Frauen fühlen eine starke Beziehung zu ihren inneren Organen

Gebärmutter und Eierstöcke haben identitätstragende Aufgaben

Wien (OTS) - "Viel zu oft wird gleich das ganze Organ herausgeschnitten, obwohl nur ein Teil davon krankhaft verändert ist", kritisieren die beiden Frauenärzte am Wiener AKH Prof. Fritz Nagele und Prof. Paul Speiser den allgemeinen Gynäkologie-Betrieb. Und weiter: "Den Schaden haben die Patientinnen: von Beeinträchtigungen ihres Wohlbefinden bis hin zu Orgasmusproblemen und Identitätskrisen. Denn Gebärmutter und Eierstöcke sind frauenspezifische und daher identitätstragende Organe, zu denen Frauen eine sehr sensible Beziehung entwickeln. Nur wenige sind froh und finden es bequem, wenn sie mit ihrem Frausein nichts mehr zu tun haben müssen. Viele empfinden sich nach einer derartigen Operation als weniger weiblich, attraktiv und begehrenswert und verlieren ihren emotionalen Rhythmus. Die Gebärmutter hat ihre Rolle mit der Geburt des Kindes noch lange nicht erfüllt."

Die Entfernung der Gebärmutter beispielsweise wird von vielen Gynäkologen bei anhaltenden starken Regelblutungen vorgenommen, obwohl am Organ selbst keine krankhaften Veränderungen nachweisbar sind. Dazu Prof. Speiser: "Die Einführung endoskopischer Operationstechniken hat international zu einem völligen Umdenken geführt. Heute sind bei den wenigsten gynäkologischen Problemen noch Bauchschnitt und Radikalentfernung notwendig. Stattdessen sollten maximaler Organerhalt und der kleinstmögliche Schnitt angestrebt werden." Wenn es aus medizinischer Sicht tatsächlich notwendig ist, ein Organ zu entfernen, so kann das mit Hilfe der Endoskopie durchgeführt werden. Nach dem Motto: 'So schonend wie möglich, so radikal wie nötig'.

Neben emotionellen und kosmetischen Aspekten gibt es noch 4 wesentliche medizinische und ökonomische Vorteile: Die Patientin erholt sich deutlich schneller, braucht wesentlich weniger Schmerzmittel, ist schneller wieder arbeitsfähig und der Operateur kann durch die Verwendung eines optischen Lichtstabes das Operationsfeld stark vergrößert einsehen und besonders exakt beurteilen. Prof. Nagele: "Angesichts so vieler Vorteile ist der Einsatz des traditionellen großen Bauchschnittes mit Totaloperation nur noch in den wenigsten Fällen gerechtfertigt."

Informationsmangel bei Patientinnen und Ärzteschaft

"Wichtig ist eine Informationsoffensive in beide Richtungen:
Sowohl zu den GynäkologInnen als auch zu den Patientinnen. Solange man den Patientinnen nicht sagt, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, nehmen sie zu häufig die Totaloperation hin. Viele Studien sagen, dass sich 1/3 aller Frauen beim Gynäkologen gar nicht nachzufragen trauen und daher über die modernen Möglichkeiten nicht Bescheid wissen", erläutert Prof. Speiser. So zeigte beispielsweise eine Untersuchung der amerikanischen Society for Women's Health Research (SWHR), dass jede vierte Frau von ihrem Gynäkologen den Rat zur Totaloperation bekommt. 82 % dieser Frauen entschließen sich dann tatsächlich dazu.

Eine Ursache dieses allzu leichten Einverständnisses ortet Prof. Speiser im fehlenden anatomischen Wissen der Patientinnen: "Dank der Verwendung von Tampons ist den Patientinnen wenigstens die Scheide vertraut. Doch über die Lage und Funktion von Eileitern, Eierstöcken und Gebärmutter fehlen meist genauere Vorstellungen. Bei uns können Patientinnen alle ambulanten Untersuchungen auf dem Bildschirm mitverfolgen und so z.B. ihre eigene Gebärmutter von innen sehen. Eine ergänzende Ultraschalluntersuchung führt dazu, dass Frauen eine klarere Vorstellung von ihren Organen bekommen." Informationsbedarf herrscht aber auch in der Ärzteschaft. Dazu Prof. Speiser: "Wir geben den KollegInnen in unserem Zentrum für Gynäkologische
Endoskopie am Privatspital Goldenes Kreuz Gelegenheit, mit ihrer Patientin zu uns zu kommen, und mit uns gemeinsam zu untersuchen oder zu operieren. Dadurch können wir unser spezielles Fachwissen über endoskopische Methoden und unsere langjährige Erfahrung weitergeben. Den Nutzen hat die Patientin: man erspart ihr große Bauchschnitte, entfernt die Krankheitsursache und erhält das Organ."

Prof. Nagele abschließend: "Ob der Operateur gut gearbeitet hat, wird von Patientinnen oft nach der Länge der Narbe beurteilt. Gesundheits- und körperbewusste Frauen wollen sich weder durch eine lange Narbe verunzieren lassen, noch ihre frauenspezifischen Organe ohne Grund 'verschenken'. Der kurze Spitalsaufenthalt und die rasche Erholung sind zusätzliche Vorteile dieser Operationstechniken, die den Bedürfnissen der berufstätigen oder durch Beruf und Familie doppelt belasteten Frau entgegenkommen."

Bild(er) zu dieser Meldung finden Sie im AOM/Original Bild Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at

Rückfragen & Kontakt:

Univ.Prof. Dr. Fritz Nagele
nagele@endogyn.at
Tel.: 0664/531 84 85

Univ.Prof. Dr. Paul Speiser
speiser@endogyn.at
Tel.: 0676/432 56 66

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF/NEF/OTS