Studie: "Gastgewerbe muss sich vor Basel II nicht fürchten"

"Eigenkapitalschwäche bei der Beurteilung der Unternehmensbonität nicht der Weisheit letzter Schluss"

Wien (PWK308) - Die Betriebe im Gastgewerbe werden die weiteren Schritte der Banken im Rahmen des Basel II - Prozesses sehr genau beobachten, meint der Obmann der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, Johann Schenner. Im Rahmen der von den Banken künftig durchzuführenden Ratings wird es im Gastgewerbe insgesamt viele Gewinner und infolge etwas höherer Kreditkosten natürlich auch zahlreiche Verlierer geben. Sicher ist jedenfalls, dass sich die Betriebe gegenüber ihren Hausbanken werden neu positionieren müssen.

Besonders erfreulich in diesem Zusammenhang ist, so Schenner, die Tatsache, dass eine jüngst erstellte Studie der TU-Wien zum Ergebnis kommt, dass sich das Gastgewerbe vor Basel II nicht zu fürchten braucht. Dies deshalb, weil die Eigenkapitalschwäche des Tourismus, die im Übrigen bei genauer Betrachtung wegen der stillen Reserven oft nur einen nominellen Charakter hat, bei der Beurteilung der Bonität der Unternehmen nicht der Weisheit letzter Schluss sei.

Die im März 2002 von dem an der Technischen Universität Wien, Institut für Betriebswissenschaften, Arbeitswissenschaft und Betriebswirtschaftslehre, Abteilung Rechnungswesen und Controlling, tätigen Prof. Walter Schwaiger erstellte Studie über die Auswirkungen der Basel II zeigt nämlich die für den Tourismus die erfreuliche Tatsache, dass die Betriebe im Mittelständischen Gastgewerbe gar nicht so schlecht wegkommen, wie dies immer wieder von Experten befürchtet wird.

Der Grund für die positive Sichtweise der Autoren liegt darin, dass die Bonität, d. h. das Ranking, nicht nur von der im Gastgewerbe schlechten Eigenkapitalausstattung bestimmt wird. Letztere ist über das Anschaffungswertprinzip historisch bestimmt und durch handels-und durch steuerrechtliche Anforderungen noch wesentlich entstellt. Die Beurteilung der Bonität der Betriebe ist nach Meinung der Autoren jedoch zukunftsorientiert, was bedeutet, dass sie sich an den Zukunftsaussichten des Unternehmens ausrichtet. Weiters hänge die Bonitätsbeurteilung auch stark von der Zahlungsweise der Unternehmen ab, und diese sei im Gastgewerbe nicht so schlecht.

Wie sieht nun - kurz gefasst - das Rating aus? Die mittelständischen Gastgewerbebetriebe sind in den besten Ratingklassen sogar häufiger als im Durchschnitt aller Betriebe vertreten. In den schlechtesten Ratingklassen entsprechen die Betriebe mit einer wichtigen Ausnahme dem Durchschnitt. Diese Ausnahme ist aber dafür verantwortlich, dass für das Gastgewerbe die Eigenmittelanforderung mit einem Prozentsatz von 7,19 % höher ist als der österreichweite Durchschnitt mit 6,96 %. Die Autoren meinen aber, dass das Gastgewerbe damit kein strukturelles Problem hat.

Das im Gastgewerbe durchaus häufig vorkommende negative ("aktive") Eigenkapital wird häufig mit einer schlechten Bonität in Verbindung gebracht. Dies greift nach Meinung der Experten zu kurz. Das hohe nominelle Fehlkapital sage insgesamt betrachtet noch nichts Endgültiges über die Bonität des Gastgewerbebetriebes aus.

Obwohl die Stichprobe für das Gastgewerbe im Verhältnis zur Gesamtzahl der Betriebe gering ist, weisen die Autoren darauf hin, dass die Untersuchung den Vorteil hat, dass sie auch auf kleine Stichproben anwendbar ist, sodass beispielsweise auch das mittelständische Gastgewerbe analysiert werden kann. (hp)

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