ÄKVÖ/ÖAMTC-Symposium "Junge Kraftfahrer - junge Wilde?": Das Risikopotenzial jugendlicher Lenker

Experten erwarten 20 Prozent Unfallminus durch Mehrphasenausbildung

Wien (ÖAMTC-Presse) - Obwohl der Anteil der 15- bis 24-Jährigen an der Gesamtbevölkerung nur zwölf Prozent ausmacht, stammt rund ein Viertel aller Verkehrstoten und über ein Drittel der Verletzten aus dieser Altersgruppe. "Wer am Beginn seiner Mobilitätskarriere steht, macht häufig Fehler. In dieser Altersgruppe kommt als Gefahrenquelle noch jugendliche Unvernunft dazu", stellte ÖAMTC-Rechtsexpertin Ursula Zelenka heute, Donnerstag, im Rahmen eines gemeinsamen Symposiums von ÄKVÖ, Ärztliche Kraftfahrvereinigung Österreichs, und ÖAMTC fest. Im Blickpunkt der Veranstaltung: Das Risikopotenzial junger Kraftfahrer.

Verkehrspsychologen, Juristen, Mediziner, Vertreter von Exekutive und Fahrschulen, Marktforscher und Fahrsicherheitstrainer diskutierten Lösungsansätze, um die Unfallzahlen in der Zielgruppe der jungen Lenker nachhaltig und signifikant zu reduzieren.

Im Jahr 2001 verunglückten 17.620 junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren auf der Straße, 220 davon tödlich. Jeder dritte getötete Jugendliche in Österreich hat sein Leben im Straßenverkehr gelassen. Im EU-Vergleich liegt Österreich mit 30 getöteten Jugendlichen pro Million Einwohner im Mittelfeld. Die beste Unfallbilanz in dieser Zielgruppe mit jeweils 13 tödlich Verunglückten gibt es in Finnland und Schweden. Schlusslicht bildet Portugal mit 41 Toten pro Million Einwohner.

"Mangelndes Können einerseits, mangelndes Wollen andererseits", sind für Gregor Bartl vom KfV, Kuratorium für Verkehrssicherheit, die Hauptgründe für die überproportional hohe Unfallbeteiligung junger Lenker. Mangelndes Können spielt im Bereich der Gefahrenfrüherkennung, im Sinne von vorausschauend und vorausdenkend Fahren eine bedeutende Rolle. Mangelndes Wollen, im Sinne von mangelnder Bereitschaft zur Verkehrsanpassung, ist ein Resultat jugendtypischer Persönlichkeitseigenschaften.

"In vielen Lebensbereichen wird suggeriert, dass Risiko etwas Notwendiges, ja geradezu Erstrebenswertes ist", so Marktforscherin Susanne Wolf-Eberl vom Fessel-GfK Institut. Was im täglichen Leben Erfolg verspricht, kann im Straßenverkehr tödlich enden. Risiko ist demnach zugleich positiv und negativ besetzt, die Grenze verschwimmt zunehmend. Gerade für die risikoaffine Gruppe der 16- bis 24-Jährigen ist es schwierig, diese Grenze zu erfassen.

Seitens der Gesetzgebung wird versucht, die Unvernunft und das Risikoverhalten junger Kraftfahrer durch Ziehung von Altersgrenzen, Leistungsbeschränkungen, Ausbildungsverbesserung sowie durch Gebote, Verbote und Sanktionen auszugleichen. "Was die Sanktionen betrifft", sagte Juristin Zelenka, "sollten künftige Entwicklungen im Verkehrsstrafrecht in Richtung bedingter Führerscheinentzug gehen und der Bewährung gegenüber der bloßen Strafe der Vorzug gegeben werden".

In Sachen Fahrausbildung wurde bislang primär auf Wissensvermittlung gesetzt. Die Gefahrenlehre kam zu kurz. An diesem Punkt setzt das ÖAMTC-Fahrsicherheitstraining an, das im vergangenen Jahr auch zirka 10.000 Probeführerscheinbesitzer absolviert haben. "Nur mit Einführung der Mehrphasenausbildung ist es möglich, allen jungen Autofahrern diese wichtigen, oft lebensrettenden Erkenntnisse beizubringen", betonte Gerhard Blümel, Leiter des ÖAMTC-Fahrsicherheitszentrums Teesdorf.

Die Mehrphasenausbildung ist ein aufeinander abgestimmtes Maßnahmenbündel, basierend auf fünf Eckpfeilern: Fahrschulausbildung, Führerscheinprüfung, Feedbackfahrt im Straßenverkehr, Fahrsicherheitstraining und psychologische Fahrerfortbildung. Vorbild für das österreichische Modell ist die finnische Mehrphasenausbildung, wo ein 25-prozentiger Unfallrückgang bei männlichen, ein 16-prozentiges Minus bei weiblichen Fahranfängern im Alter von 18 bis 20 Jahren verzeichnet werden konnte. Heute darf sich Finnland über die europaweit beste Unfallbilanz bei jungen Kraftfahrern freuen. Detail am Rande: Eine etwa 20-prozentige Unfallreduktion würde neben dem verminderten menschlichen Leid auch eine volkswirtschaftliche Kostenersparnis von jährlich 27 Millionen Euro bedeuten.

Der ÖAMTC erwartet, dass die Mehrphasenausbildung noch vor dem Sommer im Parlament beschlossen wird, damit das Gesetz tatsächlich am 1.1.2003 in Kraft treten kann.

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