Kommentar Wirtschaftsblatt: Zwei Lehren aus dem Fall Putzi - von Dr. Peter Muzik

Wien (OTS) - Die Nachricht kam überraschend: Vorgestern haben zwei Unternehmen, an denen der Kärntner Egon Putzi beteiligt ist, Konkursantrag gestellt. Das Image des Villacher Paradeunternehmers ist damit empfindlich angekratzt. Doch das sollten wir so cool sehen wie die Amerikaner, für die eine Pleite keineswegs die allergrösste Katastrophe im Leben ist und gesellschaftliche Ächtung bedeutet:
Putzi ist und bleibt ein cleverer, dynamischer und engagierter Unternehmer der Sonderklasse, einer jener Sorte, von denen Österreich leider viel zu wenige hat.

Putzi sind aber keine Frage einige Schnitzer passiert: Zum einen hat es ihm nicht genügt, sein Augenmerk auf die an der Zürcher Börse notierende Paradefirma SEZ zu konzentrieren. Er hat weitaus mehr Ziele auf einmal verfolgt: So wie ein Frank Stronach, der allerdings in einer anderen Liga spielt, wollte er z. B. Fussballvereine retten, ein riesiges Stadionprojekt durchboxen, und er wollte im glitzernden Entertainment-Business erstrahlen. Plötzlich hat er daher mit Mega-Beträgen zu jonglieren begonnen, was ihn vermutlich der Bodenhaftung sukzessive beraubt und seinen Realitätssinn geschwächt hat. Letztlich dürfte sich der Villacher Zampano total verzettelt sprich: den Überblick verloren haben. Das starke Ego musste dem ehrgeizigen Egon zum Verhängnis werden.

Putzis zweiter taktischer Fehler ist wahrscheinlich noch gravierender gewesen: Da er stets gerne im Blickfeld der Öffentlichkeit agiert hat, wagte er sich in den letzten beiden Jahren, notgedrungen und allzu vertrauensselig, auf ein ihm zuvor völlig unbekanntes Terrain vor: in die gefährliche Arena der Politik.

Als erfolgsorientierter Macher aus der Wirtschaft wurde er für die politischen Entscheidungsträger offenbar sehr rasch zum roten Tuch. Dabei war es sein Pech, dass er vom Goodwill der Apparatschiks von Jörg Haider abwärts abhängiger war, als ihm lieb sein konnte. Putzi hat in diesem schwer durchschaubaren Kräftespiel aus provinzieller Verhaberung, halbherzigen Versprechungen und eiskalten Rückziehern nie wirklich eine gute Figur gemacht, geschweige denn sich dabei wohl gefühlt. Er war den üblichen Politaktionen der professionellen Parteibonzen einfach nicht gewachsen. Jedenfalls hätte sich Putzi viele bittere Erfahrungen ersparen können, wenn er bloss ein erfolgreicher Zulieferer der Chipindustrie geblieben wäre...

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