ÖAMTC veranstaltet heute mit Schwesterclubs ADAC und TCS Symposium zum Thema "Fahrzeugbrand" in Bregenz

Expertendiskussion über Ursachen und Folgen von Fahrzeugbränden - Clubs präsentieren Forderungen zur Brandvermeidung und -bekämpfung

Wien (ÖAMTC-Presse) - Rein statistisch betrachtet, brennen jährlich auf den Straßen Österreichs und der Schweiz jeweils 3.000 und Deutschlands 40.000 Fahrzeuge, das heißt täglich nicht weniger als 125 Fahrzeuge, rund drei Viertel davon sind Pkw. Jährlich sind in diesen drei Ländern im Zusammenhang mit Fahrzeugbränden rund 100 Tote zu beklagen. Abgesehen von den menschlichen Tragödien, die mit solchen Unfällen verbunden sind, verursachen Fahrzeugbrände, wie die spektakulären Beispiele im Montblanc-, Gotthard- und Tauerntunnel zeigen, Unfallfolgekosten in Milliarden-Euro-Dimensionen. "Wenn man sich die Fortschritte der gesamten Verkehrssicherheitsarbeit in den vergangenen zehn Jahren anschaut, müsste es möglich sein, die Unfälle mit Fahrzeugbrand auf ein Drittel zu reduzieren", umreißt ÖAMTC-Präsident Werner Kraus ein Zukunftsszenario.

Gründe genug für die Automobilclubs ÖAMTC, ADAC (Deutschland) und TCS (Schweiz) das oft unterschätzte Thema "Fahrzeugbrand" in den Mittelpunkt eines, heute Mittwoch stattfindenden, internationalen Symposiums im Bregenzer Festspielhaus zu stellen. In acht Fachreferaten und einer praktischen Vorführung eines Fahrzeugbrandes geht es den Veranstaltern darum, die Ursachen, Erscheinungsformen und Folgen von Fahrzeugbränden aus unterschiedlichsten Perspektiven zu beleuchten, um auf dieser Grundlage wirksame Gegenstrategien zur Vermeidung und Bekämpfung von Fahrzeugbränden zu entwickeln. Der Bogen der Beiträge spannt sich von der Klärung der Ursachen für Fahrzeugbrände über technische Möglichkeiten der Brandvermeidung und richtiges Verhalten bei Fahrzeugbränden bis hin zur Thematik Versicherungsbetrug und überzogene mediale Darstellung, wenn es um brennende und explodierende Fahrzeuge geht.

Unfallforscher sehen die Hauptursachen für Fahrzeugbrände in technischen Defekten ohne Unfallenergie, gefolgt von Brandstiftung. Versicherungsexperten schätzen, dass ca. 20 Prozent der Brände gelegt sind, d.h. in die Rubrik "Versicherungsbetrug" einzuordnen sind. Die Hauptursache bei Unfällen mit Fahrzeugbrand sind heiße Teile im Motorraum, Funkenbildung durch Reibung von Fahrzeugteilen und zunehmend elektrischer Kurzschluss. Mit dem Mythos, dass ein Fahrzeug z.B. nach einem Unfall zuerst in Flammen steht, um danach zu explodieren, räumen die Experten auf, benötigt doch ein im Motorraum entstandener Brand in der Realität rund zehn Minuten bis er den Fahrgastraum erreicht hat. Im Fall der Fälle bleibt also oft genügend Zeit für Helfer oder Retter, verletzte Personen zu bergen bzw. in Sicherheit zu bringen.

Was seitens der Fachwelt generell beklagt wird, ist das Fehlen einer einheitlichen, nationalen oder gar länderübergreifenden Unfalldatenbank, die auch spezielle Aufschlüsse über Unfälle mit Fahrzeugbränden ermöglichen würde. Trotz des Fehlens solch gesicherter Daten steht aber fest, dass bezogen auf alle Verkehrsunfälle, der Anteil von Fahrzeug-Unfallfolgebränden in der Größenordnung von rund einem Prozent liegt. Betrachtet man aber lediglich Unfälle mit schweren Folgen, also z.B. mit getöteten Personen, dann steigt dieser Anteil auf rund 3,5 Prozent an. Ähnliches gilt auch für Unfälle mit Fahrzeugbränden in Tunnel - rein statistisch betrachtet relativ "seltene Ereignisse", die allerdings dann, wenn sie eintreten, überproportional schwere Unfallfolgen nach sich ziehen und nicht selten das Ausmaß echter Brandkatastrophen annehmen, wie etwa bei den Unfällen im Montblanc-, Gotthard- und Tauerntunnel.

