Qualität braucht Kontrolle von Angelika Kramer

WirtschaftsBlatt-Kommentar

Wien (OTS) - Aus der Sicht der Aktionäre, der Investoren, aber
auch der Unternehmen wäre durchaus zu begrüssen, dass der österreichische Kapitalmarkt nun über einen eigenen Corporate Governance Codex verfügt. Diese Wohlverhaltensregeln für Unternehmen sind nach Pleiten wie der Bank Burgenland, der General Partners oder der Libro AG zur Vertrauensbildung einfach notwendig geworden. Auch internationale Skandale à la Enron führen dazu, dass die Anleger immer vorsichtiger mit ihrem Geld umgehen. Sie dürsten nach mehr Transparenz einer besseren Einsichtmöglichkeit in die Vorgänge eines Unternehmens.

Der gestern vorgelegte Entwurf für einen Codex mit 111 verschiedenen Kriterien ist ein ambitionierter und notwendiger Schritt in die richtige Richtung. Allein um international mithalten zu können, war diese Massnahme wichtig.

Für die betroffenen Unternehmen ist nun schwarz auf weiss dokumentiert, wie sie sich ordnungsgemäss zu verhalten haben. Der Haken daran: Die Unternehmer können sich diesem Codex freiwillig unterwerfen. Nun ist es zwar richtig, dass die Investoren wie es auch der Kapitalmarktbeauftragte Richard Schenz sagt einen gewissen Druck auf die Unternehmen ausüben werden. Vor allem internationale Investoren werden verstärkt nach Verhaltensregeln verlangen. Wer also den Codex nicht befolgt und das auch seinen Anlegern und Investoren gegenüber zugibt, wird es in Zukunft schwer haben.

Nur, welcher Unternehmer wird schon so dreist sein und das ingestehen? Und eine Kontrollinstanz ist in diesem Entwurf bislang nicht vorgesehen. Gerade hier stimmt aber das Sprichwort: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Denn welcher Anleger, der all die erwähnten Finanzdesaster an den Börsen mitverfolgt hat, wird einem Unternehmer noch blind vertrauen? Will dieser Codex also nicht als zahnlos in die Geschichte eingehen, muss eine unabhängige Kommission her, die die Einhaltung der Regeln auch regelmässig überwacht. Dazu bedarf es keiner neuen Behörde, die Ressourcen sind vorhanden.

Kann sich der Arbeitskreis, der diesen Entwurf in den nächsten Wochen ausfeilt, nicht auf eine Qualitätskontrolle einigen, war auch die gut gemeinte Arbeit der letzten Monate umsonst. Schliesslich hat man auch aus dem BSE-Skandal Lehren gezogen und lässt das Rindfleisch von unabhängigen Stellen prüfen das sollte auch am Kapitalmarkt möglich sein. (Schluss) akr

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