehen zu lassen", fordert ÖGB-Frauenvorsitzende und Vizepräsidentin Renate Csörgits anlässlich des Tages der Arbeit am 1. Mai. Dringend nötig seien eine geschlechtsneutrale Neuregelung der Nachtarbeit, die die Gesundheit der ArbeitnehmerInnen nicht den Interessen der Wirtschaft unterordne, eine frauengerechte Nachbesserung des Regierungsentwurfs zur "Abfertigung neu" und Verbesserungen für atypisch Beschäftigte, so Csörgits weiter.++++

Der Begutachtungsentwurf der Regierung zur Neuregelung der Nachtarbeit schütze die gesundheitlichen und sozialen Interessen der Beschäftigten zu wenig, kritisiert Csörgits. Selbst in den offiziellen Erläuterungen sei zu lesen, dass der Entwurf nur Mindestanforderungen, die sich aus EU-Richtlinien ergäben, umsetze, aber kaum darüber hinausginge, um die Wirtschaft nicht mit zusätzlichen Kosten zu belasten. "Zu diesem Vorrang der Wirtschaft vor der Gesundheit der ArbeitnehmerInnen sagen wir ein klares Nein. Nachtarbeit ist gesundheitsschädlich - für Frauen und für Männer. Jetzt wo das Frauennachtarbeitsverbot fällt, ist es deshalb an der Zeit, ausreichende Schutzbestimmungen für Nachtarbeitende beiden Geschlechts zu verabschieden", sagt Csörgits. Konkret fordert der ÖGB ein Zeitguthaben für jede gearbeitete Nachtarbeitsstunde, das der Erholung dient und nicht in Geld abgegolten werden kann. Des weiteren fehle im Entwurf das Anrecht auf einen Tagesarbeitsplatz im Falle der Betreuung eines nahen Angehörigen sowie die Gewährleistung einer warmen Mahlzeit und des Transports vom und zum Arbeitsplatz durch den Betrieb, listet Csörgits die Hauptkritikpunkte auf.

Als absolut ungerecht bezeichnet Csörgits die Tatsache, dass bei der "Abfertigung neu" laut Regierungsentwurf die Zeiten der Kinderbetreuung überhaupt nicht als Ersatzzeiten angerechnet werden sollen, während Zeiten des Zivil- und Präsenzdienstes voll gelten. "Damit würde die Benachteiligung der Frauen verlängert. Die Kindererziehungszeiten müssen berücksichtigt werden", fordert die ÖGB-Frauenvorsitzende.

Ein weiteres Anliegen ist den ÖGB-Frauen die volle sozial- und arbeitsrechtliche Absicherung atypisch Beschäftigter. Vor allem Frauen, und da ganz besonders WiedereinsteigerInnen, landen immer häufiger in atypischen Beschäftigungsformen. "Wir brauchen deshalb zum einen die volle Absicherung dieser Arbeitsformen, zum anderen bedarf es Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, damit Frauen auch nach der Geburt eines Kindes wieder Vollzeit arbeiten können", fordert Csörgits. Dazu seien verbindliche Maßnahmen nötig. "Das alleinige Appellieren an den guten Willen der Unternehmen reicht dafür nicht. Nötig sind Bundesmittel für die flächendeckende Schaffung von Kinderbetreuungseinrichtungen, ein Recht auf Teilzeit bis zum Schuleintritt des Kindes - mit Rückkehrrecht auf einen Vollzeitarbeit - und eine Koppelung der öffentlichen Auftragsvergabe an Frauenförderung", fordert Csörgits die Regierung zum Handeln auf. (mfr)

ÖGB, 30. April 2002
Nr. 395

Bei der "Abfertigung Neu" sollen Zeiten für Kinderbetreuung auch zukünftig nicht angerechnet werden. Deswegen haben die ÖGB-Frauen zur Protestaktion aufgerufen. Unter www.oegb.at/frauen können Sie unsere Aktion unterstützen. Machen Sie mit!

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