IV: Trendwende bei Industriekonjunktur

IV-Konjunkturbarometer klettert auf 11,4 Prozent - IV-Chefökonom Fürst: "Konjunkturfrühling kommt, aber mit Verzögerung" -Perspektiven für industriellen Arbeitsmarkt merklich verbessert -Erhebliche Differenzierung nach Branchen - Kurs der Österreich AG-Aktie gestiegen

Wien (PdI) Die jüngste Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung für das 1. Quartal 2002, an der sich 496 Unternehmen mit 213.182 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beteiligt haben, weist ein Anspringen der Industriekonjunktur aus. "Die Ergebnisse bestätigen die grundsätzliche positive Einschätzung zur Jahreswende. Die Trendwende ist offenkundig geworden, alle Indikatoren haben sich gegenüber Dezember verbessert. Bildhaft gesprochen: Der Konjunkturfrühling kommt, allerdings etwas verzögert", erklärte Dr. Erhard Fürst, Bereichsleiter Industriepolitik und Ökonomie der Industriellenvereinigung.

Die Konjunkturumfrage gibt den Unternehmen drei Antwortmöglichkeiten:
gut, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, und dann wird der konjunkturreagible "Saldo" aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten (unter Vernachlässigung der neutralen) gebildet.

Bei der Frage nach der derzeitigen Geschäftslage hat sich der Saldo von -4 auf 0 geringfügig verbessert. Rund 20 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre Geschäftslage derzeit als gut und ebenso viele als schlecht, der Rest als neutral. Auf die Frage nach der Geschäftslage in 6 Monaten ergab sich gegenüber dem Vorquartal eine massive Verbesserung. Der Saldo drehte sich von -12 auf 24 Prozent. Signifikant verbessert hat sich die Einschätzung der Geschäftslage für das kommende Halbjahr: Hatten zu Jahreswende noch 30 % der antwortenden Unternehmen mit einer ungünstigen Geschäftslage in 6 Monaten gerechnet, sind es nunmehr nur noch 11 %. Der Anteil der antwortenden Unternehmen, die eine günstige Geschäftslage vorhersehen, hat sich von 18 auf 35 % verdoppelt. Die unterschiedliche Beurteilung der gegenwärtigen Geschäftslage und der in 6 Monaten erwarteten deutet darauf hin, dass der Optimismus in der Wirtschaft zwar groß ist, er allerdings von den aktuellen Daten, insbesondere was die Erträge betrifft, noch wenig gestützt wird.

Das sogenannte IV-Konjunkturbarometer, das als Mittelwert aus dem Saldo der Antworten "gegenwärtige Geschäftslage" und "Geschäftslage in 6 Monaten" errechnet wird, ist dementsprechend ebenfalls deutlich ins Positive gerutscht, und zwar von -7,8 auf 11,4.

Relativ kleine Saldenverbesserungen gab es auch bei der Frage nach dem derzeitigen Auftragsbestand bzw. den Auslandsaufträgen. Beim Auftragsbestand verminderte sich der Saldo von -4 auf 0. Jeweils 24 % bezeichnen ihren Gesamtauftragsbestand als gut bzw. als zu niedrig. Bei den Auslandsaufträgen ist die Verbesserung (von -7 auf 2) etwas ausgeprägter. Österreich wird ohne Zweifel durch die relative Schwäche Deutschlands, seines größten Handelspartners, negativ betroffen.

Steigender Optimismus bei den Unternehmen

Die Auslastung der Produktionskapazitäten der österreichischen Industrie dürfte im 1. Quartal zugenommen haben. Hatten um die Jahreswende noch 28 % der Unternehmen eine fallende Auslastung konstatiert, waren es zuletzt nur mehr 23 %. Was die weitere Entwicklung der Kapazitätsauslastung betrifft, ist es zu einer markant besseren Einschätzung gekommen: der Saldo bei der Frage nach der erwarteten Auslastung der Produktionskapazität in den nächsten drei Monaten ist von -10 auf 22 gestiegen, nur mehr 8 % rechnen mit fallender Kapazitätsauslastung gegenüber 30 %, die eine steigende vorher sagen.

