Der Patient ist Kunde der sozialen Krankenversicherung

Hauptverbands-Präsident Herwig Frad nennt Ziele des österreichischen Gesundheitswesens: Zugang für alle, in hoher Qualität und langfristig finanzierbar

Wien (OTS) - Um die Ausgabenentwicklung des Gesundheitswesens in
den Griff zu bekommen und die Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte, wie Auswirkungen der Bevölkerungsalterung, Entwicklung neuer Technologien und Therapien sowie größter Wohlstand und höherer Lebensstandard als gemeinsame Herausforderungen für die langfristige Finanzierbarkeit bewältigen zu können, muss die soziale Krankenversicherung Kosten sparen, die keinen Nutzen bringen. Dies erkärte der Präsident des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger, Herwig Frad, anlässlich eines Festvortrages bei der heute, Freitag, stattfindenen Generalversammlung der Pharmig, der Vereinigung pharmazeutischer Unternehmen in Österreich. Als Beispiele dafür nannte Frad überflüssige diagnostische und therapeutische Leistungen sowie die Veränderung von Transaktionskosten an den Sektorengrenzen wie etwa Doppeluntersuchungen.

Im vergangenen Jahr verzeichnete die soziale Krankenversicherung einen Abgang von rund 149 Mio. Euro. Die größten Ausgaben entfielen dabei auf Spitäler (28 %), Ärzte (25 %) und Medikamente (20 %). Bei allen noch zu treffenden Konsolidierungsbemühungen nannte der Hauptverbandespräsident aber drei Ziele, die im Sinne der Patienten unbedingt beachtet werden müssten:

- Jede Person muss unabhängig von der sozialen Stellung das fundamentale Recht der Zugänglichkeit zu Leistungen der sozialen Krankenversicherung haben.

- Die Qualität der Gesundheitsleistungen ist ein essentielles und wichtiges Ziel.

- Die Erhaltung und Erbringung einer hohen Qualität muss analog dem wissenschaftlichen und technischen Fortschritt finanzierbar sein.

Im Mittelpunkt dieser Ziele stehe, so Frad in seinen Ausführungen, der Patient als Kunde. Die Sozialversicherung sei derzeit sehr bemüht, die Kundenzufriedenheit zu optimieren, indem sie eine ganzheitliche, kundenorientierte Arbeitsorganisation in den einzelnen Instituten implementiere, welche die Wege und die Erledigungsdauer von Kundenanliegen deutlich reduzieren helfe.

Im übrigen seien, so Frad, trotz der laufenden Diskussionen um die Finanzierbarkeit der sozialen Krankenversicherung die ÖsterreicherInnen mit der Qualität der medizinischen Versorgung offenbar äußerst zufrieden: Laut Eurostatistik sind 34,8 % der ÖsterreicherInnen mit der medizinischen Versorgung in Österreich sehr zufrieden und 35,8 % zufrieden. Österreich liegt damit unter den 15 EU-Staaten hinter Finnland an der ausgezeichneten zweiten Position.

1999 lagen die Gesundheitsausgaben bei 22 Mrd. Euro, 79 % Prozent entfallen davon auf öffentliche und 21 % auf private Financiers. Von den öffentlichen Gesundheitsausgaben wiederum zahlen 42 % die Sozialversicherungsträger, den Rest u.a. Länder, Gemeinden und der Bund.

Zu den Medikamentenkosten führte der Hauptverbandspräsident aus, dass der Anteil der öffentlichen Finanzierung an den gesamten Arzneimittelausgaben 1999 in Österreich 65 % betrug. Damit liegt Österreich im Mittelfeld aller 15 EU-Staaten. Anders verhält es sich mit den Verordnungen pro Einwohner zu Lasten der öffentlichen Hand. Die durchschnittliche Anzahl der Verordnungen betrug 12,5 pro Einwohner im Jahr 1999. In Luxemburg lag die durchschnittliche Anzahl der Verordnungen im Vergleichsjahr bei 5.

Zur Senkung der Medikamentenkosten schlägt der Hauptverbandpräsident den verstärkten Einsatz von Generika sowie die Einführung eines "grünen Rezeptes" vor. Weiters sollte auch in Österreich die Einführung der Aut idem-Regelung, d.h., der Arzt bestimmt den Wirkstoff, der Apotheker sucht dazu ein möglichst kostengünstiges Medikament, diskutiert werden.

Rückfragen & Kontakt:

Hauptverband der Sozialversicherungsträger,
Pressestelle,
Tel.Nr.: 71132/1120
Fax: 71132/3785
dieter.holzweber@hvb.sozvers.at
http://www.sozvers.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NHS/NHS/OTS