Clubs präsentieren im Rahmen des Symposiums Forderungskatalog

Einigkeit unter den Clubs herrscht darüber, dass das Prinzip des Brandschutzes fortführend und umfassend in Fahrzeugkonstruktion und Fahrzeugbau integriert werden muss, also z.B. die Verhinderung von Kraftstoffaustritt bei Unfall, Abschirmung heißer Fahrzeugteile, Verhinderung von Kurzschluss, Einsatz von selbstverlöschenden Kunststoffen und brandhemmenden Isolationsmaterialien. Erkenntnisse aus Unfallforschung und Crashtests müssen berücksichtigt werden. Aus diesem grundsätzlichen Vorschlag lassen sich folgende konkrete Forderungen bzw. Empfehlungen ableiten, die sich an Automobilhersteller, Gesetzgeber und Exekutive richten:

* Freiwillige Verpflichtung der Automobilhersteller, Systeme zur automatischen Unterbrechung der Stromzufuhr im Crashfall besonders für nicht abgesicherte Leitungen (Anlasser/Generator) einzusetzen. Für zukünftige Modelle mit 42-Volt-Bordnetz ist eine entsprechende gesetzliche Verpflichtung gefordert.

* Gesetzliche Verpflichtung auf EU-Ebene zur Ausstattung von Gefahrguttransportern mit automatischen Reifenluftdruck-/Temperaturwächtern. Nutzfahrzeuge über 3,5 t sollten mit entsprechenden Systemen auf Basis einer freiwilligen Vereinbarung der Fahrzeughersteller ausgestattet werden.

* Empfohlen wird eine einheitliche Kennzeichnung der Einbaulage der Fahrzeugbatterie für Rettungskräfte (z.B. Piktogramm an Heckscheibe).

* Empfohlen wird die Ausrüstung der Nutzfahrzeuge über 7,5 t mit Feuerlöscher (über 5 kg-Löscher) zur effektiven Brandbekämpfung im Ernstfall.

* Empfohlen wird das Thema "Richtiges Verhalten bei Brandunfällen" (Rettung, Bergung, Brandbekämpfung) EU-weit in die Ausbildung aller Führerscheinklassen einzubeziehen, um die Bereitschaft und Kompetenz aller Verkehrsteilnehmer zur aktiven Hilfe bei Fahrzeugbränden zu steigern.

* Die Clubs schlagen vor, Unfälle im Zusammenhang mit Fahrzeugbränden in den entsprechenden Polizei-Unfallprotokollen EU-weit einheitlich zu vermerken, um auf einer gesicherten statistischen Basis die Unfallursachenforschung gezielter vorantreiben zu können.

"Setzt man die Forderungen der Clubs auf nationaler und EU-Ebene um, könnte man über 90 Prozent der Fahrzeugbrände vermeiden bzw. ihre Folgen minimieren", hält ÖAMTC-Präsident Kraus fest. Dieses Forderungspaket wird in Bregenz durch eine Reihe praktischer Tipps zum richtigen Verhalten bei Fahrzeugbränden ergänzt. Diese sind auf der Homepage des Clubs unter www.oeamtc.at/fahrzeugbrand abrufbar.

Aviso an die Redaktionen:

Sämtliche Tagungsunterlagen mit den Referaten, Fotos, Grafiken, Referenten und Lebensläufen der Referenten zum Symposium "Fahrzeugbrand" finden Sie auf der ÖAMTC-Homepage unter www.oeamtc.at/fahrzeugbrand. Zudem können unter www.oeamtc.at/presse Fotos zum Thema Fahrzeugbrand sowie Löschung und Bergung abgerufen werden.

(Schluss)
ÖAMTC-Pressestelle/Sabine Fichtinger

Rückfragen & Kontakt:

Tel.: (01) 711 99-1218

ÖAMTC Pressestelle

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OCP/OCP