Dementsprechend haben sich auch die Produktionserwartungen für die nächsten drei Monate deutlich verbessert. Der negative Saldo von -9 hat sich in einen positiven von +26 gedreht, gut ein Drittel der Unternehmen rechnen mit steigender Produktionstätigkeit, nur mehr 7 % mit einer rückläufigen. "Wenn diese Trendumkehr auch durch Saisoneinflüsse überzeichnet sein mag, ist an der grundsätzlich positiven Tendenz nicht zu rütteln, da der jüngste Saldowert auch im Vorjahresvergleich leicht zugelegt hat", so Fürst.

Positive Auswirkungen auf Industriebeschäftigung

Parallel zu den günstigen Produktionserwartungen haben sich auch die Perspektiven für den industriellen Arbeitsmarkt verbessert. Zwar liegt der Saldo mit -2 noch immer leicht im Minus, doch stellt dieser Wert gegenüber -25 vom Dezember ebenfalls eine sprunghafte Verbesserung dar. "Sprachen bei der vorletzten Konjunkturumfrage noch gut ein Drittel der Unternehmen von fallender Beschäftigung in den nächsten drei Monaten, ist dieser Prozentsatz inzwischen auf ein Fünftel geschrumpft", betonte IV-Bereichsleiter Fürst. Bei der Frage nach den Erwartungen hinsichtlich der zukünftigen Verkaufspreise ergab sich weiterhin ein deutlich negatives, wenngleich gegenüber dem Vorquartal etwas verbessertes Ergebnis. Der Minussaldo ist von -20 auf -12 zurückgegangen. Es sind nur 6 % der antwortenden Unternehmen, die in den nächsten Monaten mit steigenden Verkaufspreisen rechnen.

Seit einiger Zeit ersucht die Industriellenvereinigung die Unternehmen auch um Ihre Einschätzung bezüglich der derzeitigen und zukünftigen Ertragssituation. In diesem Bereich hat sich gegenüber dem 4. Quartal 2001 noch eine deutliche Verschlechterung des Saldos von -13 auf -41 ergeben. 44 % der Unternehmen geben gegenwärtig eine schlechte Ertragssituation an, nur 3 % eine gute. Aber auch hinsichtlich der weiteren Ertragsentwicklung besteht erheblicher Optimismus. Bei der Frage nach der erwarteten Ertragssituation in 6 Monaten drehte sich der Saldo von -7 kräftig auf 33, statt zuletzt nur 18 % sehen inzwischen 62 % eine Verbesserung ihrer Ertragssituation in den nächsten Monaten.

Branchenergebnisse

Gemessen am Saldo der Antworten zur Frage nach der Beurteilung des Gesamtauftragsbestandes zeigt die jüngste Konjunkturumfrage eine erhebliche Differenzierung nach Branchen. Die fünf Branchen mit der negativsten Auftragslage sind demnach die Gießereiindustrie, Bergwerke- und Eisenerzeugung, Lederverarbeitung, Stein- und Keramik sowie Elektro. Während sich die Auftragssituation in der Eisenerzeugung gegenüber der vorletzten Umfrage gebessert hat, kam es im Gießereibereich zu einer massiven Verschlechterung, der Saldo drehte sich von 20 auf -67. Die fünf Branchen mit der positivsten Beurteilung waren die Fahrzeugindustrie (Saldo 37), Säge (35), Papier- und Pappeverarbeitung (27), Nahrungs- und Genussmittel (26) sowie Maschinen- und Stahlbau (15).

In vier Branchen kam es zu einer merklichen Verschlechterung der Beurteilung des Auftragsbestands gegenüber dem vorangegangenem Quartal, nämlich bei Stein- und Keramik, Textil, Chemie und Papier-und Pappeverarbeitung. Dem stehen ausgeprägte Verbesserungen in der schon erwähnten Eisenerzeugung gegenüber sowie bei Papier, im Bau und im Maschinen- und Stahlbau.

Aktie der Österreich AG um 8 % gestiegen

Nach den Kursrückgängen der Österreich-Aktie im Jahr 2001 auf 94 Euro gab es im 1. Quartal 2002 eine deutliche Steigerung um 8 % auf 102 Euro. Konjunktur und Standortbedingungen wurden von den Panelisten deutlich positiver beurteilt als noch vor 3 Monaten, die politische Situation dagegen wird unverändert negativ eingeschätzt.

Bei der Beurteilung der Standortbedingungen für unternehmerische Tätigkeit ergibt sich in Summe ein leichtes Plus, d.h. eine Verbesserung. Positiver werden die Bereiche Bildung, F & E-Politik, Kapitalmarkt und Entbürokratisierung gesehen.

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