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Klagenfurt (OTS) - Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" Kommentar: Jede Erklärung greift zu kurz=

Utl.: Ausgabe vom 27. Apr. 2002=

Es gibt nichts Wichtigeres in Deutschland als
den Wahlkampf. Das mag bis gestern um 11 Uhr 5 gestimmt haben. Zu dieser Zeit betätigte der Schuldiener am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt den Notruf. Und ab diesem Hilfeschrei ist in Deutschland nichts wie zuvor. 18 Menschen lagen tot in ihrem Blut. Lehrer, Schüler, ein Polizist und der 19-jährige Amokschütze.

Alle Wahlkampftermine wurden vorerst abgesagt. Man müsste erklären, was sich nicht erklären lässt. Ein Land im Erklärungsnotstand. Nichts verdeutlicht dies mehr, als wenn ratlose Journalisten ratlose Psychologen befragen. Ein Land sieht sich via Fernsehen bei seiner eigenen Fassungslosigkeit zu.

Auch die Politik tut gut daran, nicht gleich wieder alles besser wissen zu wollen. Erklärungen trösten nicht. Was die Trauer braucht, ist Zeit. Ein derart singuläres Ereignis übersteigt die schnelle Fassbarkeit.

Keine der nun aufberchenden Fragen werden mit einer einfachen Antwort versehen werden können. Das Blutbad wird weder psychologisch noch pädagogisch, noch sicherheitspolitisch ausreichend beantwortbar sein. Alles greift zu kurz.

Natürlich ist es sinnvoll, den Zugang zu Faustfeuerwaffen massiv zu erschweren. Doch die Explosivität jener Kränkung, die dem Amoklauf zugrunde liegt, ist damit nicht behoben. Es ist den Kränkungen auf die Spur zu kommen, die sich in unsere Gesellschaft eingenistet haben. Es sind mitunter Kränkungen, die sich bis zum Selbstmordattentat potenzieren.

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