"profil": Häupl kritisiert Gusenbauers wirtschaftspolitische Aussagen

Wiener Bürgermeister bezweifelt ob Äußerungen "Anliegen unserer Wähler artikulieren" - SPÖ sollte sich anderen Themen zuwenden -Edlingers "Sieg Heil"-Zwischenruf für Häupl "relativ harmlose Geschichte" - Frauenpolitik der ÖVP "reaktionär"

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" nimmt der Wiener Bürgermeister und SPÖ-Landesparteivorsitzende Michael Häupl zu den jüngsten Diskussionen über den SPÖ-Vorsitzenden Alfred Gusenbauer Stellung. Häupl: "Ich verstehe nicht, dass jede noch so läppische Diskussion nicht zuletzt durch Wortmeldungen eigener Funktionäre zu einer Krise hoch stilisiert wird." Weder er, Häupl, noch die Salzburger SPÖ-Chefin Gabi Burgstaller hätten gemeint, dass Gusenbauer als Spitzenkandidat in Zweifel stehe. Es sei aber vernünftig, so Häupl, dass sich die Parteispitze verbreitere, weil man damit verschiedene Themen differenzierter artikulieren könne. Häupl: "Die Diskussion darüber zu verbieten, wie man die Kommunikation in der Partei verbessern kann, wäre absurd."

Kritik übt der Wiener Bürgermeister gegenüber "profil" an Alfred Gusenbauers Aussagen, die SPÖ müsse "Anwältin des Wettbewerbs" sein, und sich zur "solidarischen Hochleistungsgesellschaft" bekennen. Häupl: "Man muss gerade als oppositioneller Sozialdemokrat Diskussionen führen, die den Interessen unserer Klientel entsprechen." Er halte Gusenbauers Grundidee für richtig, allerdings wage er zu bezweifeln "ob diese Äußerungen die vorrangigen Anliegen unserer Wähler artikulieren". Gusenbauer habe, so der Wiener Bürgermeister, einen staatstragenden Beitrag geliefert, in der Oppositionsrolle sollte sich die SPÖ aber anderen Themen zuwenden.

Gegenüber "profil" nimmt Häupl den SPÖ-Abgeordneten Rudolf Edlinger für dessen "Sieg heil"-Zwischenruf im Parlament in Schutz:
"Inhaltlich gesehen war der Zwischenruf eine relativ harmlose Geschichte. Nach einer Hetzrede der FPÖ-Abgeordneten Helene Partik-Pablé zu sagen, 'jetzt fehlt nur noch ...', ist parlamentarischer Alltag." Allerdings, so Häupl, hätte sich "ein alter Hase wie Edlinger nicht so provozieren" lassen sollen.

Gegenüber "profil" ruft Häupl die SPÖ dazu auf, sich "das Grundprinzip der sozialdemokratischen Politik in Erinnerung zu rufen:
Jenen zu helfen, die unsere Hilfe auch brauchen." Im Bereich der Familien- und Frauenpolitik wollten FPÖ und ÖVP möglichst viele Frauen im Haushalt binden, während die SPÖ den Frauen ermöglichen wolle, Beruf und Familie zu vereinen. Häupl: "In der Frauenpolitik ist die ÖVP eine reaktionäre Partei. Kein Zweifel."

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"profil"-Redaktion

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