30 Tunnel aus elf Ländern im ÖAMTC-Test - Tunneltest 1

Noch viele Sicherheitsmängel bei Straßentunnel

Wien (OTS) - Trotz der verheerenden Unfälle im Tauerntunnel, im Montblanctunnel und im Gotthardtunnel sind viele Straßentunnel in Europa noch immer nicht sicher genug. Das alarmierende Ergebnis im aktuellen ÖAMTC-Test: Von den 30 geprüften Tunnel fielen acht durch. "Trotz erster positiver Ansätze gibt es noch viele Sicherheitsmängel bei Straßentunnel und der Problemfall 'Tunnel' ist noch lange nicht gelöst", so ÖAMTC-Testleiter Willy Matzke.

Mit dem vorliegenden Test der 30 Tunnel hat das europäische Testprogramm "EuroTest", an dem 14 europäische Automobilclubs aus 13 Ländern beteiligt sind, seit 1999 bereits 100 große Tunnel in Europa untersucht. Wie schon bisher wurden die Tests unter den Dachverbänden der Automobil- und Touringclubs FIA und AIT durchgeführt, erstmals gab es aber auch Unterstützung durch die Europäische Kommission in Brüssel und durch die FIA-Foundation in London. Bei diesem vierten Test in Folge seit 1999 arbeiteten auch wieder die Experten der Deutschen Montan Technologie in Essen mit. Vergleiche des Tunneltests 2002 mit den früheren sind deswegen nicht lückenlos möglich, weil sich teilweise Tunnelanlagen, aber auch die Verkehrsbelastungen verändert haben.

Und so wurde getestet: Ein unabhängiges Team von Experten hat eine Checkliste mit objektiven Bewertungskriterien entwickelt. Überprüft wurden unter anderem das Tunnelsystem, die Verkehrsüberwachung und auch Fluchtmöglichkeiten sowie Brandschutzeinrichtungen. Die wichtigsten Kriterien sind: kein Gegenverkehr im Tunnel, ein durchgehender Seitenstreifen, Pannenbuchten (alle 500 Meter), ein durchgehender Gehweg, Umkehrmöglichkeiten und Notrufnischen. "Erfasst und bewertet wird aber auch das Risikopotential, das die Wahrscheinlichkeit eines Zwischenfalls und die damit verbundenen Folgen einschätzt", unterstreicht Matzke.

Für drei Tunnel gab es "sehr gut", aber acht fielen glatt durch

Von den insgesamt 30 getesteten Tunnel fielen acht Bauwerke glatt durch. Erfreulich dagegen, dass die Bestnote "sehr gut" drei Mal vergeben werden konnte. "Gut" gab es sechs Mal, das breite Mittelfeld bildeten 13 Tunnel mit der Note "ausreichend".

Punktgleiche Testsieger wurden der "Cointe", ein Stadttunnel im belgischen Lüttich, der erst im Jahr 2000 eröffnet wurde, und der Unglückstunnel "Montblanc" zwischen Italien und Frankreich, durch den nach einer mehr als 300 Millionen Euro teuren Sanierung erst seit März wieder Autos fahren dürfen.

Der zweite Unglückstunnel, der Gotthard in der Schweiz, bekam nur die Note "ausreichend", die sich jedoch in ein "gut" verwandeln kann, sobald alle laufenden Bauarbeiten abgeschlossen und die Funktionsfähigkeit der neuen Rauchabsauganlage durch Brandversuche nachgewiesen wird.

In Österreich gab es "gut" für den mit einem Fluchtstollen ausgestatteten Bosrucktunnel der Pyhrnautobahn und "ausreichend" für Katschberg- und Lainbergtunnel der Pyhrnautobahn.

Ganz am Ende als Testverlierer rangiert der Loibltunnel zwischen Österreich und Slowenien, ein einröhriger Tunnel mit Gegenverkehr aus dem Jahr 1966. Er hat zwar eigentlich ein niedriges Risiko, da er aber derzeit nicht mehr als ein "schwarzes Loch im Berg" ist, hat er die "rote Laterne" ausgefasst.

Die größten Mängel im Tunneltest

Acht Tunnel haben keine zusätzlichen Flucht- und Rettungswege, darunter Katschberg- und Loibltunnel. Nur in sechs Fällen fanden die Tester alternative Stollen vor, die im Notfall von Rettungsfahrzeugen befahren werden können. Teils sind die Abstände der Notausgänge zu groß und in einigen Tunnel sind die Notausgänge gar nicht oder viel zu schlecht gekennzeichnet.

Für den Brandfall gibt es in sechs Tunnel keine automatische Branderkennung und keine Wasserhydranten. Fünf Tunnel-Feuerwehren haben noch nie geübt oder tun dies nur sehr selten in großen Zeitabständen, wobei nur etwa die Hälfte aller Feuerwehren unter realen Bedingungen mit Rauch und Feuer trainiert haben. Im "Test-Schlusslicht" Loibltunnel gibt es übrigens gar keine Lüftung und bei elf Tunnel mussten die Tester feststellen, dass die Lüftungssysteme noch nie durch Brand- oder Rauchversuche überprüft wurden.

Probleme verursachen immer wieder der täglich Stau im Tunnel, fehlende Videoüberwachung, keine Regelung für Gefahrguttransporte, keine Pannenbuchten und Standstreifen. Keine Möglichkeit, über Verkehrsfunk Meldungen einzusprechen, keine Lautsprecher, Notrufeinrichtungen nicht gegen Lärm gekapselt. Und schließlich das klassische Langzeitproblem: 10 von 30 Tunnel im Test haben nur eine Röhre.

"Insgesamt am problematischsten in Europa scheint die Lage in Italien zu sein, wo die meisten Autotouristen aus ganz Europa hinfahren. Wie schon in früheren Jahren wurde dem Testteam auf breiter Front die Testerlaubnis verweigert", klagt Testexperte Matzke. Deshalb ist es für den ÖAMTC dringlicher denn je, endlich auf gesamteuropäischer Ebene für eine Harmonisierung der Sicherheitsstandards in Straßentunnel zu sorgen. Die EU-Kommission kündigte bereits an, die entsprechende Richtlinie noch in diesem Jahr zu erlassen.

Die detaillierten Ergebnisse des aktuellen ÖAMTC-Tunneltests findet man auch im Internet auf der Homepage des Clubs unter http://www.oeamtc.at.

Aviso an die Redaktionen:

Eine Grafikübersicht aller getesteten Tunnel und Fotos finden Sie im ÖAMTC-Fotoservice, das Sie ebenso wie die ÖAMTC-Presseaussendungen im Internet unter http://www.oeamtc.at/presse abrufen können.

(Fortsetzung)

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