24. April: Tag gegen den Lärm

Aufruf zu einer Minute Ruhe von 14.15 bis 14.16 Uhr

Wien, (OTS) Tagsüber Hits aus dem Walkman, Verkehrslärm auf der Straße, Jets in der Luft, surrende Computer, dröhnende Maschinen, abends fernsehen, Disco oder Kino: Unser Gehörsinn ist im Dauerstress. Deshalb ruft der Österreichische Arbeitsring für Lärmbekämpfung (ÖAL) gemeinsam mit der MA 22 - Umweltschutz zu einer "Minute der Ruhe" am 24. April 2002 auf, anlässlich des "Internationalen Tages gegen den Lärm". Zwischen 14.15 und 14.16 Uhr sollen möglichst viele WienerInnen sechzig Sekunden lang innehalten und diese Zeitspanne der Stille widmen.

Neben dem Aufruf zur Stille für eine Minute ist der Aktionstag der Auftakt für mehr Information über die Lärmproblematik. Kinder und SchülerInnen sind dabei eine wichtige Zielgruppe. Vom ÖAL entwickelte Lehrbehelfe werden in den Wiener Schulen eingesetzt. Bei der Wiener Umweltschutzabteilung können die Wiener Lärmfibel und andere Lärm-Broschüren gratis bestellt werden (Foldertelefon: 4000/88220). Lärminfos gibt es auch im Internet unter www.lois.wien.at/ , dem Lärm-Online-Informationssystem der MA 22.****

Die Lärmbelastung ist in der Stadt Wien seit Mitte der 80er-Jahre gesunken. Trotzdem leiden noch immer viele Menschen unter dem Lärm - nicht nur in Wien, sondern europaweit. In den dichtbebauten Gebieten der europäischen Städte liegt die Lärmbelastung häufig über den empfohlenen Grenz- und Richtwerten. Zwar wird man Lärm in der Stadt nie völlig vermeiden können, doch es gibt Mittel und Wege die Belastung zu lindern. Die Palette der Maßnahmen der Stadt Wien reicht dabei vom Lärmsanierungsprojekt "SYLVIE" über den Lärmschutz an Straßen und Schienenstrecken bis zu lärmarmen Fahrzeugen bei U-Bahn, Bus und Bim.

Aufruf für eine Minute der Ruhe

Der 24. April 2002 ist der "Internationale Tag gegen den Lärm". Die Minute zwischen 14.15 und 14.16 Uhr soll eine Minute der Ruhe werden. Karin Büchl-Krammerstätter, Leiterin der Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22): "Wir wollen die Bevölkerung dafür sensibilisieren, auf den Gehörsinn besser aufzupassen. Oft fällt es uns gar nicht mehr auf, wie laut es ist. So sehr haben wir uns an die tägliche Geräuschkulisse gewöhnt". Störende Geräusche - wenn auch nur für eine Minute lang - völlig auszuschalten ist oft gar nicht so einfach. Wolfgang Khutter, Vizepräsident des ÖAL rät, Geräte wie Radio, Fernseher, Telefon oder Kopierer abzudrehen oder sich ein ruhigeres Plätzchen zu Hause, im Büro, in einem großen Park oder vielleicht sogar in einer Kirche zu suchen. "Wem das gelingt, der kann so richtig Stille tanken. Dabei wird einem richtig bewusst, wie viele Geräusche unsere Ohren tagtäglich verarbeiten müssen und wie gut eine Hörpause tun kann".
Der "Tag gegen den Lärm" wird weltweit bereits zum siebenten Mal durchgeführt. 44 Länder nehmen heuer daran teil. Hauptinitiator ist die "League for the Hard of Hearing (Verband der Gehörgeschädigten) in New York. In Österreich initiiert der ÖAL zum zweiten Mal die Initiative und kooperiert dabei mit großen Städten wie Wien, Linz, Graz und Innsbruck. "Der ’Tag gegen den Lärm’ soll weltweit ein Zeichen gegen die permanente akustische Umweltverschmutzung setzen. Gleichzeitig wollen wir dazu ermuntern, gemeinsam gegen den Lärm etwas zu tun", erklärt Eleonore Witt-Dörring, die den Aktionstag für den ÖAL koordiniert.

Warum Lärm der Gesundheit schadet

Zu viel Lärm auf Dauer kann zu Schwerhörigkeit führen. Wissenschaftlich nachgewiesen ist auch, dass die Lärmbelastung verschiedene Erkrankungen im Gesamtorganismus begünstigt, weiß Hans-Peter Hutter, Vorstand der "Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt": "Lärmstress kann gemeinsam mit anderen Faktoren Herz-Kreislauferkrankungen oder psychovegetative Erschöpfungszustände (Depressionen, Schlafstörungen, Leistungsminderung) verursachen."

