Zeichen setzen - für die Kinder von Tschernobyl

Wien (OTS) - Umweltdachverband startet gemeinsam mit Zivilschutzverband und Österreichischem Jugendrotkreuz humanitäre Hilfsaktion sowie Informationskampagne und fordert verschärfte Atomhaftungsbestimmungen

Am 26. April 2002 jährt sich der Super-GAU im Atomkraftwerk Tschernobyl zum 16. Mal. Noch immer leiden viele Kinder und Jugendliche besonders in Weißrussland, Russland und der Ukraine an den Spätfolgen. Aus diesem Grund starten Umweltdachverband, Zivilschutzverband und das Österreichische Jugendrotkreuz jetzt eine gemeinsame humanitäre Hilfsaktion, um die Not der Betroffenen zu lindern. Die Initiatoren der Aktion setzen dabei auch auf die Unterstützung der ÖsterreicherInnen. Das Motto lautet:

Zeichen setzen und helfen - durch den Kauf eines Kunstwerkes
Die Idee dazu stammt vom Künstler Alfred T. Moritz, der in fast einjähriger Arbeit mehr als 200 janusköpfige Schicksalsfiguren gestaltet hat. "Beim ersten Hinsehen sind es bunte Figuren, doch auf der Rückseite zeigen schwarze Totenbilder die grausame Wirklichkeit im Fall eines Unfalles in einem Atomkraftwerk", sagt Moritz, der seine Kunstwerke der Aktion kostenlos zur Verfügung stellt. Mit dem Verkaufs-Erlös - die Objekte sind um 100 Euro pro Stück zu erstehen -soll das Hilfsprogramm des Roten Kreuzes für die Opfer von Tschernobyl in Weißrussland, Russland und der Ukraine unterstützt werden. So sollen u. a. sechs mobile Untersuchungsteams ausgerüstet werden, die Bluttests durchführen und Vitamin-, Eisen und Jodtabletten im betroffenen Gebiet verteilen.

Zeichen setzen und informieren - durch Aufklärungsarbeit in den Schulen

Darüber hinaus hat eine engagierte Arbeitsgruppe in den letzten Monaten ein umfangreiches Informationspaket mit Unterrichtsmaterialien für LehrerInnen und SchülerInnen erarbeitet. Die Materialien beinhalten Informationen über die Katastrophe von Tschernobyl, Atomkraftwerke in Europa, Schutzmaßnahmen bei Störfällen, Alternativen in der Energieerzeugung u.v.m. Abrufbar sind diese Informationen im Internet unter
http://www.jugendrotkreuz.at/tschernobyl

Zeichen setzen - für europaweite Atomhaftungsbestimmungen

"Wir stehen mit aller Kraft hinter dieser Kampagne - sie ist ein wichtiger Schritt in eine sichere Zukunft", sagt Dr. Gerhard Heilingbrunner, Präsident des Umweltdachverbandes. Fest steht aber auch, dass es damit allein nicht getan ist. Auch die Politik muss endlich handeln: "Ich fordere die Bundesregierung auf, sich offensiv für eine europaweite Lösung in der Frage der Atomhaftung einzusetzen", appelliert Heilingbrunner, denn die derzeit geltenden Haftungsregelungen sind unzureichend und decken nur zu einem winzigen Bruchteil die Folgen für einen atomaren Zwischenfall ab".
Die Atomlobby macht gegen die Neuordnung der Atomhaftung bereits mobil, weil sie um die Wettbewerbsfähigkeit von Atomstrom bangt. Noch immer werden große Kostenanteile, die bei der Atomstromproduktion anfallen (Endlagerung von Atommüll, Stilllegung), auf die Allgemeinheit abgewälzt und ungeheure Summen an staatlichen Subventionen in die Atomindustrie (Atomforschung, steuerliche Begünstigungen, staatliche Garantien) gepumpt. Aber gerade die fehlende Kostenwahrheit bei der Gewinnung, dem Transport und der Verwendung von radioaktiven Energieträgern führt bis in die Gegenwart dazu, dass zukunftsweisende Innovationen auf dem Gebiet der erneuerbaren Energie jahrzehntelang gebremst wurden. "Die Subventionierung der Kernenergie muss ein für allemal abgestellt werden. Atomstrom ist nicht 'billig', wie uns die Atomlobby und ihre politischen Repräsentanten immer wieder glauben machen wollen. Die Internalisierung der anfallenden externen Kosten und die Einführung einer europaweiten Atomhaftungsregelung würde das endlich offenlegen und langfristig das 'Aus' für die Kernenergie in Europa bedeuten", sagt Heilingbrunner und fragt: "Welcher Kernkraftwerksbetreiber kann es sich leisten, die Folgen eines atomaren Zwischenfalls auf die Gesundheit und die Lebensgrundlagen des Menschen zu bezahlen?"

Zeichen setzen - für erneuerbare Energieträger

Ein weiteres Faktum ist, dass Investitionsentscheidungen im Energiesektor in der Vergangenheit systematisch zugunsten des Betriebes von Atomkraftwerken gefällt wurden. "Mit dem Ergebnis, dass volkswirtschaftliche Interessen auf der Strecke blieben", so Heilingbrunner. Im Zusammenhang mit der Liberalisierung der Energiemärkte sind auf europäischer Ebene endlich Bestrebungen in Gang gekommen, erneuerbare Energieträger substantiell zu fördern. Gerade hinsichtlich der Ausrichtung zukünftiger Investitionsentscheidungen ist es daher von besonderer Bedeutung, dass die staatliche Subventionierung von AKWs beendet wird und ein klares Zeichen in Richtung nachhaltige Energieträger wie Wind, Sonne, Biomasse und Wasserkraft gesetzt wird.

Der Umweltdachverband fordert daher auch die Parlamentsparteien auf, ein Zeichen zu setzen und auf europäischer Ebene mit einer Stimme

  • für eine EU-weite Verschärfung der Atomhaftungsbestimmungen und
  • gegen die staatliche Subventionierung von Atomkraftwerken aufzutreten.

Auf nationaler Ebene appelliert der Umweltdachverband an die Bundesregierung, sich klar für den Erhalt der heimischen Wasserkraft auszusprechen. "Österreich wird als Befürworter eines atomstromfreien Europas unglaubwürdig, wenn es zulässt, dass substantielle Anteile an heimischer Wasserkraft als grünes Deckmäntelchen an einen deutschen Atomriesen gelangen. Noch dazu, wenn damit die Abhängigkeit von Atomstromimporten drastisch erhöht wird. Nur eine österreichische Stromlösung ohne E.ON kann die heimische Wasserkraft auch in Zukunft für die nachhaltige Entwicklung Österreichs sichern", ist Dr. Gerhard Heilingbrunner überzeugt.

Siehe dazu auch:
http://www.umweltdachverband.at/schwerpunkte/oejrk/index.htm

Rückfragen & Kontakt:

Umweltdachverband
Dr. Sylvia Steinbauer, Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 40 113/21
sylvia.steinbauer@umweltdachverband.at

Alfred Moritz, Projektleiter
Tel.: 40 113/32
alfred.moritz@umweltdachverband.at
Homepage: http://www.umweltdachverband.at

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