Start für den neuen ORF-Newsroom am 2. Mai (2)

Relaunch für "ZiB"-Sendungen

Wien (OTS) - Ab 2. Mai 2002 um 19.30 Uhr kommt die "Zeit im Bild" aus dem neuen Newsroom. Damit wird eines der wichtigsten Projekte der ORF-TV-Information und der ORF-Technik umgesetzt. Mit dem neuen Newsroom macht die "Zeit im Bild", die dabei einem sanften Relaunch unterzogen wird, einen großen Schritt in die Zukunft der Fernsehnachrichten.

Alter Newsroom: Betriebssicherheit nicht gegeben
Seit 17 Jahren ist der Newsroom, das Nachrichtenstudio der "Zeit im Bild"-Sendungen, bereits in Betrieb. Für die damalige Beanspruchung ausreichend, ist er inzwischen in die Jahre gekommen. Und so kann das Herzstück der ORF-TV-Information den hohen technische Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Ursprünglich war der Newsroom für die Ausstrahlung von täglich zwei "ZiB"-Sendungen konzipiert, mittlerweile produziert der ORF sieben "ZiB"-Sendungen pro Tag und mutiert im Fall von erhöhter Ereignisdichte (Terroranschlag am 11. September 2001 mit 43 Stunden ununterbrochener Live-Berichterstattung) zu einem Rund-um-die-Uhr-Infosender. Allein 2001 zeigte der ORF mehr als 120 "ZiB"-Sondersendungen. Neue Technologien, die den steigenden Programmanforderungen besser entsprechen, können so nicht zum Einsatz kommen, nicht zuletzt lassen allgemeiner Platzmangel und zu geringe Raumhöhe wenig Spielraum. Durch das Alter der Anlage ist selbst die Betriebsicherheit bei der Produktion laufender Sendungen nicht mehr gewährleistet.

Technischer Direktor Andreas Gall und Informationsdirektor Gerhard Draxler zum neuen Newsroom:
Da eine Adaptierung und Erweiterung der bestehenden Studioräume nicht sinnvoll möglich war, wurde mit der Planung eines neuen TV-Newscenters begonnen, dessen Herzstück der neue Newsroom ist. Für den Technischen Direktor des ORF, Andreas Gall, eröffnet die neue ORF-Nachrichtenzentrale eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten: "Der Newsroom-Neubau geht Hand in Hand mit dem erforderlichen Umstieg auf zeitgemäße digitale Technik. Diese Innovationen für Redaktion und Technik werden vor allem unseren Zusehern zugute kommen." Die topaktuelle Ausstattung des neu errichteten Gebäudes wird es der ORF-TV-Information ermöglichen, sich auch den wachsenden Anforderungen und neuen Herausforderungen der Berichterstattung im 21. Jahrhundert zu stellen. "Der neue Newsroom muss für tagesumgreifende Information und Großereignisse sowie für gesteigerte Ansprüche der Zuschauer voll gerüstet sein", unterstreicht Informationsdirektor Gerhard Draxler die absolute Notwendigkeit des unter seinem Vorgänger Informationsintendant Dr. Hannes Leopoldseder fertig gestellten Neubaus. "Genau dafür liefert der neue Newsroom die Möglichkeiten - räumlich durch die Zusammenführung der Redaktionen, technisch und organisatorisch. Der ORF muss sich in der wachsenden Wettbewerbssituation seine Konkurrenzfähigkeit in der Information sichern und offensiv auf die neue Multimedialität ausrichten."

