DER STANDARD-Kommentar: "Gut und böse" (von Gerfried Sperl)

Erscheinungstag 24.4.2002

Wien (OTS) - Der amerikanische Präsident George Bush zeigt sich besorgt über das Abschneiden des rechtsradikalen Jean-Marie Le Pen in der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen. Tatsächlich ist Populismus von der Art des Front National in den USA etwas Seltenes. Und wenn Politiker glauben, sich eines rassistischen Verbalradikalismus oder anderer Extremismen bedienen zu müssen, sind sie schnell weg vom Fenster. Wie der Republikaner Newt Gingrich oder der republikanische Präsidentschaftskandidat Pat Buchanan, der in der jüngsten Ausgabe des Mölzer-Blattes Zur Zeit den "Tod des Westens" verkündet.

Mit seiner politischen Fundamental-Philosophie und seinen Einteilungen in Gut und Böse ist Bush selbst nicht weit weg von einem rechtsgerichteten Populismus, der für Grautöne oder gar Buntes wenig Platz lässt.

Dabei wird er von weit verbreitetem medialen Populismus kräftig unterstützt. Wenn man in den amerikanischen Radiokanälen die Sendungen der Prediger und politischen Talk-Stars hört, vermeint man ohnehin, sich bei Bossi oder Le Pen zu befinden. Und manchmal jenseits von Jörg Haider. Andererseits: Eine extremistische Partei ist in den USA noch nie über die Regierungsverantwortung in einem Bundesstaat hinausgekommen. Und die Bush-Partei sorgt selbst dafür, dass solche Trends immer wieder gestoppt werden.

Das aber ist das Einzige, was man Bush zugute halten kann. Seine Rhetorik, seine Weltensicht, sein autoritärer Umgang mit anderen Meinungen, seine Versuche, die Meinungsfreiheit einzuschränken, sind näher bei Le Pen als bei seinem internationalen Propagandisten Tony Blair. Weshalb über das Schwarz- weiß-Denken des amerikanischen Präsidenten öfter und intensiver zu diskutieren wäre, als ihm und seinen Anti-Terror-Fans lieb ist. Bush müsste über sich selbst besorgt sein.

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