"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Verbotenes Hands" (Von Irene Heisz)

Ausgabe vom 30. 4. 2002

Innsbruck (OTS) - Zuerst kommen der Nahe Osten und Erfurt. Aber gleich darauf beschäftigen sich die Nachrichten mit Fußball: Heute wird sich entscheiden, ob die Bundesliga-Lizenz des FC Tirol erneuert wird; seit kurzem redet auch Sportlandesrat Günther Platter offiziell mit über die Zukunft des heimischen Spitzenklubs. Die Deutsche Fußball-Liga droht mit einem Fernseh-Boykott, falls der Kirch-Konzern nicht zumindest einen Teil der ausstehenden 100 Mio. Euro zahlt. Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder braucht, als das Krachen im Gebälk der KirchMedia endgültig nicht mehr zu überhören ist, tagelang, um die voreilig angekündigten staatlichen Bürgschaften für die Bundesliga zunächst auf kleine Vereine und dann doch noch auf die gefährdeten Arbeitsplätze abseits der Fußballstadien einzuschränken. Und Österreichs Bundespräsident, mit Wortspenden sonst notorisch geizig, nützt die Pause eines freundschaftlichen Länderspiels, um sich als leidenschaftlicher Experte zu positionieren.

Unterschiedlich ernst zu nehmende Schlaglichter aus den vergangenen Wochen, die wieder einmal klar machen: Die Welt hat zweifellos andere Sorgen, aber Fußball ist nun einmal die wichtigste Nebensache der Welt und deshalb immer für heiße Emotionen und fieberhafte Populismusschübe aller Art gut.

Klar ist aber auch, dass Handspiel einen groben Verstoß gegen die Regeln darstellt, und das gilt erst recht für das Spiel mit der öffentlichen Hand. Soll heißen: Millionenschweren Spitzenfußball -und sei es nur österreichischen Spitzenfußball - mit Steuergeld am Leben zu erhalten, ist absurd. Fußball ist ein Wirtschaftsfaktor und als solcher den Marktregeln zu unterwerfen. Ein Recht auf Fußball hat der Mensch nur dann, wenn man Fußball ganz naiv als elementaren Unterhaltungsfaktor und Unterhaltung als menschliches Grundbedürfnis anerkennt. Dass jedoch die Spiele zum Brot in der Bundesliga oder gar in der Champions League stattzufinden haben, ist ein Irrtum.

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