VP-Stadträtin ROTHAUER übt Kritik an Wiener Planungs- und Verkehrspolitik

Wien (ÖVP-Klub) In Anbetracht der alarmierenden Ergebnisse der Arbeiterkammerstudie zur Verkehrsentwicklung der letzten 10 Jahre in Wien hat VP-Stadträtin Dr.Herlinde ROTHAUER im Zuge der Gemeinderatsdebatte zum Hochhauskonzept von Stadtrat Schicker die Planungs- und Verkehrspolitik scharf kritisiert. "Durch eine unvernünftige Siedlungspolitik in Kombination mit Infrastrukturschwächen zwischen 1990 und 2000 ist das Verkehrsaufkommen in einigen Stadtgebieten geradezu exlpodiert ist", warnte die Planungsexpertin vor einer Fortsetzung dieser Fehlentwicklung.***

Entstanden sei diese Fehlentwicklung durch eine Stadterweiterung mit Wohngebieten ohne gleichzeitiger Erschließung mit attraktiven öffentlichen Verkehrsmitteln, durch die Erschließung von Betriebsgebieten abseits jeglicher akzeptabler öffentlicher Verkehrsmittel und durch einen Wildwuchs von peripheren Einkaufszentren, die zwangsläufig Autoverkehr anziehen. "Bedauerlich ist dabei, dass selbst jüngste Planungsentscheidungen, die noch gar nicht umgesetzt sind, die Weichen in diese Richtung neuerlich gestellt haben", befürchtet ROTHAUER. Als Beispiel führte die VP-Stadträtin ein Projekt an einer zukünftigen Station der verlängerten U 1 im Bereich Wagramer Str. / Julius-Ficker-Str. an. "Hier soll ein überdimensioniertes Einkaufszentrum zugelassen werden, in dessen unmittelbaren Einzugsbereich die Kaufkraft nicht ausreicht, sodaß überregionaler Verkehr angezogen wird. Die Dimension des geplanten Stellplatzangebotes deutet darauf hin, daß es sich dabei auch - trotz U-Bahn-Anschluß - um einen erheblichen Teil Autoverkehr handeln wird."

ROTHAUER verlangte daher eine rasche Kurskorrektur in der Planung, die einerseits alte Mängel beseitigt und andererseits mit neuen Weichenstellungen, wie dem Hochhauskonzept, nicht eine neue Problematik entstehen läßt. So eine Gefahr ist nach Meinung der ÖVP in der Absicht zu sehen, Stellplatzbeschränkungen bei Hochhausstandorten mit guter öffentlicher Verkehrsmittelanbindung zu verfügen. "Es muß ja bedacht werden", so ROTHAUER, "dass nicht nur der PKW-Verkehr in Wien durchschnittlich um über 50 % zwischen 1990 und 2000 zugenommen hat, sondern im gleichen Zeitraum auch der Kraftfahrzeugbestand wienweit um 18 % - in einigen Bezirken sogar weit überdurchschnittlich - angewachsen ist." Das bedeute, dass ein sehr hoher Stellplatzbedarf in Zukunft abzudecken sein werde, selbst wenn es gelingt, die Fahrleistung im Autoverkehr zu reduzieren.

"Es ist daher eine Verkehrsvermeidungsstrategie dringend zu entwickeln, die von der Siedlungs- und Verkehrspolitik getragen ist und ohne kontraproduktive Zwangsmittel, wie dem Errichtungsverbot privater KFZ-Stellplätze außerhalb des Straßenraumes, zum Ziel führt. Effiziente Verkehrsvermeidung wird nur durch eine zielgerechte Siedlungspolitik und durch eine effiziente Angebotsplanung im öffentlichen Verkehr zu erreichen sein", betont ROTHAUER in diesem Zusammenhang und verlangt folgende Maßnahmen:

Forcierter U-Bahn-Ausbau

Die Wiener ÖVP verlangt daher die Beschleunigung der Vorbereitungen zur nächsten Ausbauetappe nach der Verlängerung der U 1 nach Norden und der Errichtung der U 2 - Nord und fordert eine neue U-Bahn-Linie U5 von Dornbach auf den Wienerberg. Gerade das Stadtentwicklungsgebiet "Vienna Business Park" am Wiener Berg ist jetzt bereits ein eklatantes Beispiel für eine hohe Nutzungsdichte ohne entsprechender Erschließung mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Lückenschluß mit Schnell-Straßenbahnen und -Bussen

Dort wo es die Stadtentwicklung noch zuläßt, soll ein effizienter Anschluß von Siedlungs- und Betriebsgebieten an das hochrangige U-und S-Bahnnetz durch beschleunigte Oberflächenverkehrsmittel vorrangig hergestellt werden.

Forciertes Garagenbauprogramm

Der KFZ-Bestand ist nicht nur in klassischen Neubaugebieten zum Teil enorm gestiegen (z.B. 22.Bezirk plus 45 % von 1990 bis 2000), sondern auch in den parkraumbewirtschafteten Innenbezirken, die nur von der Zunahme des Verkehrsaufkommens verschont geblieben sind. Das bedeutet aber, daß der Stellplatzbedarf enorm gestiegen ist und auf Dauer sicher nicht mehr auf Straßengrund unterzubringen sein wird.

Neuausrichtung der Siedlungs- und Zentrenpolitik

Wohnbau- und Betriebsgebiete müssen in Zukunft entweder konsequent an den Achsen des Öffentlichen Verkehrs angeordnet sein oder die fehlende Verkehrsinfrastruktur muß zeitgleich errichtet werden. Ein wirkungsvolles Zentrenkonzept soll den Wildwuchs von Einkaufszentren an neuen Hochleistungsstraßen und in Verbindung mit peripheren Park & Ride - Anlagen in Bahnen lenken.

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