Weidenholzer: "Bedeutung der Pflege entspricht nicht der gesellschaftlichen Anerkennung"

Wien (SK) Josef Weidenholzer, der Präsident der Volkshilfe Österreich sprach sich am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den Präsidenten und Direktoren der fünf Trägerorganisationen der Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt (Volkshilfe, ÖRK, Caritas, Diakonie, Hilfswerk) für ein besseres Image und damit verbunden für eine gesellschaftliche Aufwertung der Pflegeberufe in Österreich aus. "Wir befinden uns heute in einem echten Pflegekräftenotstand", betonte Weidenholzer. Er fordert eine Vereinheitlichung und wechselseitige Anerkennung der Ausbildung, die Installierung von Berufsbildern und die legistische Verankerung der beiden Bereiche in Berufsgesetzen.****

540.000 hilfs- und pflegebedürftige Menschen leben in Österreich zu Hause. Aufgrund der demographischen und epidemiologischen Entwicklung wird sich ihre Anzahl bis zum Jahr 2011 um etwa ein Drittel erhöhen (ca. 800.000). Geschätzt wird weiters ein Ansteigen des Bedarfs an Pflegekräften um 50 Prozent und an Tageszentren sogar um das Zehnfache von derzeit 17 auf 170 Zentren. Die Dimension zeige sich, so Weidenholzer, auch daran, dass in Österreich 140.000 Personen mit der Pflege beschäftigt sind.

"Die immer größere Bedeutung der Pflege entspricht nicht der gesellschaftlichen Anerkennung", betonte Weidenholzer. Immer noch würde die Meinung vorherrschen, "dass das jede Frau von Natur aus kann und daher keine Bezahlung nötig ist", kritisierte Weidenholzer. Der Pflegeberuf ist daher geprägt von hoher Fluktuation (Verweildauer von 3-5 Jahren), oft mangelnder arbeitsrechtlicher Absicherung und unterschiedlicher Qualität bei der Ausbildung.

Derzeit sei ein oft regional oder trägerorganisationsbezogenes Ausbildungs-Wirr-Warr im Betreuungs- und Behindertenbereich vorherrschend. Das würde sogar die verschiedenen Ausbildungswege innerhalb Österreichs betreffen: "Es gibt Ausbildungsgänge, die in anderen Bundesländern als dem, wo er angeboten wird, nicht anerkannt werden." Andererseits würden wichtige Ausbildungsgänge, wie die Palliativmedizin, nicht angeboten, "obwohl hier viel gegen das Burn-out-Syndrom getan werden könnte", betonte Weidenholzer.

Ein Problem ortet Weidenholzer auch durch Pflegende aus Osteuropa. Hier droht ein weiteres Absinken der gesellschaftlichen Anerkennung der Pfelgeberufe durch mangelnde arbeitsrechtliche Absicherung und das Nicht-Vorhandensein von Qualitätskontrollen. (Schluss) up

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