"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Die Finger verbrannt" (Von Peter Nindler)

Ausgabe vom 24. 4. 2002

Innsbruck (OTS) - So weit hat es noch kommen müssen. Die geplante Müllverbrennung wird zum Objekt eines Tiroler Kuhhandels: Für Lifte am Pirchkogel würde sich die Gemeinde Silz als Standort für eine Verbrennungsanlage zur Verfügung stellen. Nach zwei Jahren Mülldebatte sind die Tiroler Landesregierung und Umweltlandesrätin Christa Gangl (SP) an einer zentralen Zukunftsfrage vorerst gescheitert.

Der Müllofen war von Anfang an umstritten, die Sinnhaftigkeit angesichts der geringen Müllmenge von jährlich rund 160.000 Tonnen ohnehin zweifelhaft. Dazu kam das Kasperltheater in der Landesregierung.

Nachdem die Wörgler Bürgerinitiative gegen die Verbrennungsanlage mobil gemacht hatte, brachte LH Wendelin Weingartner (VP) zuletzt selbst Alternativen und das Versprechen ins Spiel, nichts gegen den Willen der Bevölkerung zu unternehmen. Der scheidende SPÖ-Chef Herbert Prock wollte den Standort Wörgl sogar handstreichartig verordnen. Die Landesregierung wurde so zum Spielball der Müllofen-Gegner, in Wörgl hat sie sich endgültig die Finger verbrannt.
Mit der Luftgüte-Bilanz wollen Gangl und Co. jetzt lediglich Zeit schinden, sich sozusagen über ihre eigene Zeit retten. Die Ökobilanz scheint allerdings das Eingeständnis der eigenen Unfähigkeit zu sein - ein Armutszeugnis für die Regierung. "Daten, Zahlen und Fakten" (Gangl) machen bekanntlich nur im Vorfeld als Entscheidungs -und Überzeugungsgrundlage Sinn. Danach sind sie ein Stück ökologische Zeitgeschichte.

Wörgls Absage dürfte mit einer gewissen Zeitverzögerung das sichere Ende der Müllverbrennung in Tirol bedeuten. Nach dem Motto "Wer will mich?" wird man das drängende Müllproblem auf Dauer wohl nicht lösen können. Wenn im Export die Zukunft des heimischen Abfalls liegt, dann sollte das Land diese Alternative rasch prüfen. Mit der schiefen Müll-Abschiebeoptik kann Tirol sicher leichter leben als mit 160.000 Tonnen Altlasten pro Jahr.

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