DIE LANDESVÄTER Buch über bedeutende Landeshauptleute im Hohen Haus präsentiert

Wien (PK) - Sie wirkten allesamt in der Zweiten Republik, sie standen fest auf dem Boden der Demokratie, doch ihre Popularität und ihre politischen Erfolge machten sie zu einer Art Landesfürsten, zu "Monarchen der Zweiten Republik", wie denn auch der Titel jenes Buches lautet, das heute im Hohen Haus von Nationalratspräsident Heinz Fischer präsentiert wurde. An der Veranstaltung nahm ebenso zahlreiches wie prominentes Publikum
teil, darunter u.a. Bundesratspräsidentin Uta Barbara Pühringer, die ehemalige Bundesministerin Sonja Moser, der Dritte Präsident des Nationalrates Werner Fasslabend, der ehemalige Klubobmann Friedrich Peter und der ehemalige Landeshauptmann Herbert
Kessler.

Fischer erklärte, es sei eine angenehme und interessante Aufgabe, ein Buch zu präsentieren, welches wohl die erste Darstellung und Untersuchung über die Stellung und das Wirken der Landeshauptmänner ist. Über Landeshauptmänner könnte man schon allein aus juristischer und verfassungsrechtlicher Sicht viel publizieren, meinte der Präsident unter Bezugnahme auf die
Artikel 101 und 102 B-VG, die eine interessante verfassungsrechtliche Konstruktion darstellten.

Interessant sei das Thema aber auch aus politikwissenschaftlicher Sicht. Die Landeshauptleute bürgten historisch für beachtliche Stabilität, habe es seit 1945 doch lediglich 56 Landeshauptmänner gegeben, was im Schnitt sechs pro Bundesland mit einer durchschnittlichen Amtszeit von 10 Jahren mache. Ein Machtwechsel sei in der Landespolitik praktisch nicht vorgekommen, sehe man
vom Burgenland 1964 und von Kärnten 1989 ab, was, wenn man den Vergleich zur Bundespolitik nehme, wo es 1966, 1970, 1983, 1987
und 2000 zu grundlegenden Änderungen kam, atypisch sei. Der Präsident schloss seine Rede mit persönlichen Erinnerungen an einige der Protagonisten des Buches.

Fritz Panzer vom Verlag Ueberreuter merkte bei der Präsentation
an, dass die vorzustellende Publikation eine Sammlung
hervorragend geschriebener Porträts österreichischer Landeshauptmänner beinhalte, wobei man schließlich die Auswahl danach getroffen habe, welcher Politiker am nachhaltigsten im Bewusstsein der Leute geblieben sei.

Der Einfluss charismatischer Politiker auf die Bundespolitik sei kaum zu unterschätzen, welcher Mensch aber hinter diesen Ikonen stand, könne oft erst später umfassend dargestellt werden. Das sei, so Panzer abschließend, Scheidl hervorragend gelungen.

Der Autor Hans Werner Scheidl hoffte, die Leser mögen nach der Lektüre dieses Buches zu dem Schluss kommen, dass bei den Landeshauptleuten ein so vielfältiges Spektrum an Talenten, Lebenswegen und politischen Anschauungen anzutreffen sei, dass es eine eigene Beschäftigung mit ihnen lohne.

Die Landeshauptmänner spielten in der Tat die Rolle von Kurfürsten, was auch den Titel des Buches rechtfertige. Sie
hätten eigene Residenzen, die zwar "Landhaus" hießen, real aber wesentlich eher einem Hof glichen - man denke an die Burg in
Graz, das Schloss in Klagenfurt oder das Palais in Salzburg. Und
in der Tat hielten die Landesfürsten einen "Hof", was nicht
zuletzt an den von ihnen beschäftigten "Hofräten" abzulesen sei. Im Unterschied zur Ersten Republik aber hätten sich die Landeshauptmänner in der Zweiten Republik - sieht man von der Ausnahme Josef Klaus ab - aus der Bundespolitik herausgehalten, wobei freilich noch nicht gesagt werden könne, ob Erwin Pröll und Michael Häupl sich auf Dauer allfälligen diesbezüglichen Rufen entziehen werden können, so Scheidl abschließend.

VON KESSLER ZU KERY

Hans Werner Scheidl porträtiert in seinem Buch "Die Monarchen der Zweiten Republik" die legendärsten Landeshauptleute der Nachkriegsgeschichte. Der Bogen spannt sich dabei von Herbert Kessler (Landeshauptmann von Vorarlberg 1964-1987), Eduard Wallnöfer (Landeshauptmann von Tirol 1963-1987) und Wilfried Haslauer (Landeshauptmann von Salzburg 1977-1989) über Leopold Wagner (Landeshauptmann von Kärnten 1974-1988), Josef Ratzenböck (Landeshauptmann von Oberösterreich 1977-1995) und Josef Krainer sen. (Landeshauptmann der Steiermark 1948-1971) bis zu Siegfried Ludwig (Landeshauptmann von Niederösterreich 1981-1992), Theodor Kery (Landeshauptmann des Burgenlandes 1966-1987) und Helmut Zilk (Landeshauptmann von Wien 1984-1994). Sie alle repräsentieren
eine Ära, in der die ersten Männer im Bundesland tatsächlich monarchische Verehrung genossen und nahezu ungehindert schalten
und walten konnten. Gestützt auf jeweils satte Mehrheiten in
ihren Landtagen, konnten sie weit über den Tag hinausdenken und Projekte initiieren, die ihre Bundesländer auch heute noch
prägen.

Vor allem bis zum Ende der achtziger Jahre war Österreich durch
ein Zweieinhalbparteiensystem geprägt, welches in den Bundesländern stets für klare Verhältnisse sorgte. Die porträtierten Landeshauptmänner hatten aber auch - ganz ohne große Beraterstäbe, ohne Medienexperten und Öffentlichkeitsgurus - ungeheure Popularität und erzielten Wahlergebnisse, die heute nicht mehr vorstellbar scheinen. Dies lag wohl auch daran, dass
sie trotz monarchischer Entrücktheit den Kontakt zum Volk nie verloren und volksverbunden im besten Wortsinne blieben, wie zahllose Beispiele belegten. So konnte jedermann Eduard Wallnöfer auf seinem Bauernhof besuchen und ihm ein Anliegen vortragen, so kümmerte sich Helmut Zilk persönlich um jeden "klappernden Kanaldeckel". In Summe repräsentierten diese Politiker eine Ära, die nicht völlig grundlos als "gute alte Zeit" erscheint.

Scheidl porträtiert die Landesväter detail- und kenntnisreich, präsentiert dabei eine Fülle aus politischen und privaten Fakten, ohne deshalb je in Voyeurismus abzugleiten. Der Mensch tritt in
den Vordergrund, ohne dass der Politiker dabei zu kurz kommt. Das Ergebnis ist ein spannendes Lesebuch zur Geschichte der Zweiten Republik aus der Sicht ihrer neun Länder.

DER AUTOR

Hans Werner Scheidl, geboren 1944, trat 1971 in die Redaktion der Tageszeitung "Die Presse" ein, wo er seit 1981 als Chef vom
Dienst wirkt. Sein Buch "Die Monarchen der Zweiten Republik" ist
im Verlag Ueberreuter erschienen, umfasst 192 Seiten und ist zum Preis von 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich. (Schluss)

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