Oberösterreichische Nachrichten Kommentar "Auf Gehrer mit Gebrüll" von Karin Haas

Es hatte schon so ausgesehen, als ob sie scheintot wären. Neues Uni-Dienstrecht? Ein paar wütende Proteste, dann Resignation. Studiengebühren? Ein paar matte Proteste der Studentenvertretung. Professoren auf Zeit? Ein paar schüchterne Einwände, dass dies vielleicht nicht nur gut sei. Und nun das. Gestern, also fünf vor zwölf vor dem Beschluss der längst in der VP-FP-Regierung paktierten Uni-Reform von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer, schwingen sich Österreichs Unis zu einem Streiktag auf.
Bemerkenswert, dass alle Uni-Gruppierungen an einem Strang ziehen. Die Professoren wie deren Assistenten, das Uni-Verwaltungspersonal und die Studenten sowieso. Alle protestieren in zuletzt selten gesehener Einmütigkeit.
Dabei wären doch die Professoren die Gewinner der Reform. Sie würden durch das Wegradieren der vom Bund als störend bezeichneten Mitbestimmung (Stichwort nKommissionitis8) ja an Macht gewinnen. Sogar die Rektoren, künftig die mit bisher nie gekannter Machtfülle ausgestatteten üWunderwuzzisä (Copyright Rudolf Ardelt, Rektor der Kepler Uni Linz) sind gegen den Gesetzesentwurf zur Uni-Reform; im Fachjargon PUOG 2002G genannt (Universitäts-Organisations-Gesetz). Er bricht mit vielen Traditionen. Er schafft die Mitbestimmung bis auf das Reservat des entmachteten Uni-Senates ab. Dieses bisherige Spitzengremium der Uni-Leitung wird mit der Beschäftigung mit Studienplänen ruhig gestellt. Etwas, dass kleinere, näher am Puls des Studierens angesiedelte Gremien viel besser könnten. Doch die Kritik am (komplizierten) Detail festmachen, hieße sich mit der Beschreibung von Grashalmen statt des Heuhaufens aufzuhalten. Die Uni-Reform soll den Unis aufgesetzt werden, egal, ob sie passt oder nicht.
Die Unis sollen (und werden) international konkurrenzfähiger werden, in KRankingsB aufholen und sie sollen auch unternehmerischer sowie selbstständiger ausgerichtet sein. Ob dies diese Uni-Reform im Endeffekt leisten wird, erscheint nach den gestrigen breiten Protesten, bei denen Tausende ihre Frust eskalieren ließen, mehr als fraglich.
Schließlich werden gut motivierte Mitarbeiter, dHumankapital0 auch der Unis, immer als entscheidender Erfolgsfaktor genannt. Eine Reform ja, aber mit den Betroffenen. Dass sich sogar die mehrheitlich konservativen Unis gegen die Reform einer VP-FP-konservativen Regierung auflehnen, sollte zu denken geben.

Die Unis, die gestern von Bündeln von Eigeninteressen der verschiedenen Gruppierungen zu einem bundesweiten Block wurden, sollten sich ihrer neuen Rolle bewusst sein. So geeint könnten sie als Lokomotive der Reform auftreten. Eine Reform, die sie zufrieden stellt und die die Unis leistungsfähiger unternehmerischer und unabhängiger macht, wie ja alle sagen, es zu wollen. Ob sich das noch bis Sommer ausgeht, steht indes auf einem anderen Blatt. Ein Jahr später aber müsste es machbar sein. Länger dürfen sich die Unis, sollten sie glaubwürdig bleiben, nicht Zeit lassen und auch nicht wieder in Lethargie sinken oder in Einzelinteressen zerfallen.

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