• 22.04.2002, 16:29:29
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Und jetzt ein ORF-Programm! von Engelbert Washietl

WirtschaftsBlatt-Kommentar

Wien (OTS) - Kopfarbeit beim und für den ORF erschöpft sich seit
mindestens einem Jahr im Köpferl-Verschieben: Wer steigt auf, wer
zahlt drauf, wer bleibt übrig? Durch die Auswirkungen des neuen
ORF-Gesetzes ist die personalpolitische Hysterie besonders krass.

Jedes Unternehmen und erst recht Medienunternehmen braucht
Veränderung, gegen sachlich motivierte Umbesetzungen ist nichts
einzuwenden. Das grosse Revirement, das der ORF veranstaltet, verrät
aber gerade durch die Konsequenz, mit der umgebaut wird, eine
rituelle Komponente: altbekannte Gesichter erscheinen auf neuen
Posten. Wie bei der Anker-Uhr am Hohen Markt ziehen auch am
Küniglberg dieselben Figuren durch die neue Zeit. Erscheint eine
Figur nicht mehr, dann darf man sicher sein, dass sie hinterm
Ziffernblatt bloss auf ihre Zeit warten muss bei voller Bezahlung.

Am Montag wurde endlich der Chefredakteur der Fernsehinformation
besetzt, jetzt kommen Stellvertreter und Ressortleiter dran und
womöglich einmal die freien Mitarbeiter. Die Hörer und Zuschauer
warten aber auf überhaupt niemanden mehr, sondern auf etwas: Mit
welchem Programm wird der ORF in nächster Zukunft um Anerkennung und
Aufmerksamkeit kämpfen? Der Generaldirektorin, Monika Lindner,
bleiben nur noch vier Jahre und zwei Monate Zeit, bis ihr Posten neu
ausgeschrieben wird. Der neuen ORF-Garnitur mit den vielen bekannten
Gesichtern bläst rauer Wind entgegen. Die Kosten explodieren, das
Geld geht aus, das Defizit ist unvermeidlich. Der Zusammenbruch des
Kirch-Imperiums ist ein klares Signal aus der medialen
Grosswetterlage: Für das Fernsehen ist das Ende des Wachstums
gekommen, die Menschen sind weder bereit, für zusätzliche Angebote
mehr zu zahlen, noch mehr Zeit dafür aufzuwenden. Sie waren dazu
überhaupt erst ein Mal bereit: bei der Einführung des Fernsehens, das
damals seinen Mehrwert nicht begründen musste. Da es nur
öffentlich-rechtliches TV gab, blieben die Programmentgelte der
Österreicher an den ORF gebunden. Das verschafft ihm finanziellen
Spielraum für Qualität, ist aber auch seine Achillesferse. Er muss
jederzeit nachweisen, dass er das Geld verdient. Die Leistung ist das
Programm und nicht die gesetzlich geforderte Ausschreibungsorgie.
(Schluss) was

Rückfragehinweis:

WirtschaftsBlatt
Redaktionstel. 91919-305

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB/PWB/OTS

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