Lärm führt aber auch zu vielen sozialen Konflikten. Nachbarn streiten miteinander, Anrainer kämpfen gegen Lokale und Schanigärten. Vor allem bei den sozialen Konflikten zeigt sich ein besonderes Phänomen, das den Lärmschutz so schwierig macht. Als Faktor des Zusammenlebens in der Stadt ist jeder Bewohner sowohl Lärmverursacher als auch Lärmgeplagter. Dazu kommt noch, dass jeder Mensch Geräusche und Lärm anders empfindet. Was für das Ohr des einen eine Wohltat ist, kann jemand anderen bereits zum "Wahnsinn" treiben.

Kinder und Jugendliche sind vom Lärm besonders betroffen

Der Aktionstag ist gleichzeitig Startschuss für verstärkte Aktivitäten in den Schulen, um auf das Lärmproblem aufmerksam zu machen. Lernschwierigkeiten oder frühzeitige Schwerhörigkeit bei Kindern und Jugendlichen hängen häufig mit zu hoher Lärmbelastung zusammen. Vor allem, weil die Kids nicht nur den Lärm im alltäglichen Leben abbekommen, sondern sich freiwillig und gerne Freizeitaktivitäten mit hohen akustischen Belastungen widmen. Manche Spielzeughandys piepsen mit 130 Dezibel, das ist lauter als ein Düsenjet in 15 Meter Entfernung. Häufige Besuche in der Diskothek und das ständige Hören von Musik mit Kopfhörern kann das Gehör nicht nur kurzfristig, sondern sogar irreversibel schädigen. Um in den Schulen auf diese Probleme verstärkt aufmerksam zu machen, hat der ÖAL in Zusammenarbeit mit dem Unterrichtsministerium spezielle Lehrbehelfe gestaltet. Deutsch, Musik, Bildnerische Erziehung oder Physik, Lärm kann in vielen Gegenständen zum Thema werden. Die Projekte und Arbeiten der SchülerInnen - von der Zeichnung bis zum Aufsatz -können per e-mail ( ewd@utanet.at ) an den ÖAL geschickt werden, der sie auf seiner Homepage veröffentlicht.

Viele Maßnahmen lindern die Lärmbelastung

Zwar wird Lärm in unseren Städten niemals völlig verstummen. Doch es gibt Mittel und Wege, die Lärmbelastung für die Bevölkerung zu vermindern. In Wien gibt es erste Erfolge: Fühlten sich 1982 noch 73,8 Prozent der WienerInnen durch Lärm belästigt, so waren es 1996 nur mehr 56,5 Prozent. Weniger Lärm als 1982 verursachen der Individualverkehr (PKW minus 12 Prozent, Motorräder minus 14 Prozent) und Gewerbebetriebe (minus 1 Prozent.). Trotzdem klagen rund 44 Prozent der Wiener Bevölkerung über den Lärm. Störenfried Nummer 1 ist der Straßenverkehrslärm, gefolgt vom Schienenlärm, Baulärm, Lärm aus der Nachbarschaft, Fluglärm und vom Lärm aus Gewerbebetrieben.

Im Kampf gegen den Lärm ist die Palette der städtischen Maßnahmen sehr vielfältig. Lärmschutzwände und Lärmschutzwälle werden errichtet. Der Einbau von Schallschutzfenstern wird gefördert. Fußgängerzonen, Tempo-30-Zonen oder die Parkraumbewirtschaftung tragen wesentlich zur Verkehrsberuhigung bei und führen zwangsläufig auch zu weniger Lärm. Die öffentlichen Verkehrsmittel werden immer leiser, durch modernste Schallschutztechnik für Straßenbahn, Bus und U-Bahn. Seit heuer investieren Stadt Wien und Bund gemeinsam 3,6 Millionen Euro in Lärmschutzmaßnahmen entlang von Strecken der Österreichischen Bundesbahn. So wird nach Abschluss der Detailplanung und des eisenbahnbehördlichen Genehmigungsverfahren im Herbst 2002 mit dem Bau von Lärmschutzwänden im Bereich des Bahnhofes Leopoldau begonnen. Ab 2003 folgen Projekte an der Westbahn, Ostbahn und am Nordwestbahnhof.

Einen unkonventionellen, aber wirkungsvollen Weg hat die Wiener Umweltschutzabteilung mit dem Projekt SYLVIE eingeschlagen. Lärmverursacher und Lärmgestresste setzen sich an einen Tisch, reden miteinander und finden praktikable Lösungen. So am Siebensternplatz im 7. Bezirk. Dort raubte den Anrainern früher der Lärm aus vielen Lokalen den Schlaf. Heute gilt das Grätzel als Musterbeispiel für geglücktes Konfliktmanagement. Durch oft simple, aber wirksame Maßnahmen, wie mit Kunststoff überzogene Stahlseile zur Sicherung des Mobiliars in den Schanigärten oder Gummiräder für die Müllcontainer, ist die Zufriedenheit der Anrainer enorm gestiegen. Weitere SYLVIE Projekte laufen am Siebenbrunnenplatz im 5. Bezirk, einem Wohnblock am Gaudenzdorfer Gürtel (Körnerhof) und bei einem Postamt in Wien Meidling. (Schluss) gat

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