DER STANDARD-Bericht: "Wenig Gegenliebe für Haider: Nur 15 Prozent trauen ihm zu, Kanzler zu werden - er ist bereit" -

Erscheinungstag 26.4.2002

Wien (OTS) - In seinem wohlinszenierten Auftritt im arabischen Fernsehsender "Al Jazeera" hat Jörg Haider vor 70 Millionen Zusehern bekundet, er sei bereit, Bundeskanzler zu werden, "wenn die Bevölkerung und meine Partei es wollen". Eine aktuelle market-Umfrage zeigt jedoch, dass sich der Wunsch der Bevölkerung nach einem Kanzler Haider in engen Grenzen hält; aus der FPÖ kommen dagegen zustimmende Signale.

Der Standard hat in der Vorwoche die Kanzleroptionen der freiheitlichen Partei abtesten lassen - wobei sich bei zwei Kandidaten hohe Erwartungshaltungen zeigen und bei zwei geringe. Laut market können sich 43 beziehungsweise 42 Prozent der Österreicher vorstellen, dass Finanzminister Karl-Heinz Grasser oder Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer Bundeskanzler werden. Jörg Haider und Verteidigungsminister Herbert Scheibner trauen das jeweils nur 15 Prozent zu.

In der freiheitlichen Gefolgschaft sind die Werte durchwegs höher - hier hat Riess- Passer das höchste Vertrauen, Jörg Haider kann sich etwa jeder zweite Freiheitliche als Kanzler vorstellen. Der stellvertretende Bundesparteiobmann Hubert Gorbach sagte am Donnerstag, er könne sich "gut vorstellen", dass Haider Spitzenkandidat bei der Nationalratswahl würde - ebenso gut denkbar wäre aber auch, dass Haider Riess-Passer unterstützt. Die Frage werde "ohne Eile" in den Gremien beraten.

Für die SPÖ ist die Diskussion ein gefundenes Fressen: Die sozialdemokratischen Chemiegewerkschafter sehen den Wahlkampf durch den "Kärntner Le Pen" eröffnet - obwohl sich Haider in dem Interview klar vom französischen Rechtsextremisten distanziert hatte. SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Andrea Kuntzl sagte, dass die "politischen Schleiertänze von Vizekanzlerin Riess-Passer" ihr Ende gefunden haben. Das "Ablaufdatum" dieser FPÖ- Regierungsmannschaft sei "deutlich sichtbar".

Rückfragen & Kontakt:

Der Standard
Tel.: (01) 531 70/428

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PST/PST/OTS