Sanfter Relaunch für "Zeit im Bild"-Sendungen
Mit dem Start des neuen Newsrooms verbunden ist auch ein neues "ZiB"-Design, für das die ORF-Art-Direktion unter Mag. Gustav Lohrmann mit der Abteilung Design & Präsentation unter Patricia Poelk und der Programmentwicklung unter Helmut Radinger verantwortlich zeichnet. Das neue "ZiB"-Design stellt eine konsequente Modernisierung des bestehenden Erscheinungsbildes dar. Somit wird die Tradition fortgeführt, der ORF-Information ein klares, funktionales Design zu geben. Damit wird auch, wie in der Vergangenheit, dem Zuschauer geholfen, Inhalte zu verstehen und einzuordnen. "Klarer Auftrag war, einen sanften "ZiB'-Relaunch durchzuführen, ohne die Marke ,Zeit im Bild' zu verändern", so Art-Direktor Lohrmann. "Design & Präsentation"-Chefin Patricia Poelk: "Die visuellen Hauptmerkmale der 'ZiB' wurden bewusst beibehalten, um diese Kontinuität zu gewährleisten. Die realistische Darstellung der Welt in ihren tageszeitlichen Erscheinungen und die neue Funktionalität des Studios unterstreichen die Objektivität des Inhalts und die redaktionelle Kompetenz der Sendung."
Das neue Erscheinungsbild der "ZiB" reiht sich als Flaggschiff der österreichischen Nachrichten-Berichterstattung in die internationalen Design-Standards ein, wo Inhalt und Kontext die Darstellungsform bestimmen.
Neu sind ab sofort der Newstisch in Dreiecksform mit eingebauten Monitoren und Keyboards, Flatscreens für Zuspielungen, die der jeweiligen Tageszeit angepasste Studioausleuchtung, eine ferngesteuerte, programmierbare und fahrbare Kamera für dynamische Kamerafahrten sowie animierte Schriften und die neuen 3-D-Event-Recreation-Grafiken, die in kürzester Zeit hergangsgetreue Nachbildungen von Ereignissen erlauben.
In Nuancen verändert präsentieren sich die Farbgebung (wobei die Grundinformationsfarbe Blau unverändert bleibt), die Weltkugel im Studiohintergrund (im Gegensatz zum alten Newsroom handelt es sich nunmehr um eine Originalaufnahme aus dem Weltall) und die Signation. Unverändert bleiben die Doppelmoderationen in der "ZiB 1". Dank neuer Grafiktechnologien präsentiert sich auch das Wetter ab 2. Mai in einem neuen Design.
Die neue, großzügige Studiofläche erlaubt eine Fix-Ausleuchtung für die "ZiBs" sowie zahlreiche weitere Gestaltungsmöglichkeiten mit Lichtstimmungen. Auch für Diskussionen mit mehreren Teilnehmern ist das Newsroom-Studio ausreichend dimensioniert.

High-Tech im Dienst der Seher
Konkret ging es beim Newsroom-Neubau um drei Hauptbereiche:
- Erneuerung des Regieplatzes und Schaffung eines größeren und höheren Studios
- Schaffung von Büroraum mit dem Ziel, die Redaktionen zusammenzuführen
- Einstieg in die Digitalisierung der TV-Produktion im Informationsbereich

Im Mittelpunkt des nunmehrigen TV-Newscenters steht der neue Newsroom, der Raum, aus dem die TV-Nachrichten abgewickelt werden, und der neue Regieplatz. Mit mehr als 250 Quadratmetern ist das Nachrichtenstudio deutlich größer als das bisherige. Rund um dieses Herzstück gruppieren sich alle Redaktionen, die an der Entstehung der "Zeit im Bild" beteiligt sind (Moderatoren, Redakteure, Disposition, Planungsredaktion, IPA, Eurovision/Newskoordination), die Parlamentsredaktion und die aktuelle Grafikabteilung. Zur Verfügung stehen Büroräume, Sitzungsräume, Schneideräume, Grafikstudios etc.

Modernster Workflow ermöglicht Rund-um-die-Uhr-Dienst
Mit dem Neubau des Newsrooms besteht zugleich die Chance, in die neue Technologie der Informationsbearbeitung und -verwertung einzusteigen. Ein volldigitaler Workflow steht im Newsroom nicht von Anfang an zur Verfügung, wird aber sukzessive aufgebaut. Ein entsprechender Stufenplan soll garantieren, dass die Einzelschritte letztlich dem jetzt schon fixierten Gesamtkonzept entsprechen. Die volldigitale Newsproduktion soll einerseits die beste optische Qualität garantieren, andererseits wird sie den redaktionellen Alltag revolutionieren. Im ausgebauten volldigitalen Workflow kann Videomaterial blitzschnell bearbeitet werden. Unmittelbar nachdem Material über Satellit im Newsroom aufläuft, können schon derzeit zahlreiche Redakteure und Cutter gleichzeitig von mehreren Schneideräumen aus dieses Material sichten und bearbeiten. Der nächste Schritt soll ein intelligentes Content-Management-System mit einer zum Teil sogar automatisierten Beschlagwortung werden. So wird die Wiederauffindbarkeit des Materials garantiert. Die Einbindung des Archivs über das digitale Netz ermöglicht die schnelle Einarbeitung von Archivmaterial und letztlich sind die Beiträge und digitalen Informationen ebenso schnell für eine weitere Nutzung - etwa über ORF.at - greifbar.

