DER STANDARD-Bericht: "Innsbrucker Uni-Ärzte wollen die Lizenz zum Experimentieren: Uni-Standorte sollen selbst über Medizin-Unis entscheiden" - Erscheinungstag 24.4.2002

Erscheinungstag 24.4.2002

Wien (OTS) - Eine Lizenz zum Experimentieren als Alternative zu aufgedrängten Medizin-Unis: Diese fordert der Vizedekan der Medizinischen Fakultät an der Uni Innsbruck, Hartmann Hinterhuber, im Standard-Gespräch. Er setzt die Hoffnungen seiner Kollegen zur Abwehr der in Innsbruck besonders ungeliebten eigenen Medizin-Unis, wie sie das neue Unigesetz vorsieht, auf eine so genannte "Experimentierklausel". Wenn Wien oder Graz eine eigene Medizin-Uni wollten, dann könnten sie das ja gerne haben, immerhin würde das neue Unigesetz den Unis Autonomie versprechen, argumentiert Hinterhuber.

Jede Uni solle demnach mit ihrer Medizinischen Fakultät abmachen, welches Arrangement sie möchte. "Das wäre aktiver Föderalismus. Einzelne Unis sollen ihre Zukunft autonom bestimmen können", fordert Psychiater Hinterhuber. Die Innsbrucker Uni-Ärzte wollen klar im Verbund mit ihrer Mutter-Uni bleiben. Aber, betont Hinterhuber: "Mit einem Paket an Sonderbestimmungen für die Mediziner", etwa allgemeine Budget- und Personalhoheit.

Schon der derzeitige Entwurf für das neue Unigesetz sehe eine Sonderregelung für die Zahnmedizin in Wien vor, "warum nicht auch eine für die Medizin in Innsbruck", fragt Hinterhuber.

Die Idee der "Experimentierklausel" werde im benachbarten Bayern bereits praktiziert, jetzt sollen, meint Hinterhuber, auch österreichische Unis die Möglichkeit bekommen, neue Modelle zu testen. Mit der Auflage, nach drei Jahren die universitären Versuchsanordnungen zu evaluieren und sie dann vielleicht an anderen Unis anzuwenden.

Grazer Zwickmühle

In Graz hielt das von den Rektoren und Medizin-Dekanen der Unis Wien, Graz und Innsbruck erarbeitete Modell für einen Verbleib der Mediziner in ihrem jeweiligen Univerband, nicht einmal einen halben Tag. Mittwoch letzter Woche, am Tag nach Vorliegen des Papiers der drei Unileitungen, beharrte das Grazer Fakultätskollegium nämlich mit Zweidrittelmehrheit auf eigenen Medizin-Unis.

Dekan Helmut Wurm, der den Gegenvorschlag mitunterzeichnete, begründet seine Zwischenposition damit, dass es sich eben um einen "Kompromissvorschlag" handle, "mit dem wir gerade noch leben könnten", auch wenn er "persönlich eher für Medizin- Unis" sei. Der Logik des vorliegenden Unigesetzes entsprechend "sind eigene Medizin-Unis folgerichtig, wenn man davon ausgeht, dass Mediziner Sonderbestimmungen brauchen". Und sie brauchten diese unbedingt.

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