Und jetzt ein ORF-Programm! von Engelbert Washietl

WirtschaftsBlatt-Kommentar

Wien (OTS) - Kopfarbeit beim und für den ORF erschöpft sich seit mindestens einem Jahr im Köpferl-Verschieben: Wer steigt auf, wer zahlt drauf, wer bleibt übrig? Durch die Auswirkungen des neuen ORF-Gesetzes ist die personalpolitische Hysterie besonders krass.

Jedes Unternehmen und erst recht Medienunternehmen braucht Veränderung, gegen sachlich motivierte Umbesetzungen ist nichts einzuwenden. Das grosse Revirement, das der ORF veranstaltet, verrät aber gerade durch die Konsequenz, mit der umgebaut wird, eine rituelle Komponente: altbekannte Gesichter erscheinen auf neuen Posten. Wie bei der Anker-Uhr am Hohen Markt ziehen auch am Küniglberg dieselben Figuren durch die neue Zeit. Erscheint eine Figur nicht mehr, dann darf man sicher sein, dass sie hinterm Ziffernblatt bloss auf ihre Zeit warten muss bei voller Bezahlung.

Am Montag wurde endlich der Chefredakteur der Fernsehinformation besetzt, jetzt kommen Stellvertreter und Ressortleiter dran und womöglich einmal die freien Mitarbeiter. Die Hörer und Zuschauer warten aber auf überhaupt niemanden mehr, sondern auf etwas: Mit welchem Programm wird der ORF in nächster Zukunft um Anerkennung und Aufmerksamkeit kämpfen? Der Generaldirektorin, Monika Lindner, bleiben nur noch vier Jahre und zwei Monate Zeit, bis ihr Posten neu ausgeschrieben wird. Der neuen ORF-Garnitur mit den vielen bekannten Gesichtern bläst rauer Wind entgegen. Die Kosten explodieren, das Geld geht aus, das Defizit ist unvermeidlich. Der Zusammenbruch des Kirch-Imperiums ist ein klares Signal aus der medialen Grosswetterlage: Für das Fernsehen ist das Ende des Wachstums gekommen, die Menschen sind weder bereit, für zusätzliche Angebote mehr zu zahlen, noch mehr Zeit dafür aufzuwenden. Sie waren dazu überhaupt erst ein Mal bereit: bei der Einführung des Fernsehens, das damals seinen Mehrwert nicht begründen musste. Da es nur öffentlich-rechtliches TV gab, blieben die Programmentgelte der Österreicher an den ORF gebunden. Das verschafft ihm finanziellen Spielraum für Qualität, ist aber auch seine Achillesferse. Er muss jederzeit nachweisen, dass er das Geld verdient. Die Leistung ist das Programm und nicht die gesetzlich geforderte Ausschreibungsorgie. (Schluss) was

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Redaktionstel. 91919-305

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB/PWB/OTS