In der On-Air-Redaktion sind künftig zwei parallele Vorbereitungslinien vorgesehen, sodass zwei Sendungsteams gleichzeitig unterschiedliche Sendungen planen können, aber dennoch in enger Kooperation miteinander stehen. Derartige Anforderungen entstehen immer wieder bei Großereignissen (z. B. Kaprun, Galtür, Kosovo-Krieg usw.), wenn etwa Sondersendungen unmittelbar an die regulären "ZiBs" anschließen und umgekehrt. Aber auch im Regulärbetrieb wird damit eine direktere Zusammenarbeit etwa zwischen Frühmannschaft, "ZiB 1", "ZiB 2" und der Nachtbesetzung gewährleistet. Die Sendungsteams brauchen keine Übergaben mehr durchzuführen, sondern führen automatisch übergreifend durch den Tag. Dies soll letztlich bei Bedarf einen Rund-um-die-Uhr-Betrieb aus dem Newsroom ermöglichen. Für derartige Fälle kann auch der redaktionelle Arbeitsbereich näher an das Newsroom-Studio "herangerückt" werden.

Die Schnelligkeit bei Vorbereitung und Sendungsabwicklung hat natürlich auch Auswirkung auf das interne Redaktionsgefüge. Ungehinderte Kommunikation ist eine absolute Notwendigkeit. Und deshalb entspricht auch die Unterbringung und Anordnung der Redaktionsarbeitsplätze diesem Anforderungsprofil. Die Redakteure sitzen nicht mehr in relativ kleinen Zimmern, sondern sind in offenen Bürolandschaften untergebracht, die ein sofortiges Reagieren auf neue Ereignislagen ermöglichen. Dennoch wird auf akustische und optische Abschirmungen so weit wie möglich Rücksicht genommen, denn redaktionelles Arbeiten heißt immer auch Arbeiten unter Zeitdruck und höchster Konzentration.

Der Operations Desk, der ebenfalls im unmittelbaren Nahbereich zu Regie und Studio untergebracht ist, ermöglicht das zentrale Monitoring von 48 Programmen und nimmt eine Schlüsselfunktion im Informationsfluss des neuen Newsrooms ein. Die neuen Räume ermöglichten eine Zusammenführung der aktuellen Redaktionen, die bisher durch Türen und Gänge voneinander getrennt waren. Auch das soll es den Teams erleichtern, übergreifend durch den Nachrichtentag zu führen. Zugleich soll damit die Verwaltung und Administration der "Zeit im Bild"-Redaktionen erleichtert werden.

Logistische Herausforderung

Ein Großprojekt wie der Bau des neuen Newsrooms für die TV-Information bedarf einer umfassenden Logistik und exakten Vorbereitung. Für die Koordination der Planung und Entwicklung wurde daher ein Lenkungsausschuss, ein Kernteam für die operative Steuerung des Projekts sowie zahlreiche Arbeitsgruppen eingesetzt. Die Vorgaben und Bedürfnisse der Redaktionen, die zum Entstehen der ORF-Nachrichten beitragen, wurden eingeholt und breit diskutiert. Technische, redaktionelle und wirtschaftliche Aspekte flossen in die Entscheidungsfindung ein.

Dem neuen Workflow liegt ein Stufenplan zu Grunde, der über den eigentlichen Neubau des Newsrooms weit hinausgeht. Die Übersiedlung der "ZiB"-Redaktionen in den Neubau im ORF-Zentrum im Oktober 2001 erforderte großen logistischen Aufwand, musste doch die Produktion aller "ZiB"-Sendungen ungestört weitergehen. Erschwert wurde der Umzug durch die gestiegenen Anforderung auf Grund der Berichterstattung Über die Attentate vom 11. September und deren Folgen. Den neuen Anforderungen entsprechend wurden zunächst verwandte und eng kooperierende Abteilungen in der Nähe des Newsrooms zusammengeführt und Schritt für Schritt auch an die neue digitale Produktionstechnik angebunden. Diese Verbindung geht über das ORF-Zentrum hinaus. Letztlich werden auch alle Außenstellen, bis hin zu den Landesstudios und den Korrespondentenbüros, in den volldigitalen Workflow eingebunden. Das ist eine Herausforderung, die noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird.

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